Tower des Frankfurter Flughafens | Bildquelle: dpa

Reisen in der Corona-Krise 85 Prozent weniger Flugverkehr

Stand: 02.04.2020 13:12 Uhr

Wegen flächendeckender Reisebeschränkungen hat die Zahl der Flüge massiv abgenommen. Der Flugverkehr werde sich von der Corona-Krise nur langsam erholen, erwartet die Deutsche Flugsicherung.

Wegen zahlreicher Flug- und Einreisebeschränkungen kontrollieren Fluglotsen derzeit nur rund 15 Prozent des üblichen Flugverkehrsaufkommens. Das teilte die Deutsche Flugsicherung (DFS) mit.

Geschäftsführer Klaus-Dieter Scheurle rechnet nur mit einer langsamen Erholung: In diesem Jahr würden nach einem Planungsszenario im monatlichen Vergleich keine 80 Prozent der Vorjahreswerte mehr erreicht, sagte er. 2019 kontrollierte die DFS insgesamt rund 3,3 Millionen Flugbewegungen. Im kommenden Jahr werde man möglicherweise 85 Prozent dieses Niveaus erreichen, so Scheurle.

Der DFS-Geschäftsführer erwartet, dass die Verkehrsflüge ab Mai wieder langsam ansteigen. Für das Gesamtjahr ergebe sich daraus eine Halbierung des Flugverkehrs im Vergleich zu 2019. Mittelfristig gehe er von einem Rückgang bei den Geschäftsreisen aus. Dies werde besonders kleinen Flughäfen wirtschaftliche Probleme bereiten, sagte Scheurle.

"Corona-Tarifvertrag" für Lotsen

Noch 2018 hatte die Deutsche Flugsicherung mit Personalengpässen zu kämpfen. Nun sei auf Jahre hinweg nicht mehr mit höheren Kapazitätsanforderungen im deutschen Luftraum zu rechnen, so der DFS-Chef. Mit der Hausgewerkschaft GdF hat die Flugsicherung daher einen speziellen "Corona-Tarifvertrag" geschlossen. Er sieht vor, dass potenziell für jeden Lotsen und Techniker 300 Stunden Minderarbeit angeordnet werden können. Diese Stunden müssen in den kommenden Jahren nur zur Hälfte nachgeleistet werden.

Eine solche Regelung sei flexibler als Kurzarbeit, die man im Kerngeschäft vermeiden wolle, teilte Scheurle mit. Mittelfristig werde die Deutsche Flugsicherung durch Fluktuation Personal abbauen sowie durch Digitalisierung und Neuordnungen des Luftraums effizienter werden. Im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen wegen der Corona-Krise mit rund 500 Millionen Euro Mindereinnahmen.

Infizierte bei Luftsicherung

Die bundeseigene GmbH hatte laut Scheurle in den Reihen ihrer Mitarbeiter bislang zehn nachgewiesene Corona-Fälle, von denen vier Infizierte bereits wieder genesen seien. Grundsätzlich sieht sich die DFS mit einer Vielzahl von Pandemie-Maßnahmen gut gerüstet, die Flugsicherung als kritische Infrastruktur des Bundes weiterhin zu gewährleisten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. April 2020 um 14:45 Uhr.

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