Flughafen Castellon

Rechnungshof prüft EU-Subventionen Sinnlose Milliarden, sinnlose Flughäfen

Stand: 16.12.2014 16:23 Uhr

Der Europäische Rechnungshof hat in einem Sonderbericht die Wirksamkeit milliardenschwerer EU-Subventionen für Regionalflughäfen untersucht - mit verheerendem Ergebnis: Einige Airports melden 20 Passagiere pro Tag, auf anderen ist noch nie ein Flugzeug gelandet.

Von Martin Bohne, MDR-Hörfunkstudio Brüssel

Fast fünf Milliarden Euro aus der EU-Kasse flossen seit der Jahrtausendwende in den Ausbau von Flughäfen in schwächer entwickelten Mitgliedsstaaten. Einen Großteil der Gelder hätte man sich sparen können. Kaum nachweisbar, so steht es im Rechnungshof-Bericht, seien die angekündigten Verbesserungen für die Kunden oder der versprochene Impuls für die wirtschaftliche Entwicklung der Region.

Flughafen Castellon

Wenn schon kein Flugzeug kommt: Der spanische Golfer Garcia bei einem Weltrekordversuch auf dem Flughafen Castellon.

Martin Bohne ARD-Studio Brüssel

20 Fluggäste pro Tag

Beispiel Cordoba: 85 Millionen Euro wurden dort in den Ausbau des Terminals und eine hochmoderne Landebahn investiert, 13 Millionen steuerte die EU bei. Das Ergebnis: Seitdem halbierte sich die Zahl der Fluggäste - auf gerade einmal 20 pro Tag. Prognostiziert waren 500. Verwundern dürfte das eigentlich keinen, denn in der Nähe der malerischen andalusischen Stadt gibt es noch drei weitere, größere Flughäfen.

Aber es geht noch schlimmer: Auf anderen EU-geförderten Flughäfen ist noch nie ein Flugzeug gelandet - oder der Airport wurde schon wieder geschlossen.

Abfertigungsschalter am Flughafen Tallinn (Archivbild)

Gähnende Leere: Abfertigungsschalter am Flughafen Tallinn (Archivbild)

Insgesamt 20 Regionalflughäfen in Spanien, Italien, Griechenland, Polen und Estland nahmen die Rechnungsprüfer genauer unter die Lupe. Fast die Hälfte der Airports schreibt rote Zahlen - das heißt, sie liegen den Steuerzahlern dauerhaft auf der Tasche. Und gerade einmal zehn der Airports konnten im Gefolge der Ausbaumaßnahmen überhaupt ihre Passagierzahlen steigern.

Aberwitzige Prestigeprojekte

Die Rechnungsprüfer tadeln sowohl die EU-Kommission als auch die Mitgliedsstaaten für den leichtfertigen Umgang mit den Subventionen. Man habe den viel zu optimistischen Prognosen geglaubt und in vier der fünf untersuchten EU-Länder lief die Flughafenplanung völlig unkoordiniert ab. Und so konnten sich geltungssüchtige Provinzfürsten ungebremst aberwitzige Prestigeprojekte leisten - auf Kosten der europäischen Steuerzahler.

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KOMMENTARE

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Hansi2012 16.12.2014 • 22:37 Uhr

Wie die einzelnen Staaten mit

Wie die einzelnen Staaten mit ihren eigenen Steuergeldern umgehen, sollte mir egal sein, solange DEU an den Kosten nicht beteiligt wird. Das Problem müssen die Staaten ihren eigenen Steuerzahlern erklären.