Hohe Fehlerquote bei Auskunfteien Kein Kredit wegen falscher Daten

Stand: 19.08.2009 10:00 Uhr

Auskunfteien wie die Schufa entscheiden oft darüber, ob jemand als kreditwürdig angesehen wird und beispielsweise eine Wohnung mieten kann. Eine Studie im Auftrag des Verbraucherministeriums belegt nun, dass viele gespeicherte Verbraucherdaten falsch sind - und das kann ärgerliche Folgen haben.

Von Jens Otto für tagesschau.de

Geben Auskunfteien Daten über einen Verbraucher heraus, kann das für den Betroffenen böse Folgen haben. Meldet beispielsweise die Schufa auf Nachfrage eines Mobilfunkanbieters, ein potenzieller Kunde verfüge nicht über ein Girokonto, gibt es keinen Vertrag und damit kein Handy für den Verbraucher. Das ist ärgerlich - erst Recht, wenn die Information über das angeblich nicht existente Konto gar nicht stimmt.

Brief der Schufa
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Falsche Informationen über Verbraucher sollen bei der Schufa und anderen Auskunfteien keine Seltenheit sein.

Das soll bei der Schufa und drei weiteren Auskunfteien ziemlich häufig der Fall sein. So lautet das Ergebnis einer Studie, die Verbraucherministerin Ilse Aigner heute vorstellte. Für die Studie hatten 100 Personen eine Selbstauskunft bei den vier Anbietern angefordert. Knapp die Hälfte der Eigenauskünfte der Schufa enthielt falsche oder unvollständige Daten wie bereits gekündigte Handyverträge, falsche Girokonten und nicht existente Kreditkarten.

Mangelhafte Überprüfung der Daten

Im Ernstfall können solche Fehler dazu führen, dass Verbrauchern Kredite, Mietverträge und Ratenzahlungen verweigert werden. Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin kennt diese Probleme. Dutzende seiner Kollegen hätten über die vergangenen Jahre testweise Einblick in ihre Schufa-Einträge genommen. "Die Daten waren fast immer unvollständig oder falsch", so Pauli.

Seiner Meinung nach gibt es einen Hauptgrund für die hohe Fehleranfälligkeit der Auskunfteien: Diese würden glauben, das sehr große Datenaufkommen problemlos eingeben und verwalten zu können. Dazu käme dann aber zu selten die nötige hochwertige Überprüfung. Außerdem sei das Vertrauen derer, die auf die Einträge der Schufa und anderer Anbieter zurückgreifen, in die Daten zu groß, meint Pauli: "Die Schufa-Auskunft ist nur ein Schnelltest und sollte auch als solcher verstanden werden. Die Informationen, die die Auskunfteien geben, müssten viel häufiger hinterfragt werden. Es wird aber leider zu oft übersehen, dass die Einträge nur eine begrenzte Aussagekraft haben. Ein bisschen mehr Kommunikation mit dem Kunden und nicht bloß mit der Datenbank könnte schon helfen."

Betroffene sollten ihre Daten unbedingt prüfen lassen

Wer erlebt, dass ihm ein Kredit oder ein Vertrag verweigert wird, sollte unbedingt nachfragen, woher die Infos zur Bonität genau stammen, rät der Verbraucherschützer. "So kann man dann an der richtigen Stelle nachhaken und die gespeicherten Daten überprüfen. Und das sollte man auf jeden Fall tun. Denn ein falscher Eintrag kann sich sozusagen fortpflanzen und in der Zukunft auch an anderen Stellen für Ärger sorgen", weiß Pauli. Einen Rechtsanspruch auf Auskunft hat jeder, der seine Daten bei Auskunfteien überprüfen möchte. Meist sind die Eigenauskünfte jedoch kostenpflichtig.

Die Schufa wollte sich nicht zu der hohen Fehlerquote äußern, so lange die Ergebnisse der Studie nicht offiziell vorgestellt wurden. Gegenüber tagesschau.de gab es lediglich den Hinweis darauf, dass jeder Verbraucher die über ihn vorliegenden Daten jederzeit kostenpflichtig erfragen könne - entweder im Internet unter www.meineschufa.de oder in einer der 14 Servicestellen in ganz Deutschland. Eine Auskunft per Telefon sei aus Datenschutzgründen nicht möglich.

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