Fertigungsanlage in einem Renault-Werk | Bildquelle: AFP

Autobauer in Corona-Krise "Renault kämpft ums Überleben"

Stand: 22.05.2020 12:52 Uhr

Der französische Autobauer Renault steckt in einer schweren Krise. Der Konzern hat ein Darlehen vom Staat beantragt - doch dieser knüpft die geplanten Milliardenhilfen an Auflagen und einen Sparplan.

Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire sieht den Autohersteller Renault in einer schweren Krise. "Renault kämpft um sein Überleben", sagte er der Zeitung "Le Figaro". Der Konzern habe ein staatlich garantiertes Darlehen von fünf Milliarden Euro beantragt, so der Minister. Aber er habe dieses Darlehen noch nicht freigegeben.

Die Regierung fordert von Renault, Verpflichtungen in drei Bereichen einzugehen: "Beim Elektrofahrzeug, beim Respekt gegenüber ihren Zulieferern und bei der Lokalisierung ihrer technologisch fortschrittlichsten Aktivitäten in Frankreich", so Le Maire. Die Standorte müssten erhalten bleiben und die Firmenleitung müsse garantieren, dass für Renault Frankreich das weltgrößte Zentrum der Produktion von Elektroautos werde. Der französische Staat ist 15-prozentiger Anteilseigner des Autokonzerns.

Regierung erwartet Vorlage eines Sparplans

Le Maire zufolge will die Regierung zudem die Details eines Sparplans im Umfang von rund zwei Milliarden Euro abwarten, den Renault am Freitag kommender Woche vorstellen will. Insbesondere das Werk in Flins-sur-Seine nordwestlich von Paris dürfe nicht schließen, betonte Le Maire. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP will Renault die Autoproduktion in der Fabrik mit 2600 Mitarbeitern stoppen. Auch die Schließung drei weiterer französischer Werke ist nach Medienberichten geplant.

Frankreichs Minister für Wirtschaft und Finanzen Bruno Le Maire (Archivbild) | Bildquelle: AFP
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Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire sieht den Autohersteller Renault in einer schweren Krise.

Konzentration auf Elektrostrategie

Er habe den Ernst der Krise nie verheimlicht und verheimliche ebenso den Ernst der Situation von Renault nicht, so der Minister. Allerdings wisse er auch, dass der Konzern über außergewöhnliche Ressourcen, außergewöhnliche Technologien, motivierte Mitarbeiter und kompetente Arbeitskräfte verfüge.

Seiner Meinung nach kann und wird das Unternehmen wieder auf die Beine kommen, wenn es eine Strategie definiere. Le Maire zufolge solle das Unternehmen zu einem der technologisch fortschrittlichsten Hersteller der Welt werden, der bei Elektrofahrzeugen an der Spitze steht.

Probleme bereits vor der Corona-Krise

Bereits nach dem Skandal um den früheren Konzernchef Carlos Ghosn war der Hersteller in Turbulenzen geraten. Die Corona-Pandemie und der damit verbundene Absatzeinbruch führten zu der verschärften Krise. Renault hatte 2019 erstmals seit einem Jahrzehnt rote Zahlen geschrieben.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. Mai 2020 um 16:15 Uhr.

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