Ein Mann geht am Firmensitz von Sanofi in Paris vorbei.  | Bildquelle: REUTERS

Pharmakonzern Sanofi Streit um Vorgriffsrecht auf Impfstoff

Stand: 14.05.2020 14:32 Uhr

Der französische Pharmariese Sanofi bemüht sich um Schadensbegrenzung: Kommt ein Impfstoff gegen Corona, sollen ihn "alle" erhalten. Zuvor hatte Sanofi-Chef Hudson den USA zugesichert, das Land bei der Lieferung zu bevorzugen.

Der französische Pharmagigant Sanofi hat versichert, einen künftigen Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 allen anzubieten. Es sei klar, dass der Impfstoff für alle zugänglich sein werde, betonte der Frankreich-Chef von Sanofi, Olivier Bogillot, im Fernsehsender BFMTV.

Dass die USA nach einer Entwicklung eines Impfstoffes Vorrang bei der Lieferung bekommen könnten, bestätigte er nicht.

Sanofi hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass "die Produktion auf US-Boden vorwiegend für die Vereinigten Staaten bestimmt" sei "und der Rest der Produktionskapazitäten Europa, Frankreich und dem Rest der Welt zugeteilt" werde.

Hudson sorgt für Empörung

Zuvor hatten Aussagen des Sanofi-Generaldirektors Paul Hudson für Aufsehen gesorgt. In einem Interview habe Hudson deutlich gemacht, dass die USA bei dem Impfstoff Vorrang hätten, berichtete die US-Finanznachrichtenagentur Bloomberg gestern auf ihrer Internetseite.

Die USA hätten als erste die Forschung unterstützt. Die US-Regierung habe "das Recht für die größte Vorausbestellung", zitierte die Agentur den Sanofi-Chef. Es stimme, dass der Pharmakonzern eine Zusammenarbeit mit der US-Regierung begonnen habe, sagte Bogillot. Die EU müsse ebenso "wirksam" dabei helfen, den Impfstoff verfügbar zu machen, betonte er.

Die Aussagen Hudsons sorgten in Frankreich für Kritik an dem Konzern. Es wäre inakzeptabel, wenn ein Land einen privilegierten Zugang zu einem Impfstoff erhalten würde, sagte die Staatssekretärin im französischen Wirtschafts- und Finanzministerium, Agnès Pannier-Runacher, im Radiosender Sud Radio.

Gesundheitsminister beschwichtigt

Der französische Gesundheitsminister Olivier Veran erklärte, er sei nach Gesprächen mit dem Chef von Sanofi beruhigt. "Ich glaube, die Aussage war etwas ungeschickt und vielleicht aus dem Zusammenhang gerissen", sagte Veran dem Sender C News.

Impfstoff frühestens Ende 2021

Bei der Suche nach einem Impfstoff arbeitet Sanofi seit April mit dem britischen Pharmaunternehmen Glaxo Smith Kline zusammen. Ihr Projekt wird teilweise von der US- Behörde für biomedizinische Forschung und Entwicklung (Barda) unterstützt, die dem US-Gesundheitsministerium unterstellt ist. 

Tests haben bislang aber noch nicht begonnen, und ein erfolgreiches Mittel gegen das Virus dürfte frühestens Ende des nächsten Jahres verfügbar sein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Mai 2020 um 15:00 Uhr.

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