Gebäude der Sberbank in Moskau | picture alliance/dpa/TASS

Sberbank droht Zusammenbruch Erste russische Bank vor der Pleite

Stand: 28.02.2022 16:34 Uhr

Die scharfen internationalen Finanzsanktionen bedrohen die Existenz erster russischer Banken. Die Sberbank Europe steht offenbar kurz vor dem Zusammenbruch. Das hätte auch Folgen für deutsche Sparer.

Das Angebot klang verlockend: Mit bis zu 1,5 Prozent Festgeldzinsen lockte die Sberbank Direct in Deutschland Kunden an, die ihr Geld langfristig parken wollen. Damit hob sich die Bank von vielen anderen Geldinstituten ab, die meist keine Zinsen mehr zahlen. Tausende Deutsche haben ihr Geld deshalb bei der Sberbank gebunkert.

EZB-Bankenaufsicht warnt vor Zahlungsausfall

Doch ob das Geld auf Dauer dort noch sicher ist, darf bezweifelt werden. Die europäischen Bankenaufseher warnen vor einer möglichen Pleite der europäischen Töchter der Sberbank. Die Sberbank Europe mit Hauptsitz in Wien sowie deren Tochtergesellschaften in Kroatien und Slowenien könnten "ausfallen oder wahrscheinlich ausfallen", warnte die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Nacht zum Montag.

Die Aufseher haben bei der Sberbank Europe und deren Töchtern "erhebliche Abflüsse von Einlagen" festgestellt. "Dadurch habe sich ihre Liquiditätslage verschlechtert. Es seien keine Maßnahmen verfügbar, bei denen realistische Aussichten darauf bestehen, dass diese Position auf Gruppenebene und auf Ebene der einzelnen Tochtergesellschaften in der Bankenunion wiederhergestellt werde, urteilt die EZB.

Zahlungsmoratorium bis 1. März

Die österreichische Finanzmarktaufsicht hat deshalb ein Zahlungsmoratorium bis einschließlich 1. März gegen die Sberbank-Europatochter verhängt. Sie untersagt ihr, "Auszahlungen, Überweisungen oder andere Transaktionen" durchzuführen. Einzige Ausnahme: Einleger dürfen "zur Sicherung des nötigsten täglichen Bedarfs" maximal 100 Euro pro Tag abheben.

In der Europa-Zentrale in Wien zeigt man sich einsichtig. "Wir unternehmen alle Anstrengungen und unterstützen die Behörden uneingeschränkt, damit diese ihre Befugnisse einsetzen können, um diese beispiellose Situation im Sinne der Kunden zu meistern", versicherte Sberbank-Europe-Chefin Sonja Sarközi in einer Mitteilung.

Noch dramatischer ist die Situation bei der tschechischen Tochtergesellschaft der Sberbank. Aus Protest gegen den russischen Angriff auf die Ukraine haben dort zahlreiche Kunden ihre Gelder abgezogen. Die Nationalbank hat Schritte eingeleitet, um der Sberbank-Tochter in Tschechien die Banklizenz zu entziehen. Per Einstweiliger Verfügung sei der Niederlassung die Vergabe neuer Kredite und die Annahme neuer Einlagen untersagt worden, teilte eine Sprecherin mit.

Österreichische Sicherungsfonds müsste bei Pleite einspringen

Käme es zu einer Pleite der Sberbank-Töchter, müsste der österreichische Sicherungsfonds einspringen. Einlagen von Privatanlegern sind in der Europäischen Union bis zu einer Höhe von 100.000 Euro je Einleger und Bank gesetzlich geschützt. Dieser Schutz werde durch die Einlagensicherungssysteme in Österreich auch für die Zweigniederlassung der Bank in Deutschland, sowie in Kroatien und in Slowenien gewährt, betonte die EZB.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin bestätigte, Einlagen deutscher Einleger bei der Sberbank Direct mit Sitz in Frankfurt seien über die österreichische Einlagensicherung geschützt. "Im Entschädigungsfall hat die österreichische Entschädigungseinrichtung die Entschädigungsansprüche der Einleger unverzüglich zu prüfen und die geeigneten Entschädigungsmaßnahmen zu treffen", erklärte die Behörde. "Die deutsche Entschädigungseinrichtung ist im Entschädigungsfall für die Durchführung der Auszahlungen zuständig und hat die Ansprüche der Einleger in der Regel innerhalb von sieben Arbeitstage nach Feststellung des Entschädigungsfalls zu erfüllen."

Bis zuletzt war unklar, ob die Einlagesicherungssysteme auch bei Pleiten als Folge von Sanktionen gelten. Nicht auszuschließen ist auch, dass die russische Regierung Gelder, die bei ihren Banken wie unter anderem die Sberbank angelegt werden, zur Finanzierung des Kriegs gegen die Ukraine verwendet.

Größtes Finanzinstitut Russlands

Die Sberbank Europe ist eine 100-prozentige Tochter der mehrheitlich in Staatsbesitz befindlichen Sberbank in Moskau. Die Sberbank Europe hat eigenen Angaben zufolge etwa 773.000 Kunden in Zentral- und Osteuropa, davon 65.000 in Deutschland und Österreich. Die Sberbank ist das größte Finanzinstitut Russlands. Jeder zweite Russe verfügt dort über ein Konto.

Der Ausschluss der Sberbank aus dem SWIFT-System zeigt bereits Wirkung. Laut Medienberichten konnten viele Russen am Geldautomaten kein Geld mehr abheben. Ein Moskauer berichtete der dpa, dass er erst nach langem Suchen in der Innenstadt einen Sberbank-Automaten habe finden können, der ihm rund 80 Euro ausgespuckt habe.