Logo der Drogeriekette Schlecker
Interview

Interview mit Handelsexperte Roeb "Franchising könnte Schlecker-Problem lösen"

Stand: 22.03.2012 13:12 Uhr

Ein modernes Konzept für die Drogeriemarktkette lässt sich laut dem Handelsexperten Thomas Roeb nur umsetzen, wenn viele kleine, unattraktive Filialen schließen. Im Interview mit EinsExtra Aktuell wertet er Franchising als einen Weg, um das Problem schwacher Umsätze auf kleinen Flächen zu lösen.

EinsExtra Aktuell: Fast die Hälfte der Schlecker-Filialen wird schließen. Geht denn das bisherige Konzept von Schlecker dann noch auf?

Thomas Roeb: Die aktuellen  Planungen laufen ja darauf hinaus, das Konzept umzustellen und die Schlecker-Filialen deutlich zu modernisieren. Und diese Modernisierung geht eigentlich nur auf, wenn man diese vielen kleinen und teilweise eben auch hässlichen Filialen schließt. Man kann sie ohnehin - auf Grund der beschränkten Platzverhältnisse - kaum an dieses neue Konzept anpassen.

Handelsexperte Thomas Roeb
Zur Person

Thomas Roeb ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Sein Fachgebiet ist die Handelsbetriebslehre. Als Handelsexperte berät er auch Unternehmen, darunter große Drogeriemarktketten.

"Neuer Name wäre problematisch"

EinsExtra Aktuell: Viele Experten halten eine Namensänderung für die Zukunft von Schlecker für unerlässlich. Wie sehen Sie das?

Roeb: Ich halte das für problematisch. Zum einen ist das mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden, für den im Augenblick die Ressourcen nicht vorhanden sind. Zum zweiten ist zu berücksichtigen, dass, wenn sich das Konzept nicht grundsätzlich ändert, der neue Name auch relativ schnell verbrannt sein wird. Umgekehrt: Wenn sich das Konzept strukturell deutlich ändert, dann gibt es durchaus Beispiele dafür, dass sich dann auch das Image eines Unternehmens ändert, ohne dass der Name geändert worden wäre.

EinsExtra Aktuell: Könnte man sich auch andere Modelle für Schlecker vorstellen, wie beispielsweise Franchising: Die Übergabe von Filialen an selbstständige Unternehmer wie bei Rewe und Edeka?

Roeb: Das grundsätzliche Problem bei Schlecker besteht ja darin, dass die Filialen relativ kleine Flächen haben und auch umsatzschwach sind. Das bringt im Handel immer Kostennachteile mit sich. Wenn Schlecker dauerhaft bestehen will, ist Franchising eine Idee, wie man dieses Problem in den Griff bekommt.  Franchise-Nehmer haben aber nicht nur eine bessere Übersicht über die Kosten vor Ort und können sie besser managen. Sie haben - und das ist der wichtigere Aspekt - vor allem auch einen besseren Überblick darüber, was vor Ort nachgefragt wird. Sie können so ihre Sortimente besser anpassen. Und das ist für den Umsatz wichtig.

EinsExtra Aktuell: Der Insolvenzverwalter sucht Investoren für Schlecker. Wer käme da in Frage?

Roeb: Es gibt, wie ich das überblicken kann, ausschließlich Interessenten aus dem Bereich der Finanzinvestoren. Ich habe erst gestern ein Gespräch mit einem Finanzinvestor geführt, der sich Ratschläge einholen wollte. Die Finanzinvestoren zeigen allerdings großes Interesse; das kann man schon so sagen.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
Schwabenstreich 22.03.2012 • 17:45 Uhr

Sorry, das ist nun mal Marktwirtschaft

Schlecker hat seinen Ruf durch Lohndumping selber beschädigt etc. Die Mitbewerbermärkte welche ich kenne sind sauberer, attraktiver gestaltet und zudem günstiger. Die Mitarbeiter der Konkurenz erwecken zudem den Eindruck Drogeristen oder Parfümeristen zu sein und nicht eine ABM-Widereingliederungsmaßnahme. (Sorry, aber seien wir doch ehrlich) Staatliche Hilfe, warum denn das ? Die Schlecker Arbeitsplätze werden doch nicht ins Billiglohnausland exportiert, sollen doch die Konkurenten von Schlecker ihre Lobeeren ernten und sich diesen Umsatz schnappen. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Grüßle Schwabenstreich