US-Finanzmarktkrise

Staat übernimmt für 250 Mrd. Dollar Aktien US-Regierung kauft sich bei Banken ein

Stand: 14.10.2008 20:34 Uhr

Citigroup-Zentrale in New York
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Die Citigroup soll laut "Washington Post" 25 Milliarden Dollar erhalten.

Die US-Regierung will mit 250 Milliarden Dollar (rund 185 Milliarden Euro) in die US-Banken-Branche einsteigen. Ziel sei es, die Finanzwirtschaft wieder zu beleben sowie die Wirtschaft "wieder auf den Weg des Wachstums" zurückzubringen, sagte US-Präsident George W. Bush. Der Kauf von Anteilen der Finanzinstitute sei "eine wesentliche, kurzfristige Maßnahme" zur Stabilisierung der Märkte, erklärte er gemeinsam mit Finanzminister Henry Paulson. Später könnten die Banken die Staatsanteile wieder zurückkaufen. Es werde eine Zeit dauern, bis alle staatlichen Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsektors und der Wirtschaft wirklich voll greifen werden, sagte Bush.

"Diese Bemühungen sollen dem amerikanischen Volk direkt zugute kommen, indem sie das Finanzsystem stabilisieren und helfen, dass sich die Wirtschaft erholt", sagte Bush. Wenn die Regierung Bankaktien kaufe, könnten die Finanzinstitute weiterhin Kredite an Unternehmen und Bürger vergeben. Mit diesem und weiteren Schritten sollte das Vertrauen wiederhergestellt werden. Neben der direkten Beteiligung über den Erwerb von Aktien wurde auch beschlossen, dass die Einlagensicherung FDIC Kredite zwischen den Banken garantieren soll.

US-Regierung plant teilweise Verstaatlichung der Banken
nachtmagazin 00:00 Uhr, 15.10.2008, Christine Adelhardt, ARD Washington

Geld stammt aus Rettungsplan

Das Finanzministerium in Washington hatte zuvor nach einer Krisensitzung mit führenden Managern der Branche eine entsprechende Neufassung des 700-Milliarden-Rettungspakets beschlossen. Neun Finanzinstitutionen hätten einen solchen Staatseinstieg akzeptiert und dafür im Gegenzug Auflagen wie etwa der Begrenzung von Managergehältern zugestimmt, erklärten Bush und Paulson. Das Geld solle aus dem Rettungsplan über 700 Milliarden Dollar stammen, der vor kurzem vom US-Kongress beschlossen worden war.

US-Präsident Bush und Finanzminister Paulson
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Der Staat wird Großaktionär bei den US-Banken: US-Präsident Bush und Finanzminister Paulson

Laut "New York Times" hat die US-Regierung bereits mehreren Banken feste Summen zugesagt. Demnach sollen etwa Citigroup und JPMorgan Chase jeweils 25 Milliarden Dollar erhalten, Bank of America und Wells Fargo 20 Milliarden Dollar, Goldman Sachs und Morgan Stanley jeweils zehn Milliarden Dollar.

Sarkozy und Barroso bei Bush

Bush telefonierte zur Finanzkrise auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem britischen Premierminister Gordon Brown und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Über den Inhalt der Gespräche wurden keine Angaben gemacht. Das französische Staatsoberhaupt ist am Wochenende gemeinsam mit EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso zu einem Gipfeltreffen auf dem Landsitz Camp David, um bei einem Abendessen über die weltweite Finanzkrise zu beraten.

Milliarden-Pakete in Europa

Mit dem Staatseinstieg bei den Banken und den Kreditgarantien folgt die US-Regierung dem europäischen Vorbild. Das Bundeskabinett hatte mit bis zu 480 Milliarden Euro das größte Rettungspaket beschlossen. Frankreich plant Hilfen von bis zu 360 Milliarden Euro, die Niederlande bürgen für 200 Milliarden Euro, in Spanien und Österreich sind es jeweils bis zu 100 Milliarden Euro. Ähnlich wie beim deutschen Paket übernimmt der Staat vor allem Garantien für die Kredite, die sich die Banken gegenseitig gewähren. Auf dieses Vorgehen hatten sich die Euro-Länder am Wochenende geeinigt.

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