Bundeswirtschaftsminister Gabriel am Rednerpult im Bundestag | null

Reaktionen auf Referendum in Griechenland "Letzte Brücken eingerissen"

Stand: 06.07.2015 08:50 Uhr

Nach dem "Nein" der Griechen zu den Sparvorgaben haben Politiker der Koalition enttäuscht reagiert. Ministerpräsident Tsipras habe "letzte Brücken" zu einer Einigung eingerissen, sagte Wirtschaftsminister Gabriel. Die Linkspartei sieht dagegen einen "Sieg für die Demokratie".

Nach dem deutlichen "Nein" der Griechen bei ihrem Referendum sieht SPD-Chef Sigmar Gabriel kaum noch Chancen auf eine Einigung. Regierungschef Alexis Tsipras habe "letzte Brücken eingerissen, über die Europa und Griechenland sich auf einen Kompromiss zubewegen konnten", sagte er dem "Tagesspiegel". Mit der Absage an die Spielregeln der Euro-Zone, wie sie im mehrheitlichen "Nein" zum Ausdruck komme, seien Verhandlungen über milliardenschwere Programme kaum vorstellbar. Tsipras und seine Regierung führten "das griechische Volk auf einen Weg von bitterem Verzicht und Hoffnungslosigkeit", sagte der Vize-Kanzler und Wirtschaftsminister.

Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Carsten Schneider bezeichnete das "Nein" als "ein sehr, sehr schwieriges Ergebnis". Er stellte im Bericht aus Berlin in Frage, ob man dann mit der griechischen Regierung überhaupt noch verhandeln könne.

Kritik aus CSU: "schmutzige Tour"

Auch aus der CSU kam scharfe Kritik an dem Ergebnis des Referendums. "Wir müssen jetzt besonnen reagieren, aber klar ist: Die linken Erpresser und Volksbelüger wie Tsipras können mit ihrer schmutzigen Tour nicht durchkommen", erklärte Generalsekretär Andreas Scheuer.

Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionschef Ralph Brinkhaus sieht nun schlechte Chancen für weitere Hilfspakete für Griechenland. "Für uns galt immer die Devise und gilt immer noch: Hilfen gegen Reformen", sagte er im ZDF.

Sieg der Demokratie

Ganz anders reagierte der Vorsitzende der mit der griechischen Regierungspartei Syriza verbündeten Linkspartei, Bernd Riexinger. Er sprach von einem "Sieg der Demokratie". Das Nein der Griechen legitimiere die Verhandlungsführung Athens. Es bestehe "kein Zweifel daran, dass Griechenland im Euroraum" bleibe - nun müssten neue "Behandlungsmethoden" für Griechenland entwickelt werden.

Grünen-Parteichef Cem Özdemir mahnte im "Bericht aus Berlin" einen vernünftigen Umgang mit Griechenland auch nach dem "Nein" an. Das Land bleibe in der EU, "selbst wenn Griechenland nicht mehr im Euro sein sollte", sagte er. Die Stimme Athens werde daher auch in Zukunft bei wichtigen europäischen Entscheidungen gebraucht.