Die Rückseite einer Euro Münze mit dem vitruvianischen Menschen von Leonardo da Vinci. | Bildquelle: dpa

Wirtschaft schrumpft weiter Italien rutscht in Rezession ab

Stand: 31.01.2019 14:05 Uhr

Eben erst hatte Italiens Regierung ihren Haushaltsstreit mit der EU entschärft. Nun rutscht das Land in eine Rezession. Damit stehen auch die Pläne, die Staatsverschuldung zu beschränken, wieder infrage.

Italien ist zum Jahresende 2018 als erste Volkswirtschaft der Eurozone in eine Rezession gerutscht. Im vierten Quartal schrumpfte die Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent - nach einem Minus von 0,1 Prozent im dritten Quartal. Dies teilte das nationale Statistikamt Istat in einer ersten Schätzung mit. Bei zwei Quartalen in Folge mit einer sinkenden Wirtschaftsleistung sprechen Experten von einer "technischen Rezession".

Schuldenziel in Gefahr

Die Rezession erschwert es der populistischen Regierung, die mit der EU-Kommission im Dezember ausgehandelten Haushaltsziele für 2019 einzuhalten. Italien hatte zugesagt, die Neuverschuldung des Staatshaushaltes auf gut zwei Prozent der Wirtschaftsleistung zu begrenzen.

Allerdings fußt dieser Plan auf der Annahme, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Gesamtjahr 2019 um ein Prozent zulegt. Die Notenbank in Rom und der Internationale Währungsfonds rechnen für dieses Jahr nur noch mit 0,6 Prozent. Italien ist eines der weltweit am höchsten verschuldeten Länder. Der Schuldenberg summiert sich auf mehr als 130 Prozent vom BIP.

Italiens Regierungschef Conte läutet die Glocke an der Mailänder Börse. | Bildquelle: DANIEL DAL ZENNARO/EPA-EFE/REX
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Italiens Regierungschef Conte gab sich zuversichtlich, dass die Wirtschaft im Laufe des Jahres die Kurve kriegen werde.

Kontinuierlicher Rückgang

Kritiker werfen der Regierung in Rom vor, sie habe durch den monatelangen Haushaltsstreit mit Brüssel die Lage noch verschärft, da das Vertrauen der Märkte gelitten habe und die Finanzierungskosten des Staates nach oben getrieben worden seien. Die Regierungskoalition will teure Wahlversprechen finanzieren, vor allem ein Grundeinkommen und ein niedrigeres Renteneintrittsalter.

Analysten hatten mit der schwachen konjunkturellen Entwicklung in Italien gerechnet. Sie waren im Schlussquartal 2018 aber nur von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent ausgegangen. Im Jahresvergleich wuchs die italienische Wirtschaft im vierten Quartal kaum noch und legte um magere 0,1 Prozent zu. Seit einem Jahr hat die Wirtschaftsleistung kontinuierlich nachgelassen.

Conte rechnet mit baldigem Aufschwung

Ministerpräsident Giuseppe Conte verbreitete dennoch Zuversicht für die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Vor Geschäftsleuten in Mailand hatte er am Mittwoch zwar gesagt, er rechne zwar nicht vor dem zweiten Quartal mit einer Erholung der Wirtschaft. Aber auch wenn "wir in den ersten Monaten dieses Jahres noch zu kämpfen haben werden", seien alle Voraussetzungen für eine Besserung gegeben.

Conte macht für den Wirtschaftsrückgang hauptsächlich externe Faktoren wie den Abschwung in Deutschland und China verantwortlich, der Italiens Exporten geschadet habe. Die Istat-Daten zeigen aber, dass die Schrumpfkur im vierten Quartal hauptsächlich auf einem Rückgang der Binnennachfrage zurückgeht. Das konnte auch durch einen positiven Beitrag des Außenhandels nicht ausgeglichen werden.

Probleme liegen in der Struktur

Der Chefökonom der VP Bank in Liechtenstein, Thomas Gitzel, nannte die aktuelle Entwicklung einen "Schuss vor den Bug" für Italien. Nötig seien Strukturreformen, "die leider unter der aktuellen Regierung nicht zu erwarten sind".

DIW-Ökonom Stefan Gebauer nannte die Probleme Italiens hausgemacht: "Verantwortlich dafür sind in erster Linie strukturelle Probleme, etwa die niedrige Produktivität und Investitionstätigkeit der Unternehmen, anhaltende Risiken im Bankensektor, geringe Einkommenszuwächse und eine weiterhin hohe Jugendarbeitslosigkeit."

Wirtschaft in der Eurozone wächst leicht

In der Eurozone insgesamt hat sich hingegen der konjunkturelle Aufschwung mit relativ niedrigem Tempo fortgesetzt. Laut dem Statistikamt Eurostat wuchs die Wirtschaft um 0,2 Prozent und und damit genau so stark wie im dritten Quartal. Im Gesamtjahr 2018 betrug das Wirtschaftswachstum der Eurozone 1,8 Prozent - nach 2,3 Prozent im Vorjahr.

Konjunkturindikatoren deuten auf Schwäche zu Beginn des Jahres 2019 hin. Unsicherheit bezüglich der Wirtschaftsentwicklung in China, der ungelöste Handelskonflikt zwischen den USA und China und der Brexit lasteten auf den Aussichten für 2019, kommentierte Christoph Weil, ein Ökonom der Commerzbank.

Italiens Wirtschaft rutscht in eine Rezession
Tassilo Forchheimer, ARD Rom
31.01.2019 15:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Januar 2019 um 14:00 Uhr.

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