Regierungen beschließen Bürgschaften und Kapitalspritzen Mehr als eine Billion Euro für Europas Finanzbranche

Stand: 13.10.2008 20:10 Uhr

Angela Merkel, Nicolas Sarkozy und Gordon Brown
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Gemeinsam gegen die Bankenkrise: Angela Merkel, Nicolas Sarkozy und Gordon Brown bei ihrem Krisentreffen in Paris am Wochenende

In einer beispiellosen Rettungsaktion stellen europäische Regierungen etwa eine Billion Euro für die angeschlagene Finanzbranche zur Verfügung. Das Bundeskabinett beschloss mit bis zu 500 Milliarden Euro das größte Rettungspaket. Frankreich plant Hilfen von bis zu 360 Milliarden Euro, die Niederlande bürgen für 200 Milliarden Euro, in Spanien und Österreich sind es jeweils bis zu 100 Milliarden Euro. Ähnlich wie beim deutschen Paket übernimmt der Staat vor allem Garantien für die Kredite, die sich die Banken gegenseitig gewähren. Auf dieses Vorgehen hatten sich die Euro-Länder am Wochenende geeinigt.

Frankreich stellt 360 Milliarden Euro bereit

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy kündigte an, Paris werde mit 320 Milliarden Euro Kredite zwischen den Banken absichern. 40 Milliarden Euro wolle die Regierung bereitstellen, um Banken in Schwierigkeiten mit frischem Kapital zu versorgen. Dabei könne der Staat zwischenzeitlich auch Anteile an den Instituten übernehmen. Sarkozy bekräftigte, er wolle gescheiterte Manager "bestrafen" und auf eine grundlegende Veränderung des internationalen Finanzsystems hinarbeiten. Die Kreditvergabe durch die Institute sei das "Herz zur Finanzierung der Wirtschaft". Derzeit sei die Vergabe von Krediten unter den Banken durch die Furcht vor Pleiten blockiert. Deshalb müsse der Staat einspringen.

200-Milliarden-Bürgschaft in den Niederlanden

Die Niederlande wollen mit 200 Milliarden Euro für die Kredite der Banken untereinander bürgen. "Es handelt sich um eine beachtliche Summe, mit der das Vertrauen in das Finanzsystem gestärkt und der Geldfluss wieder belebt werden sollen", sagte Ministerpräsident Jan Peter Balkenende. Der niederländische Wirtschaftsminister Wouter Bos hatte bereits am Donnerstag eine Finanzspritze von 20 Milliarden Euro für den Bankensektor angekündigt. Anfang Oktober beschloss die Regierung schon die Verstaatlichung der angeschlagenen Finanzgruppe Fortis für 16,8 Milliarden Euro.

100-Milliarden-Pakete in Österreich und Spanien

Wilhelm Molterer
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Auch Österreichs Finanzminister Molterer verkündet ein Milliarden-Rettungspaket (Archivbild).

Österreich schnürte ein 100 Milliarden Euro schweres Sicherungspaket für die Banken. Mit 85 Milliarden Euro an staatlichen Garantien solle sichergestellt werden, dass sich die Geldinstitute wieder gegenseitig Geld leihen, sagte Finanzminister Wilhelm Molterer. Weitere 15 Milliarden Euro stünden zur Eigenkapitalstärkung einzelner Banken zur Verfügung. Dabei behalte sich der Staat vor, Anteile und Mitwirkungsrechte zu übernehmen.

Die spanische Regierung gab eine Garantie für Bankanleihen über 100 Milliarden Euro bis Ende des Jahres ab. Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero sagte, die Summe für 2009 stehe noch nicht fest. Zapatero erklärte weiter, die Regierung habe auch die Möglichkeit einer Rekapitalisierung von Banken gebilligt. Doch gebe es derzeit keine konkreten Pläne dafür.

In Großbritannien fließt bereits Geld

Gebäude der HBOS in London
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Der Staat als neuer Aktionär: Gebäude der HBOS in London

Der britische Staat steigt mit bis zu 37 Milliarden Pfund (46 Milliarden Euro) bei der Royal Bank of Scotland (RBS), Lloyds TSB sowie der HBOS ein und wird dort Großaktionär. Premierminister Gordon Brown, der als Konsequenz aus der dramatischen Finanzmarktkrise ein 50 Milliarden Pfund (63 Milliarden Euro) umfassendes Rettungspaket aufgelegt hat, sprach von einem beispiellosen Vorgehen, das aber im allgemeinen Interesse liege. Der britische Staat wird damit größter Aktionär bei der RBS sowie bei Lloyds TSB und der Halifax Bank of Scotland (HBOS), die sich zusammenschließen wollen.

Wie die RBS mitteilte, kauft die Regierung für fünf Milliarden Pfund Vorzugsaktien des Instituts und zeichnet für weitere Aktien im Wert von 15 Milliarden Pfund. Wenn sich für diese - wie von vielen Analysten erwartet - keine Investoren finden, kauft sich die Regierung mit der vollen Summe von 20 Milliarden Pfund ein. Dann würde der Staat 57 Prozent der Anteile halten. Weitere 17 Milliarden Pfund erhalten nach eigenen Angaben Lloyds TSB und die HBOS.

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