Wirecard

Insolventer Zahlungsdienstleister Santander kauft Wirecard-Kerngeschäft

Stand: 17.11.2020 11:53 Uhr

Die spanische Großbank Banco Santander übernimmt das Kerngeschäft des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard. Ein Erfolg für Gläubiger und verbliebene Mitarbeiter, weniger für Aktionäre.

Die Erleichterung von Insolvenzverwalter Michael Jaffé ist zwischen den Zeilen seiner Mitteilung vom frühen Dienstagmorgen zu lesen: "Trotz ungünstigster Voraussetzungen" habe der Verkauf erfolgreich abgeschlossen werden können, so Jaffé am Montagabend mit. Der Deal mit der spanischen Großbank sei "umso bemerkenswerter, als der gesamte Prozess durch immer neue Skandal-Meldungen über Geschehnisse in der Vergangenheit überschattet wurde und anfänglich keine Liquidität zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs verfügbar war", erklärte Jaffé.

Wirecard Bank wird "heruntergefahren"

Nun wird Banco Santander die Technologieplattform von Wirecard in Europa sowie "alle dafür notwendigen Vermögenswerte" übernehmen. Gleichzeitig werde "der Großteil aller verbliebenen Wirecard Mitarbeiter" Teil des globalen Händlerservice-Teams von Santander. Dies gelte auch für die Mehrzahl der Mitarbeiter der Wirecard Bank AG, die nach Vollzug der Transaktion in enger Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden geordnet "heruntergefahren" werden soll.

Santander will mit dem Erwerb der Geschäftsteile die eigenen Wachstumspläne auf dem Gebiet der Zahlungsdienstleistungen und des damit verbundenen Händlergeschäfts in Europa beschleunigen und ihre Position hier stärken.

Abschluss bis Jahresende

Laut Jaffé ist damit das Ziel erreicht worden, "eine bestmögliche Lösung" für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Gläubiger zu finden. Den Mitarbeitern biete sich nun wieder eine "positive Perspektive". Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden und soll nach Angaben des Insolvenzverwalters "voraussichtlich bis Ende des Jahres" abgeschlossen sein.

Wirecard hatte Ende Juni Insolvenz angemeldet. Zuvor hatte das Unternehmen einräumen müssen, dass in der Bilanz aufgeführte Gelder von 1,9 Milliarden Euro, die vermeintlich auf asiatischen Bankkonten lagern sollten, nicht auffindbar seien. Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. Am Donnerstag befasst sich erneut ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss mit dem Skandal - auch mit möglichen Versäumnissen der Aufsichtsbehörden. 

Aktionäre gehen leer aus

Die Erlöse kommen jeweils den Gläubigern zugute, die der Insolvenzverwalter klar stellte. Derzeit laufen noch Investorenprozesse für weitere Tochtergesellschaften unter anderem in Asien, Südafrika und der Türkei. Auch hier wird in den nächsten Wochen mit Ergebnissen gerechnet. Aktionäre haben von dem "Asset Deal" bei Wirecard nichts. Die Aktie, die im Frankfurter Handel nur noch als Pennystock notiert, legte dennoch rund 14 Prozent auf 0,67 Euro zu. Das Papier ist zum Spielball von Zockern geworden.

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AB

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. November 2020 um 08:00 Uhr.

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