Bundesautobahn A3 neben der ICE Hochgeschwindigkeitstrasse | Bildquelle: picture alliance / Geisler-Fotop

Ausgaben für Infrastruktur Straße vor Schiene

Stand: 16.07.2020 15:08 Uhr

Deutschland kommt nicht voran beim Schienenausbau. Noch immer werde deutlich mehr Geld in die Straße investiert als ins Schienennetz, kritisiert die Allianz pro Schiene. Doch in diesem Jahr könnte der Knoten platzen.

Aus Sicht des Interessenverbands Allianz pro Schiene gibt der Bund nach wie vor deutlich zu wenig Geld für den Ausbau der Schieneninfrastruktur aus. Bei rund 76 Euro je Einwohner hätten die Investitionen in das eigene Schienennetz gelegen - einen Euro weniger als im vergangenen Jahr, geht aus dem gemeinsamen Bericht des Verbands und der Unternehmensberatung SCI Verkehr hervor.

"Es ist seit Jahren die Rede von einem Investitionshochlauf in die Infrastruktur", sagte Hauptgeschäftsführer von Allianz pro Schiene, Dirk Flege. "Die Budgets halten jedoch seit Jahren nicht Schritt mit diesen Ankündigungen." Ändern könnte sich das aus seiner Sicht in diesem Jahr. In den Nachtragshaushalten, die der Bund aufgrund der Corona-Krise auflegen musste, seien Investitionssteigerungen von rund 40 Prozent für die Bundesschienenwege vorgesehen.

"Eine solche Steigerung haben wir nie zuvor gesehen", sagte Flege, der gleichzeitig die Euphorie dämpfte. "Erst wenn der Ausbau der Schiene klar Priorität bekommt und der Bund seine Schieneninvestitionen dauerhaft und nachhaltig hochfährt, können sich die Menschen auf eine Verkehrswende mit einer Schieneninfrastruktur auf europäischem Spitzenniveau freuen."

Deutschland hinkt im Europa-Vergleich klar hinterher

Denn im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarn ist Deutschland alles andere als auf Spitzenniveau: Bei den Pro-Kopf-Investitionen in Höhe von 76 Euro sei Deutschland weit abgeschlagen. Selbst Länder mit vergleichbarer Topografie und ähnlichen Voraussetzungen gäben mehr Geld pro Kopf aus. In Italien etwa lagen demnach die Investitionen bei 93 Euro pro Einwohner im vergangenen Jahr. In den Niederlanden waren es 133 Euro.

In der Schweiz wurde 2019 sogar mehr als 400 Euro pro Kopf in die Schiene investiert. Das liege aber an der bergigen Topografie, die viele Tunnelbauten notwendig mache und die Ausgaben in die Höhe treibe. "Alles, was jenseits von Österreich und der Schweiz liegt, ist mit Deutschland aber durchaus vergleichbar", betonte Flege.

Deutschland investiert größtenteils ins Straßennetz

Auch beim Blick auf die Verkehrsinvestitionen der Länder wird deutlich, wo die jeweiligen Prioritäten liegen. So gingen im vergangenen Jahr in den drei europäischen Spitzenreitern Luxemburg, Österreich und Schweiz mehr als die Hälfte der Infrastrukturinvestitionen ins Schienennetz. Luxemburg stecke inzwischen sogar nahezu zwei Drittel der für die Infrastruktur vorgesehenen Mittel in diesen Bereich. Deutschland hingegen gab 56 Prozent der Mittel für den Erhalt, Neu- und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur für die Straßen aus.

Nach Ansicht von Allianz pro Schiene und SCI Verkehr zeigte die Corona-Krise, dass sich höhere staatliche Investitionen in die Gleisinfrastruktur für Reisende und Güterkunden auszahlen würden. Man habe gesehen, dass "mit mehr Kapazitätsreserven im Netz die Leistungsfähigkeit des Eisenbahnbetriebs erhöht wird. Durch die krisenbedingt geringere Netzauslastung konnte eine signifikant größere Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit erreicht werden", sagte Maria Leenen, Geschäftsführerin von SCI Verkehr. "Mit dieser höheren Attraktivität lassen sich spürbar neue Kundengruppen für die Bahn erschließen."

Darstellung: