Frau telefoniert mit Handy an einem Strand

Handy-Nutzung im Ausland Roaming-Gebühren bleiben - vorerst

Stand: 15.05.2015 18:15 Uhr

Die schlechte Nachricht: Roaming-Gebühren in der EU bleiben weiter bestehen. Die gute: Ab Ende 2016 - also ein halbes Jahr später als geplant - könnten die Zusatzkosten für Handytelefonate im Ausland oder das Surfen im Internet dann doch noch wegfallen.

Karin Bensch

Von Karin Bensch, WDR-Hörfunkstudio Brüssel

Roaming - das heißt übersetzt stromern, schlendern, herumwandern. Wer beim Herumreisen in der EU mobil telefoniert oder im Internet unterwegs ist, zahlt Preisaufschläge, die "Roaming-Gebühren". Die Kommission und das EU-Parlament wollten diese Gebühren abschaffen. Und zwar bis Juli nächsten Jahres. Doch daraus wird wohl erst einmal nichts, denn einige EU-Länder sind dagegen.

Frau telefoniert mit Handy an einem Strand

Im Urlaub telefonieren? Die EU sucht nach einem Kompromiss zum Thema Roaming-Gebühren.

Lobby-Erfolg der Telefonanbieter?

Es falle auf, dass es die Länder seien, in denen die großen Telefon- und Internetanbieter zu Hause sind, sagte die CSU-Europaabgeordnete Angelika Niebler. "Es sind die Spanier mit Telefonica. Es sind die Italiener. Deutschland. Es ist Großbritannien mit Vodafone. Ich glaube, gerade aus den Ländern wird es wohl Widerstand geben", so Niebler.

Die Telefonanbieter, darunter auch die Telekom und ihre Töchter, möchten offenbar nicht auf Roaming-Gebühren verzichten, denn für sie wäre das ein Verlustgeschäft. Vor allem in Zeiten, in denen immer mehr Leute, egal wo in Europa, mobil im Internet surfen wollen. Heißt das, die Roaming-Gebühren bleiben nun doch?

Nein, meint die SPD-Europaabgeordnete Constanze Krehl. "Der Kompromiss sieht eben vor, dass das gänzliche Abschaffen der Roaming-Gebühr sich erst mal um ein halbes Jahr verschiebt", sagte sie. Verschieben um ein halbes Jahr: Das Parlament macht sich also zum Ziel, dass die Zusatzgebühren nicht im nächsten Sommer, sondern Ende 2016 wegfallen. Das wäre für viele Mobil-Telefonierer und Internetsurfer, die in Europa unterwegs sind, wohl ein schönes Weihnachtsgeschenk. Und es wäre auch wichtig für die Glaubwürdigkeit von Parlament und Kommission.

100 Minuten und 100 SMS zum Heimtarif?

Von nächster Woche an wird wieder über Roaming-Gebühren verhandelt. Ein erster Kompromiss könnte sein, dass von Anfang 2016 an schon einmal eine gewisse Anzahl von Handy-Minuten und SMS-Nachrichten pro Jahr günstiger werden. Denkbar wäre, dass für sie im Ausland der Inlandstarif gelte, sagte die SPD-Europaabgeordnete Krehl. Dass könnte dann so aussehen, dass "wenigstens hundert Minuten, hundert SMS-Nachrichten" nicht teurer würden als zu Hause, so Krehl weiter.

Die EU-Kommission hat seit 2007 die Roaming-Gebühren schrittweise reduziert. Der normale Minutentarif ist über die Jahre deutlich günstiger geworden. Er liegt jetzt bei etwa 23 Cent pro Minute. Auch für das Internet-Surfen im EU-Ausland gibt es ein Kostenlimit. Das liegt bei knapp 24 Cent pro Megabyte, wenn keine Sonder-Tarifoptionen eingestellt sind. Vorher lag der Preis doppelt so hoch.

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KOMMENTARE

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Martinus 16.05.2015 • 01:36 Uhr

Roaming-Gebühren beibehalten !

Für mich ist die (vorläufige) Beibehaltung der sog. "Roaming"-Gebühren keineswegs eine schlechte Nachricht. Es ist nur gerecht, dass Menschen, die ihr Mobiltelefon im Ausland benutzen, eine (angemessene) Zusatzgebühr bezahlen, denn sie verursachen ja durch die Inanspruchnahme eines fremden Netzes auch zusätzliche Kosten. Wenn die EU in einem neuerlichen Anfall von politisch motiviertem Interventionismus derartige Gebühren verbietet, werden die Kosten auf alle Mobilfunknutzer umgelegt - und damit auch auf die Oma, die ihr Gerät nur benutzt, um Angehörige oder ein Taxi anzurufen, wenn sie nicht mehr aus eigener Kraft nach Hause gehen kann. Was wäre daran gerecht ???