Eine Maschine der irischen Fluglinie Ryanair steht am Flughafen Weeze. | Bildquelle: AP

Ryanair-Flugbegleiter Weg frei für ersten Tarifvertrag

Stand: 13.11.2018 20:36 Uhr

Die neue Personalstrategie bei Ryanair könnte sich bald auch für die Flugbegleiter in Deutschland auszahlen: Mit der Zustimmung zu einem Eckpunkte-Papier haben die ver.di-Mitglieder den Weg für einen Tarifvertrag frei gemacht.

Im Konflikt zwischen Ryanair und seinen Flugbegleitern in Deutschland sind die Weichen für eine Einigung gestellt: Die ver.di-Mitglieder bei der irischen Gesellschaft haben einer Vorvereinbarung für einen Tarifvertrag mit großer Mehrheit zugestimmt. Das teilte die Gewerkschaft mit.

Mit der Billigung des Eckpunkte-Papiers sei der Weg frei für den ersten Tarifvertrag für die rund 1000 Flugbegleiter bei Ryanair in Deutschland. Dieser betreffe sowohl die bei Ryanair angestellten Beschäftigten als auch die Leiharbeitnehmer.

Höheres Grundgehalt und deutsches Arbeitsrecht

Bis Ende November soll der Tarifvertrag endgültig ausgehandelt werden. Die Regelungen im Eckpunkte-Papier sehen nach Angaben von ver.di eine deutliche Erhöhung des Grundgehalts sowie weitere Einkommensverbesserungen vor. So soll das Grundgehalt um 600 Euro monatlich steigen. Hinzu komme eine weitere Gehaltserhöhung von 200 bis 250 Euro im Monat. Zudem soll es laut der Vereinbarung für jeden Flugbegleiter künftig eine Mindeststunden-Garantie von 600 Stunden geben.

Ein besonderer Erfolg sei auch, dass Ryanair alle Verträge auf deutsches Arbeits- und Sozialrecht umstellen wolle, erklärte ver.di-Vorstandsmitglied Christine Behle. "Dadurch erhalten die Beschäftigten unter anderem zukünftig Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall und sie fallen unter den deutschen Kündigungsschutz."

Ferner wurden nach Angaben von ver.di in einem Sozialplan für alle Standorte erstmals Abfindungsregelungen bei Versetzungen vereinbart - für den Fall von Schließungen oder der Reduzierung von Flugzeugen. Das gelte auch für die bis Anfang November in Bremen Beschäftigten. Geplant ist, dass der ausgearbeitete Tarifvertrag von November 2018 bis Ende März 2021 gilt.

Der Ryanair-Chef Michael O'Leary stützt sein Gesicht in seine Hand. | Bildquelle: AFP
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Ryanair-Chef Michael O'Leary hatte sich lange gegen einen Tarifvertrag gewehrt.

Großes Manko: weiter keine Betriebsräte

Als großen Wermutstropfen bezeichnete Behle die Tatsache, dass Ryanair weiterhin keine Betriebsräte zulasse. "Wir setzen hierbei auf die Politik, die eine Gesetzesänderung beschließen muss, um eine Betriebsratsgarantie auch im Luftraum einzuführen", fügte sie hinzu. Für eine solche Regelung setzt sich Bundesarbeitsminister Hubertus Heil ein.

Ryanair hatte im vergangenen Jahr der Kultur der tariffreien Zone abgeschworen und ringt seither, begleitet von Streiks, mit den Gewerkschaften zu Hause in Irland und weiteren europäischen Ländern um den Einstieg in Tarifverträge. So laufen auch noch die Verhandlungen mit der Pilotengewerkschaft "Vereinigung Cockpit".

Für die Flugbegleiter könnte auch nach der Einigung mit ver.di noch die Spartengewerkschaft UFO den Kampf um einen eigenen Tarifvertrag wieder aufnehmen. Das Ryanair-Management hatte die Gespräche abgebrochen, weil ihm die scharfe Kritik der Gewerkschaft zu weit ging.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. November 2018 um 15:30 Uhr.

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