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Grauer Finanzmarkt soll besser reguliert werden EU-Kommission will Schattenbanken überwachen

Stand: 19.03.2012 15:45 Uhr

Die EU will eine Regulierung für Investmentfonds und andere sogenannte Schattenbanken aufbauen, um den europäischen Finanzmarkt krisenfester zu machen. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier startete dazu öffentliche Beratungen, auf die ab Sommer ein Gesetzesentwurf folgen soll. "Die Selbstkontrolle funktioniert nicht", begründete Barnier seine Initiative. Alle Finanzakteure müssten sich darauf einstellen, öffentlich beaufsichtigt zu werden.

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier will den grauen Finanzmarkt strenger überwachen.

Am Ende der Beratungen könnte ein neuer Gesetzentwurf stehen. "Was wir nicht wollen, sind Vehikel, die bestehende Regeln umgehen und damit zur Entstehung neuer Risiken im Finanzsystem beitragen", sagte Barnier. "Deshalb müssen wir besser verstehen, was Schattenbanken eigentlich sind und welche Regulierung und Aufsicht für sie angebracht ist."

G20-Länder wollen mehr Kontrolle

Die Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer dringt seit längerem auf eine bessere Aufsicht über den Sektor. "Es muss uns alarmieren, dass sich die Transaktionen der Schattenbanken zwischen 2002 und 2010 mehr als verdoppelt haben", sagte Barnier dem "Handelsblatt". "Das entspricht einem Anteil von 25 bis 30 Prozent des Finanzmarktes." Zudem verlagern viele reguläre Banken ihre Geschäfte auf die Schattenbanken, um sich so der EU-Kontrolle zu entziehen. Die Schlupflöcher will der Kommissar schließen, etwa, indem Vorschriften für reguläre Banken auf die Akteure in der Grauzone ausgeweitet werden.

Die EU wolle Vorreiter bei der Regulierung dieses Segments sein, so Barnier. Entweder müsse der bestehende Rechtsrahmen für bestimmte Finanzinstrumente oder Hedgefonds ergänzt werden. Oder aber ein gänzlich neues Gesetz müsse her.   

Schattenbanken

Schattenbanken sind Unternehmen, die ähnliche Funktionen wie Banken erfüllen - aber fast keiner Kontrolle unterliegen. Dazu zählen auch börsengehandelte Indexfonds und Private-Equity-Firmen, Finanzierungsgesellschaften und Versicherer, die Kredite zum Beispiel auch an Konsumenten vergeben. Sie machen ähnliche Geschäfte wie Banken, unterliegen aber nur teilweise den Regeln, die für traditionelle Finanzhäuser gelten.

Die EU-Kommission befürchtet, dass die Pleite einer Schattenbank wegen ihrer Verknüpfung mit den regulären Banken das Finanzsystem gefährlich erschüttern kann.

Aus Deutschland kam bereits erste Kritik: Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) reagierte auf Barniers Vorstoß mit Ablehnung. Denn "einen Mangel an Regulierung kann unsere Branche wahrlich nicht beklagen", erklärte BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter. Er will erreichen, dass Investmentfonds von neuen Regeln aus Brüssel verschont bleiben.

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KOMMENTARE

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Alien_xyz 19.03.2012 • 22:50 Uhr

Just my 5 cents..

"Die EU-Kommission befürchtet, dass die Pleite einer Schattenbank wegen ihrer Verknüpfung mit den regulären Banken das Finanzsystem gefährlich erschüttern kann." So, so...die haben die Gefahr erkannt. Und als Lösung wird über strengere Kontrollen nachgedacht. Es müssen erst in diesem Parallelsystem sich weltweit ein Umsatz von 60 Billionen bilden, bis man die Gefahr erkannt hat. Das sind: 60.000.000.000.000 Euro Wie soll man es deuten? Wir haben EU- Kommissionen, die eine Gefahr erkennen, und über Lösungen nachdenken, ... Wie hätte es auch ein Mensch ahnen können, das über Nacht dieses Schattenbanksystem so groß werden könnte. Auf ein mal war da halt ein Umsatz von 60 Billionen Euro da. ... ...