SAS-Maschinen | picture alliance / TT NYHETSBYR?

Tarifstreit beendet SAS einigt sich mit Piloten

Stand: 19.07.2022 08:16 Uhr

Die skandinavische Airline SAS hat den Tarifstreit mit ihren Piloten beigelegt. Wegen des Streiks der Piloten waren Hunderte Flüge ausgefallen. Jetzt soll der normale Flugbetrieb rasch wieder aufgenommen werden.

Nach wochenlangem Ringen haben die Fluggesellschaft SAS und die skandinavische Pilotengewerkschaft ihren Tarifstreit beigelegt. Das teilte das Unternehmen mit. Viele Flüge waren in den vergangenen Wochen wegen des Streiks der SAS-Piloten gestrichen worden, Tausende von Fluggästen konnten ihre Reisen nicht antreten. Nun soll der normale Betrieb "baldmöglichst" wiederaufgenommen werden. SAS-Kunden könnten nun "in ihren ersehnten Sommerurlaub fliegen", so Unternehmenschef Anko van der Werff.

Erst Streik, dann Insolvenz

Die Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag waren Anfang Juli abgebrochen worden. Danach waren etwa 900 SAS-Piloten aus Dänemark, Norwegen und Schweden in den Streik getreten. Der Ausstand kostete die Airline nach Unternehmensangaben zwischen neun und zwölf Millionen Dollar täglich. Am 5. Juli hatte SAS auch wegen der finanziellen Auswirkungen des Streiks seine Insolvenz erklärt und in den USA Gläubigerschutz beantragt.

Am Mittwoch vergangener Woche war dann eine neue Gesprächsrunde in Stockholm aufgenommen worden. Bis zum späten Abend war gestern noch unklar, ob eine Einigung erzielt werden konnte. Mehrere Medien hatten darüber berichtet, das Unternehmen bestätigte dies aber erst heute Morgen. Die Aktien von SAS waren bereits gestern an der Stockholmer Börse um 20 Prozent gestiegen.

Entlassene Piloten werden wieder eingestellt

Die Parteien haben sich auf neue Tarifabkommen für einen Zeitraum von fünfeinhalb Jahren geeinigt. Zudem will SAS 450 zuvor entlassene Piloten wieder in Vollzeit einstellen. Die Gewerkschaften hatten SAS vorgeworfen, die Corona-Pandemie genutzt zu haben, um Hunderte Piloten mit einem vereinbarten Recht auf Wiederanstellung zu entlassen, dieses Recht aber dann außer Kraft gesetzt zu haben. Stattdessen setze die Fluglinie auf günstigere Piloten der Tochterunternehmen SAS Link und SAS Connect, die als Personaldienstleister der Airline fungieren, so die Kritik. Die Piloten der Tochtergesellschaften waren nicht im Streik.

Größte Anteilseigner bei SAS sind Schweden und Dänemark denen jeweils 21,8 Prozent des Unternehmens gehören. SAS hatte bereits im Februar einen Sanierungsplan für das Unternehmen angekündigt. Dieser konnte laut dem Unternehmen aber wegen der Gehaltsforderungen der Piloten nicht umgesetzt werden.

Auf der Suche nach neuen Investoren

Das eingeschlagene Sanierungsverfahren nach Kapitel 11 (Chapter 11) des US-Insolvenzrechts schützt das Unternehmen nun für eine gewisse Zeit vor dem Zugriff seiner Gläubiger und erleichtert damit den finanziellen Neustart. US-Airlines nutzten häufig diesen Weg, um Schulden oder teure Leasingverträge abzuschütteln.

SAS geht davon aus, dass das Verfahren neun bis zwölf Monate dauert. Der Prozess diene dazu, sich mit allen Beteiligten auf eine Umschuldung zu einigen, das Kapital kräftig zu erhöhen und die Flugzeugflotte neu aufzustellen. Die Airline braucht neue Geldgeber und will Kosten senken, um für Investoren attraktiv zu werden.