Schaeffler und Conti

Absturz von Continental macht Schaeffler zu schaffen Vom Branchenstar zum Bittsteller

Stand: 19.02.2009 16:57 Uhr

Continental ist tief in die roten Zahlen gerutscht - und einmal mehr zeigt sich, wie sehr sich das Familienunernehmen Schaeffler mit der Übernahme des viel größeren DAX-Konzerns aus Hannover verhoben hat. Schaefflers Abstieg vom bewunderten Branchenstar zum Bittsteller war rasant.

Von Jörg Endriss für tagesschau.de

Noch im vergangenen Jahr stand die Provinzfirma Schaeffler aus dem fränkischen Ort Herzogenaurach als großer Gewinner da. Schaeffler hatte gerade den Einstieg beim dreimal größeren DAX-Konzern Continental geschafft. Für eine Abwehrschlacht fehlte dem Reifenhersteller das Geld. Conti habe sich mit der Milliarden-Übernahme von VDO, der Elekroniksparte von Siemens, verhoben, hieß es damals.

Continentalübernahme

Hauptsitz der Schaeffler-Gruppe in Herzogenaurach.

Wirtschaftsexperten beschworen die Kraft von Familienunternehmen: Die Betriebe seien weniger dem Druck von Aktionären ausgesetzt, kurzfristige Renditeziele zu erreichen. Bei Investitionen hätten sie einen längeren Atem. Nun geht allerdings Schaeffler die Puste aus.

Tränen in der Krise

Für rund zehn Milliarden Euro hatte Schaeffler die Conti-Mehrheit übernommen - mittlerweile ist das Paket an der Börse gerade mal noch etwa zwei Milliarden Euro wert. Der Autozulieferer aus Hannover ist ausweislich seiner Jahresbilanz 2008 tief in die roten Zahlen gerutscht.

Schaeffler, dem zweitgrößten Wälzlager-Hersteller der Welt, geht das Geld aus. Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler, deren Privatvermögen auf mehrere Milliarden Euro geschätzt wird, versucht sich nun in der Rolle als Bittstellerin - und ruft den Staat zur Hilfe. Die Wirtschaftskrise und der Absatzeinbruch auf dem Automarkt habe die Zulieferer Schaeffler und Conti kalt erwischt, argumentiert sie.

Inhaberin des Unternehmens, Maria Elisabeth Schaeffler, reagiert vor der Firmenzentrale in Herzogenaurach auf die Demonstration ihrer Mitarbeiter.

Zu Tränen gerührt: Inhaberin Maria Elisabeth Schaeffler bei einer Demo

Dabei weiß die Milliardärin die Belegschaft hinter sich. 8000 Mitarbeiter demonstrierten vor kurzem für Finanzhilfen vom Staat und stärkten den Eigentümern den Rücken. "Wir sind Schaeffler", riefen die Teilnehmer des Demonstrationszuges im kleinen Herzogenaurach. Die sonst öffentlichkeitsscheue Familienunternehmerin zeigte sich vor Kameras zu Tränen gerührt.

Die Bundesregierung hat die Schaeffler-Forderungen bislang skeptisch aufgenommen. Sie will nicht in den Verdacht kommen, mögliche Management-Fehlentscheidungen mit Steuergeld abzufedern. Auf der anderen Seite hängen an Schaeffler zehntausende Arbeitsplätze. Diskutiert wird eine Zwischenfinanzierung, bis ein Investor gefunden ist.

Schaeffler-Familie dürfte Einfluss verlieren

Nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten dürfte die Eigentümerfamilie mittelfristig ihren Einfluss verlieren. "Wer auch immer einsteigt, wird Gewicht haben mögen", sagt Willi Diez vom Nürtinger Institut für Automobilwirtschaft. Der Meinung ist auch Engelbert Wimmer von der Unternehmensberatung PA Consulting. Branchenkenner sehen vor allem Finanzinvestoren und asiatische Staatsfonds als mögliche Käufer. "Es ist aber auch möglich, dass sich Autobauer zu einer Auffang-Holding zusammentun und Schaeffler durch Garantien stützen", so Wimmer.

Fahnen des Automobilzulieferers Continental

Droht Schaeffler dasselbe Schicksal wie dem eigenen Übernahme-Opfer Continental?

Letztlich droht Schaeffler das gleiche Schicksal wie dem mittlerweile in den MDax abgestiegenen Unternehmen Continental: Die Firma könnte übernommen werden, weil sie selbst einen zu großen Brocken schlucken wollte.