Handelsexperte Thomas Roeb
Interview

Insolvente Drogeriemarktkette "Schlecker problematischer als Karstadt"

Stand: 25.05.2012 12:18 Uhr

Für die Zukunft der insolventen Drogeriemarkt-Kette Schlecker könnten heute wichtige Entscheidungen fallen, bei einem Treffen der drei größten Gläubiger. Interesse soll nun auch Investor Berggruen haben. Der Fall Schlecker ist problematischer als Karstadt, meint Handelsexperte Thomas Roeb.

tagesschau.de: Der Name eines potenziellen Investors macht die Runde, Nicolas Berggruen. Was könnte ihn an Schlecker reizen?

Thomas Roeb: Schlecker ist natürlich ein Sanierungsfall. Berggruen hat mit Karstadt schon Erfahrung mit Sanierungsobjekten im deutschen Einzelhandel gesammelt. Möglicherweise möchte er diese Erfahrung nun auf einen neuen Fall übertragen.

Handelsexperte Thomas Roeb
Zur Person

Thomas Roeb ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Sein Fachgebiet ist die Handelsbetriebslehre. Als Handelsexperte berät er auch Unternehmen, darunter große Drogeriemarktketten.

"Kein positiver Cashflow"

tagesschau.de: Könnte auf der Gläubigersitzung heute schon beschlossen werden, ob an Berggruen verkauft wird?

Thomas Roeb: Ich habe keine Informationen darüber, dass es bereits ein abstimmungsfähiges Angebot von Berggruen gibt. Das würde mich auch unter dem Gesichtspunkt überraschen, dass er noch nicht sehr lange als Übernehmer-Kandidat im Gespräch ist. Wahrscheinlich fehlen ihm noch sehr viele Informationen. Auch ist der Fall Schlecker sichtlich sehr viel komplizierter und auch problematischer als der Fall Karstadt damals war. Insofern will ich das nicht ausschließen, aber es würde mich doch überraschen, wenn darüber heute schon eine endgültige Entscheidung fallen würde.

tagesschau.de: Was macht den Fall Schlecker komplizierter?

Thomas Roeb: Es gibt viele Unternehmen, die sich zumindest im ersten Schritt damit beschäftigten. Es scheint ja auch jetzt noch eine Reihe von potenziellen Übernehmern zu geben. Der Fall ist dadurch schwieriger, dass Schlecker, jedenfalls das Deutschlandgeschäft von Schlecker, im Moment nicht unerhebliche Verluste zu machen scheint. Und das war bei Karstadt, zu dem Zeitpunkt als Berggruen es übernahm, nicht der Fall. Karstadt entwickelte, wenn man die Zahlungen an die Gläubiger außen vor ließ, einen positiven Cashflow und daran hat sich auch bis heute nichts geändert, während Schlecker zwar keine Bankschulden hatte, aber eben auch keinen positiven Cashflow. Die verlieren jetzt aktuell Geld.

Das Interview führte Katrin Prüfig, tagesschau24.

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KOMMENTARE

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gunungagung 25.05.2012 • 15:43 Uhr

Der Schuldige ist nicht Herr Berggruen sondern.....

die Familie Schlecker!!! Wir leben in einer sozialen Marktwirtschaft und die Zeichen der Zeit sind durch das Familienmanagement der "Schleckers" verkannt worden. Das Unternehmen unterlag keine Kontrolle, außer durch Familienmitglieder. Nun ist Herr Berggruen bestimmt kein Messias , Wohltäter oder Sponsor. Er ist in erte Linie Investor und will auf absehbare Zeit sein Geld zurück plus eine Rendite. Wenn es ihm gelingt dieses zu erreichen und dabei auch noch Arbeitplätze erhalten bleiben, muß man dieses positiv bewerten. Ich wünsche die Belegschaft, den Insolvenzverwalter und eventuelle Investoren die Kraft, welche sie brauchen werden um den Scherbenhaufen der Familie Schlecker auf zu räumen. Es gibt viel zu tun, packen sie es an.