Ampullen mit dem Impfstoff des französischen Herstellers Sanofi | MARTIN JOPPEN/SANOFI/HANDOUT/EPA

Sanofi und GlaxoSmithKline Rückschlag für Impfstoff-Entwicklung

Stand: 11.12.2020 12:52 Uhr

Der Corona-Impfstoff der Pharmakonzerne Sanofi und GlaxoSmithKline ist nicht wirksam genug. Nun kommt es bei dem Projekt zu Verzögerungen. Die EU erhält 300 Millionen bestellte Dosen zunächst nicht.

Das französisch-britische Corona-Impfstoffprojekt der Konzerne Sanofi und GlaxoSmithKline hat einen Rückschlag erlitten. Klinische Tests des gemeinsam entwickelten Vakzins hätten eine ungenügende Immunreaktion bei älteren Menschen gezeigt, teilten die Unternehmen mit.

Nun müssen die Pharmakonzerne ihren Impfstoff überarbeiten. Eine weitere Studie soll dann im kommenden Februar beginnen. Sanofi und GlaxoSmithKline hoffen, Ende 2021 ein besser wirksames Vakzin anbieten zu können.

Die Verzögerungen schränken kurzfristig die Möglichkeiten der Staaten weltweit ein, verschiedene Impfstoffe im Kampf gegen das Coronavirus einzusetzen - was als entscheidend im Kampf gegen die Pandemie gilt. Die Europäische Union hatte bei Sanofi und GlaxoSmithKline bereits 300 Millionen Impfdosen für das kommende Jahr reservieren lassen. Nun können sie vorerst nicht geliefert werden.

Der stellvertretende Sanofi-Leiter für Impfstoffe, Thomas Triomphe, sprach von einer "Enttäuschung". Das französisch-britische Konsortium gerät damit in großen Verzug unter anderem gegenüber dem Mainzer Unternehmen Biontech. Dessen mit dem US-Partner Pfizer entwickelte Impfstoff steht kurz vor der Zulassung in den USA und Europa. In Großbritannien ist das Vakzin bereits zugelassen - dort haben die Impfungen diese Woche begonnen.

Traditionelles Verfahren

Sanofi und GlaxoSmithKline setzen für ihren Wirkstoff eine der weltweit gängigsten Impfstoff-Technologien ein. Im Labor erzeugte Proteine werden dabei dem Menschen gespritzt, um eine gezielte Immunabwehr des Körpers gegen das Virus auszulösen. Dieses Verfahren wird beispielsweise auch für Impfungen gegen Hepatitis B verwendet.

Die zu schwache Immunreaktion bei älteren Menschen bei dem getesteten Corona-Impfstoff sei "wahrscheinlich auf eine unzureichende Antigen-Konzentration zurückzuführen", teilte Sanofi mit. Experten gehen allerdings davon aus, dass die Konzerne ihren Impfstoff verbessern können.

Ursprünglich war geplant gewesen, dass das französisch-britische Konsortium in diesem Monat mit der nächsten Stufe ihrer klinischen Tests - der sogenannten Phase 3 - beginnt. Nun habe man die Europäische Kommission und Staaten mit bereits abgeschlossenen Lieferverträgen über die Verzögerungen informiert, so die Konzerne.

Weiteres Projekt mit US-Partner

Die Unternehmen hatten ihre Produktionskapazitäten stark ausgebaut, um im kommenden Jahr bis zu einer Milliarde Impfstoff-Dosen herstellen zu können. An dem Ziel, etwa eine Milliarde Dosen Hilfsstoffe zu produzieren, halte man derzeit noch fest, hieß es von GlaxoSmithKline. Diese Hilfsstoffe könnten auch an andere Pharmakonzerne geliefert und für die Herstellung von Impfstoffen verwendet werden.

Sanofi arbeitet noch an einem weiteren Impfstoff - zusammen mit dem US-Unternehmen Translate Bio. Dieses Projekt setzt die neuartige mRNA-Technologie ein, die auch Grundlage des Impfstoffs von Biontech und Pfizer ist. Bei dieser Methode werden genetische Informationen der Erregers gespritzt, damit der Körper das Antigen selbst bildet. Hier stehen Sanofi und der US-Partner allerdings noch am Anfang: In diesem Monat soll die erste Phase der klinischen Studien beginnen.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
Moderation 11.12.2020 • 17:18 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Sehr geehrte User, die Meldung wurde bereits sehr stark diskutiert. Alle wesentlichen Argumente sind genannt. Entscheidende neue Aspekte, die einer konstruktiven Diskussion förderlich wären, sind nicht mehr hinzugekommen. Deshalb haben wir, beschlossen die Kommentarfunktion zu schließen. Die Moderation