Ein Mann fotografiert auf der Internationalen Ausstellung für Verteidigung (IDEX) in Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate, einen Panzer vom Typ Leopard des deutschen Rüstungsunternehmens Krauss-Maffei Wegmann.  | Bildquelle: dpa

Milliardeninvestitionen Wie deutsche Banken Waffen finanzieren

Stand: 18.07.2018 15:59 Uhr

Laut einer neuen Studie unterstützen deutsche Banken Rüstungsfirmen mit mehr als neun Milliarden Euro. Insbesondere die Finanzierung von Rüstungsgeschäften für den Nahen Osten hat demnach massiv zugenommen.

Von Anja Bröker, WDR

Kampfjets für Saudi-Arabien, Panzer für die Türkei, U-Boote für Ägypten - die Nachfrage nach Waffen ist groß. Systeme deutscher Hersteller werden in Kriegen wie in Syrien und im Jemen eingesetzt. Schwere Kampfpanzer und Panzerhaubitzen - in Deutschland gebaut, an den Golf exportiert, mit Einlagen deutscher Sparer finanziert. Der Krieg im Jemen werde mit deutschem Geld regelrecht befeuert, so das Fazit der heute erschienenen Studie "Dirty Profits - Unser Geld für Rüstungsexporte in Kriegs- und Krisengebiete".

Besonders ein Megadeal sticht heraus: Ein 750-Millionen-Euro-Kredit der UniCredit Group, zu der die HypoVereinsbank zählt. Empfänger ist der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin, der seine Produkte an Staaten liefert, die im Jemen Krieg führen.

"Gerade konventionelle deutsche Banken haben offensichtlich seit Jahren und trotz der bekannten katastrophalen humanitären Lage im Jemen kein Problem damit, Rüstungsfirmen zu finanzieren, die den dortigen Krieg kontinuierlich mit Waffenlieferungen befeuern", kritisiert Thomas Küchenmeister von Facing Finance.

Massiver Anstieg der Waffenexporte in den Nahen Osten

Saudisch geführte Militärkoalition im Jemen | Bildquelle: NAJEEB ALMAHBOOBI/EPA-EFE/REX/Sh
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Die saudisch geführte Militärkoalition im Jemen ist auch mit deutschen Waffen ausgerüstet.

Allein deutsche Exporteure verkaufen mehr als doppelt so viele Waffen in den Nahen Osten als noch vor fünf Jahren, schätzt das Friedensforschungsinstitut SIPRI. Rüstungsaktien gelten in Krisenzeiten als "stabile" Investitionen im Interesse der Kunden und der heimischen Industrie. So erklärte die Bayerische Landesbank auf Anfrage von tagesschau.de: "Eine Begleitung von Finanztransaktionen von Rüstungsunternehmen, die Teil der deutschen Wirtschaftskraft sind, ist grundsätzlich möglich."

Unter den untersuchten konventionellen Banken schließt lediglich die Deka Bank aktuell die Finanzierung von Rüstungsunternehmen kategorisch aus. Bei Versicherungen und Fondsgesellschaften sind Rüstungsunternehmen nur selten per se ausgeschlossen, ergaben die Recherchen zur Studie.

Altersvorsorge mit Rüstungsprofiten?

Und die Kunden? Fast zwei Drittel der Deutschen wollen einen Stopp aller Rüstungsexporte. Das ergab jüngst eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Bankkunden profitieren von Rüstungsgeschäften, zum Beispiel in Form von Dividenden. Doch mehrheitlich wollen sie ihr Geld nicht an Unternehmen mit Rüstungsgeschäften verleihen. Laut einer Umfrage der Verbraucherzentrale Bremen sagen 76 Prozent der Befragten, dass Investitionen in die Bereiche Rüstung und Waffen verboten werden sollten.

