Haushaltshilfe | Bildquelle: picture alliance / Franziska Kra

Schätzung des IW Die meisten Haushaltshilfen arbeiten schwarz

Stand: 30.03.2017 11:58 Uhr

Rund drei Millionen Haushaltshilfen gibt es in Deutschland, doch nur ein kleiner Teil davon ist sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Nach aktuellen Berechnungen arbeiten mehr als drei Viertel der Haushaltshilfen schwarz.

Viele Haushaltshilfen in Deutschland arbeiten schwarz - das geht aus Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. "Nur knapp 350.000 der schätzungsweise 2,7 bis drei Millionen Putzkräfte, Babysitter oder Gärtner arbeiten als Minijobber oder sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt", schreibt das IW. In der Annahme, dass viele Haushaltshilfen in mehr als nur einem Haushalt arbeiten, schätzt das Institut, dass 75 bis 83 Prozent nicht angemeldet sind.

Besonders häufig seien Rentner oder junge Menschen in Ausbildung oder Studium von Schwarzarbeit betroffen. Allerdings würden nur die Wenigstens zugeben, dass sie selbst nicht ordnungsgemäß angemeldet sind. Im Jahr 2013 leisteten nach eigener Aussage nur zwei Prozent Schwarzarbeit, 27 Prozent gaben aber an, jemanden zu kennen, der schwarzarbeitete.

Hauptgrund für die Schwarzarbeit seien laut IW-Experte Dominik Enste hohe Abgaben und Regulierungen: "Das macht es für viele attraktiv, diese Leistungen selbst zu erledigen - oder eben jemand unter der Hand dafür zu engagieren."

Doppelmoral bei Schwarzarbeit

"Wir erleben häufig eine Art Doppelmoral", sagte Enste, der die Daten für die Studie zusammengetragen hatte, der Nachrichtenagentur dpa. "Die Bürger kritisieren Politiker, zu wenig zu tun oder die Unternehmen, prekäre Beschäftigungsverhältnisse zu schaffen, aber finden es im eigenen Haushalt völlig selbstverständlich, der Haushaltshilfe keinen bezahlten Urlaub oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu gewähren."

Immerhin liege der Anteil der Haushaltshilfen an der Schwarzarbeit insgesamt Umfragen zufolge bei 15 bis 20 Prozent. Im Vergleich zur Schwarzarbeit am Bau sei der Wertschöpfungsanteil zwar noch geringer. Dennoch empfiehlt Enste, die Anreize für Schwarzarbeit zu verringern: "Um Schwarzarbeit langfristig zu bekämpfen, darf sie nicht länger als Kavaliersdelikt durchgehen."

Die genaue Höhe des gesamten fiskalischen Schadens von Schwarzarbeit in Deutschland ist schwer zu nennen - Schätzungen zufolge sind es zwischen 10,92 Milliarden Euro und 28,6 Milliarden Euro.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. März 2017 um 11:44 Uhr.

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