SAP-Chef Bill McDermott (links) mit seinen Nachfolgern: Jennifer Morgan und Christian Klein | Bildquelle: REUTERS

Überraschender Führungswechsel Neues Doppel für SAP

Stand: 11.10.2019 07:52 Uhr

Überraschender Wechsel an der Spitze Deutschlands wertvollsten börsennotierten Unternehmen: SAP-Chef McDermott tritt zurück. Die Vorstandsmitglieder Morgan und Klein sollen SAP nun leiten.

Europas größter Softwarehersteller SAP erhält eine neue Führungsspitze. Der bisherige Chef Bill McDermott tritt überraschend zurück. Die bisherigen Vorstandsmitglieder Jennifer Morgan und Christian Klein sollen die Geschicke des wertvollsten deutschen börsennotierten Konzerns künftig lenken.

Bill McDermott, von 2014 bis 2019 Chef von SAP | Bildquelle: dpa
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McDermott verlässt die Spitze von SAP

SAP-Nachfolgeplanung greift

McDermott war seit 2014 SAP Chef. Der 58-jährige US-Amerikaner hat den Konzern stark in Richtung Cloudsoftware zur Miete aus dem Internet umgebaut. "Von dieser Weichenstellung wird das Wachstum von SAP noch viele Jahre profitieren", sagte Aufsichtsratschef und SAP-Mitgründer Hasso Plattner. Mit dem Führungswechsel greife die langfristige Nachfolgeplanung des Kontrollgremiums, hieß es.

Einen konkreten Grund für den Rücktritt McDermotts nannte das Unternehmen bislang nicht. McDermotts Vertrag lief noch bis 2021. Bis Ende des Jahres will der Manager in einer beratenden Rolle im Unternehmen bleiben. "Jetzt ist der Moment gekommen, ein neues Kapitel aufzuschlagen", sagte McDermott.

McDermott steigerte Wert von SAP

Er gilt als begnadeter Verkäufer, Zaudern und Zweifeln ist seine Sache nicht. Für das Wachstum in der Cloud steckte SAP in seiner Zeit viele Milliarden in teure Zukäufe. Unter seiner Ägide wurde der Konzern zum wertvollsten deutschen Börsenkonzern, aktuell ist SAP rund 130 Milliarden Euro wert.

McDermott hatte zuletzt noch einen Plan zur längerfristigen Effizienzsteigerung für Mitte November angekündigt. Investoren hatten die seit langem unter dem starken Ausbau des Cloudgeschäfts leidende Marge immer wieder bemängelt. McDermott hingegen setzte voll auf das Wachstum bei der Software, die über das Internet genutzt wird und im Abo-Modell oder gegen Nutzungsgebühr bezahlt wird.

Der bisherige Leiter von SAP, Bill McDermott | Bildquelle: REUTERS
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SAP konnte unter Führung von McDermott auch im vergangenen Quartal Umsatz und Gewinn steigern.

Positive Quartalszahlen

Die in der Nacht frisch erschienenen Quartalszahlen des Unternehmens können sich sehen lassen. Umsatz und Gewinn kletterten unerwartet kräftig. Im Jahresvergleich steigerte der Konzern der Erlös um 13 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieben mit 1,26 Milliarden Euro 30 Prozent mehr Gewinn übrig.

Im Tagesgeschäft steuerte auch das Cloudgeschäft spürbar mehr Gewinn bei. Finanzchef Luka Mucic führte das unter anderem auf Kostensenkungen und andere Effizienzmaßnahmen zurück. Die Finanzprognosen für das laufende und die kommenden Jahre bestätigte das Management. Im Quartal zuvor hatte SAP noch den Handelsstreit zwischen den USA und China zu spüren bekommen.

Konzernumbau, Stellenabbau

Im Januar hatte McDermott einen größeren Konzernumbau angestoßen. Das Unternehmen streicht bis zu 4400 Stellen in Bereichen, die laut dem Management keine große Zukunft haben. Allerdings wollen die Walldorfer in vielversprechenden Bereichen wie Künstlicher Intelligenz Arbeitsplätze schaffen. Im ersten Halbjahr hatte das Umbauprogramm unter anderem wegen Abfindungen gut eine Milliarde Euro gekostet.

Wie der Konzern in den kommenden fünf Jahren seine Marge kontinuierlich steigern will, müssen nun Jennifer Morgan und Christian Klein den Investoren Mitte November darlegen. Die Erwartungen sind groß: Im April gab der aktivistische und in vielen Chefetagen wenig willkommene US-Investor Paul Singer an, sich mit seinem Hedgefonds Elliott im großen Stil bei SAP eingekauft zu haben und Anteile im Wert von 1,2 Milliarden Euro zu halten.

Die Neuen

Morgan ist 48 Jahre alt und stammt wie McDermott aus den USA. Bisher steuert sie im SAP-Vorstand die Cloudsparte. Sie ist seit 2004 im Unternehmen, seit 2017 im Vorstand. Klein ist 1980 geboren und ist derzeit für die Produktentwicklung im Vorstand verantwortlich. Er ist seit 1999 im Unternehmen und seit vergangenem Jahr im Vorstand.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Oktober 2019 um 07:00 Uhr in den Nachrichten.

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