Bundesfinanzminister Olaf Scholz im Wirecard-Untersuchungsausschuss | REUTERS

Wirecard-Skandal Scholz weist Mitschuld von sich

Stand: 22.04.2021 12:21 Uhr

Die Regierung trage keine Verantwortung: Finanzminister Scholz hat im parlamentarischen Untersuchungssausschuss zum Wirecard-Skandal jegliche Mitschuld von sich gewiesen. Er sprach von "hoher krimineller Energie" des Unternehmens.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat eine Mitschuld am milliardenschweren Wirecard-Skandal weit von sich gewiesen. Gegen das frühere Top-Management des Zahlungsabwicklers werde ermittelt. "In dem Unternehmen wurde offenbar mit hoher krimineller Energie gehandelt", sagte der SPD-Kanzlerkandidat im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu dem Finanzskandal.

Der Wirtschaftsprüfer EY habe zudem elf Jahre lang nicht die Fehler aufgedeckt und die Bilanzen stets testiert. Diesen sei zu lange Glauben geschenkt worden. Die Bundesregierung trage nicht die Schuld an dem Fall. Scholz sagte, es sei schnell gehandelt und seien die richtigen Konsequenzen gezogen worden: "All das habe ich zügig auf den Weg gebracht."

Staatliche Aufsicht nicht gut genug

Scholz wies Vorwürfe zurück, die Finanzaufsicht BaFin oder das Finanzministerium hätten ihre schützende Hand über das Unternehmen gehalten. Er räumte allerdings ein, das staatliche Aufsichts- und Kontrollgefüge sei für einen solchen Angriff nicht gut genug gerüstet gewesen. Es sei wichtig, daraus zu lernen - auch, da viele Anleger getäuscht worden seien und hohe Summen verloren hätten.

Wirtschaftsprüfer enger an die Leine nehmen

Die dem Finanzministerium unterstellte BaFin werde neu aufgestellt und solle deutlich mehr Befugnisse bekommen. Außerdem sollten die Wirtschaftsprüfer enger an die Leine genommen werden. Ziel sei es, das Vertrauen wiederherzustellen.

Der frühere Dax-Konzern war im Juni 2020 nach Bekanntwerden milliardenschwerer Luftbuchungen in die Pleite gerutscht. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Bilanzfälschung, Betrug, Marktmanipulation und Geldwäsche. Mehrere Ex-Vorstände von Wirecard sitzen in Untersuchungshaft oder sind auf der Flucht. Der BaFin und damit auch dem Finanzministerium werden weitgehendes Versagen in dem Fall vorgeworfen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. April 2021 um 12:00 Uhr.