Für die Hälfte der Bankkunden sind solche Geschäfte ein Grund, das Finanzinstitut zu wechseln. Die Kunden der Union Investment, Fondsgesellschaft der Volksbanken, haben zumindest die Wahl: "Anleger, die ihr Geld nach nachhaltigen Kriterien anlegen möchten, können dies mit unseren Nachhaltigkeitsfonds tun, bei denen Rüstungsfirmen ausgeschlossen sind", erklärt ein Sprecher der Union Investment gegenüber tagesschau.de.

Rüstungsgeschäfte deutscher Banken und Fonds
InstitutBetrag (Euro)Profitierende Unternehmen
UniCredit Group/ Hypovereinsbank4,463 Mrd.Airbus, MTU Aero Engines, Northrop Grumman, Rheinmetall, Rolls Royce und thyssenkrupp
Deutsche Bank1,932 Mrd.Airbus, Boeing, MTU Aero Engines, Northrop Grumman, Raytheon, Rheinmetall, Rolls Royce und thyssenkrupp
Commerzbank1,747 Mrd.Boeing, MTU Aero Engines, Rheinmetall, Rolls Royce und thyssenkrupp
Bayern LB825 Mio.Boeing, MTU Aero Engines, Rheinmetall, Rolls Royce und thyssenkrupp
DWS (Investment-Tochter der Deutschen Bank)3,5 Mrd.Daimler, Jenoptik, MTU Aero Engines, Siemens und ThyssenKrupp
Deka Investment (Sparkassen-Fondsanbieter)760 Mio.Airbus, BAE Systems, Boeing, MTU Aero Engines, Northrop Grumman, Rheinmetall und thyssenkrupp
Allianz596 Mio.Airbus, BAE Systems, Boeing, MTU Aero Engines, Raytheon und Rheinmetall
Union Investment (Volksbanken-Fondsgesellschaft)540 Mio.Airbus, Lockheed Martin, MTU Aero Engines, Northrop Grumman, Raytheon und thyssenkrupp

Quelle: Studie "Dirty Profits - Unser Geld für Rüstungsexporte in Kriegs- und Krisengebiete" der Menschenrechtsorganisationen Facing Finance und urgewald vom18.07.2018

Oft Profit vor Moral

Moralische Bedenken der Bankkunden sind schon länger bekannt. Doch sie haben nicht zu einem grundsätzlichen Kurswechsel in den Geldhäusern geführt. Die Deutsche-Bank-Tochter DWS hält derzeit Anteile an Rüstungsexporteuren im Wert von mehr als 3,5 Milliarden Euro. Darüber hinaus investierte sie in deutlich mehr Rüstungsfirmen als noch vor drei Jahren.

Gegenüber tagesschau.de gab ein Sprecher an, die DWS sehe es als oberste Pflicht, "das Kapital ihrer Kunden zu wahren und zu mehren". Sie würde aber anstreben, "Investitionen in umstrittene Waffen nach bestmöglichem Einklang mit ihrer treuhänderischen Verantwortung zu vermeiden".

Demonstration gegen Rheinmetall im Mai 2018 | Bildquelle: FELIPE TRUEBA/EPA-EFE/REX/Shutte
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Im Mai demonstrierten Rüstungsgegner in Berlin gegen Rheinmetall.

"Leider schließen auch die Fondsgesellschaften von Sparkassen und Volksbanken Geschäfte mit dem Krieg nicht aus", sagt Barbara Happe, Rüstungsfinanzexpertin bei urgewald. "Die Kehrseite dieses vermeintlichen 'Renditewunders' ist eine stetig steigende Zahl von Toten und Verletzten in den Kriegs- und Krisenregionen dieser Welt."

Erstes Umdenken erkennbar

Bei den Banken setzt nun offenbar langsam ein Umdenken ein: Die Deutsche Bank sucht den Dialog mit Nicht-Regierungsorganisationen wie Facing Finance, um deren "Argumente besser zu verstehen sowie fair und kontrovers zu diskutieren". Kürzlich kündigte das Geldhaus an, in Zukunft Atomwaffenhersteller von Unternehmensfinanzierungen auszuschließen.

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