Ein Laborarbeiter hält eine Packung "Remdesivir"  | Bildquelle: REUTERS

Covid-19-Therapie Remdesivir vor Zulassung in Europa

Stand: 25.06.2020 16:56 Uhr

Remdesivir könnte bald Covid-19-Patienten in Europa verabreicht werden - die EU-Arzneimittelbehörde empfiehlt, das Medikament zuzulassen. Zunächst sollen aber nur bestimmte Erkrankte damit therapiert werden.

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA gibt grünes Licht für den Einsatz des Medikaments Remdesivir bei Covid-19-Patienten.

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA empfahl eine bedingte Zulassung der Arznei zur Behandlung von erwachsenen Patienten und Jugendlichen ab zwölf Jahren mit Lungenentzündung, die zusätzlichen Sauerstoff benötigen, wie die Behörde mitteilte.

In Europa unter dem Namen "Veklury"

Ärzte können das Medikament, das den Markennamen Veklury erhalten soll, in Europa verschreiben, sobald es von der Europäischen Kommission genehmigt wurde. Die Entscheidung der Kommission soll laut EMA in der kommenden Woche fallen und gilt als Formsache.

Der Chefarzt der Klinik für Infektiologie an der Münchner Klinik Schwabing, Clemens Wendtner, nannte die Empfehlung einen "Lichtblick für Corona-Patienten" und einen "wichtigen Meilenstein im Kampf gegen Covid-19".

Für bestimmte Patienten gut geeignet

Patienten mit schwerer Atemwegssymptomatik, die eine Sauerstofftherapie benötigten, könnten in Kürze sicher und effizient mit Remdesivir behandelt werden, so Wendtner, dessen Klinik an Studien zu dem Medikament teilgenommen hatte.

Allerdings helfe Remdesivir wohl nicht bei Patienten mit extrem schwerer Lungenbeteiligung, die eine künstliche Beatmung nach sich ziehe, sagte Wendtner.

Das Medikament des US-Herstellers Gilead wurde ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt und wird nun als großer Hoffnungsträger in der Behandlung von Covid-19-Patienten angesehen.

Verkürzung der Gesundung

Eine internationale Studie mit über 1000 Teilnehmern hatte Ende April gezeigt, dass Remdesivir bei Covid-19-Patienten die Zeit bis zu einer Genesung im Schnitt um vier Tage verkürzen kann - von 15 auf elf Tage. Die Sterblichkeit ging in der Untersuchung geringfügig zurück, was statistisch jedoch nicht signifikant war.

In einigen Ländern, darunter die USA und Japan, wurden bereits Ausnahmegenehmigungen für die Anwendung erteilt. Auch in Deutschland war das Mittel bislang schon innerhalb eines Arzneimittel-Härtefallprogrammes zugänglich und wird in klinischen Studien getestet.

Bislang gibt es noch keinen Impfstoff und kein Medikament gegen das neuartige Coronavirus.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Juni 2020 um 16:00 Uhr.

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