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Drogeriekette plant Sanierungsverfahren Schlecker stellt Insolvenzantrag

Stand: 23.01.2012 10:00 Uhr

Die Drogeriemarktkette Schlecker hat wie angekündigt Insolvenz angemeldet. "Der Antrag ist per Fax eingegangen", sagte ein Sprecher des zuständigen Amtsgerichts in Ulm. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde der Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz aus Neu-Ulm ernannt. Er begann noch am Nachmittag mit einer Bestandsaufnahme bei dem Unternehmen.

Schlecker hatte am Freitag angekündigt, einen Antrag auf Planinsolvenz einreichen zu wollen. Das bedeutet, dass das Unternehmen ein sogenanntes Planinsolvenzverfahren in Eigenverwaltung anstrebt. Bei einem solchen Vorgehen legt das Unternehmen dem Insolvenzrichter ein Sanierungskonzept vor. Ziel ist es dabei, den Konzern von seinen Schulden zu befreien. Die Familie Schlecker könnte dabei Eigentümer bleiben.

"Wir haben ein gutes Konzept"

Bei einem Verfahren in Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt - oft mit Unterstützung eines professionellen Sanierers. Der Insolvenzverwalter übernimmt nur die Aufsicht. "Wir haben ein gutes Konzept, aber es hängt natürlich von den Gläubigern ab", sagte gestern ein Schlecker-Sprecher. Denn diese müssen entscheiden, welcher Weg aus ihrer Sicht die größeren Chancen bietet, ihr Geld zurückzubekommen: Entweder durch den Verkauf und die Zerschlagung des Unternehmens oder durch die Sanierung von Schlecker, bei dem der Betrieb weiterläuft wie bisher. Bisher wird die Eigenverwaltung nur in einem Bruchteil aller Verfahren genehmigt, selbst Planinsolvenzen sind die Ausnahme.

Schlecker will mit seiner Planinsolvenz einen großen Teil des Filialnetzes und der Mitarbeiter erhalten. Das Unternehmen ist mit inzwischen etwa 7000 Märkten und etwa 30.000 Mitarbeitern die größte Drogeriekette Deutschlands. Europaweit betreibt der Konzern etwa 11.000 Filialen und beschäftigt 47.000 Mitarbeiter.

Gewerkschaft will "das Beste für die Beschäftigten"

Die Dienstleistungsgwerkschaft ver.di will zunächst einmal klären, wie die von Schlecker bevorzugte Planinsolvenz mit Einbeziehung des bisherigen Managements ablaufen soll. Ver.di wolle sich in das Verfahren einbringen und "das Beste für die Schlecker-Beschäftigten" herausholen, sagte ein Gewerkschaftssprecher.

Grund für die Zahlungsunfähigkeit ist Schlecker zufolge eine geplatzte Zwischenfinanzierung für die seit Mitte 2010 laufende Sanierung. Nach Berichten der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und des Magazins "Spiegel" wurde die Insolvenz dadurch ausgelöst, dass der Einkaufsverbund Markant einen zweistelligen Millionenbetrag für gelieferte Waren forderte, den Schlecker nicht mehr zahlen konnte. Discount-Ketten profitieren davon, dass immer viel Geld in die Kasse kommt, die eingekaufte Ware aber nur mit Verzögerung bezahlt werden muss. Doch vor allem die kleinen Läden blieben zuletzt häufig leer.

2010 ging der Schlecker-Umsatz um zehn Prozent auf 6,55 Milliarden Euro zurück. Für 2011 rechnete der schwäbische Familienkonzern erneut mit sinkenden Erlösen. Dem Unternehmen macht vor allem die Konkurrenz durch die Ketten dm und Rossmann zu schaffen.