Ein Handwerker mit Arbeitshandschuh hält einen Fünf-Euro-Schein und ein paar Münzen in der Hand. | dpa

Einkommen in Deutschland Corona-Krise drückt Löhne

Stand: 17.02.2021 16:33 Uhr

Die Corona-Krise hat negative Auswirkungen auf Löhne in Deutschland: Erstmals seit Beginn der Erhebungen 2007 sind laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr die Nominallöhne zurückgegangen.

Die Corona-Krise hat die Lohnentwicklung im Pandemie-Jahr 2020 stark beeinflusst und erstmals seit Beginn der Erhebung im Jahr 2007 zu einem nominalen Verdienstrückgang geführt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, sank der Nominallohnindex im Jahresdurchschnitt um rund 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Da die Verbraucherpreise zugleich um knapp 0,5 stiegen, mussten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Verdiensteinbußen von real rund einem Prozent hinnehmen. Der Nominalindex bildet die Entwicklung der Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen ab.

Als Grund für die rückläufige Lohnentwicklung hoben die Statistiker den verbreiteten Einsatz von Kurzarbeit hervor. Das Kurzarbeitergeld, das die Einkommensverluste für viele Beschäftigte abgefedert hat, wird bei den Nominallöhnen jedoch nicht berücksichtigt. 

DGB spricht von "bitteren Nachrichten"

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnte angesichts des Lohnrückgangs vor weitreichenden Folgen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell sprach gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe von "bitteren Nachrichten".  Er pochte auf konkrete Maßnahmen, "damit die Binnenkonjunktur als wichtigste Stütze der Wirtschaft nicht auch noch einbricht". Dazu gehörten die weitere Aufstockung des Kurzarbeitergeldes und ein höherer Mindestlohn.

Riexinger für Anhebung des Kurzarbeitergeldes

"Die sinkenden Löhne in Deutschland zeigen, wer die Krise bis jetzt vor allem bezahlt: Die Mehrheit der Beschäftigten", erklärte Linken-Parteichef Bernd Riexinger. Dagegen hätten die reichsten zehn Prozent ihre Vermögen sogar in der Krise noch steigern können. "Es ist höchste Zeit, dass eine entschiedene Umverteilungspolitik die Lasten gerechter verteilt", verlangte Riexinger. Als ersten Schritt forderte der Linken-Politiker, das Kurzarbeitergeld auf 90 Prozent anzuheben und die Allgemeinverbindlichkeitserklärung von Tarifverträgen zu erleichtern. "Auch ein Mindestlohn, bei dem man nicht nach einem Leben voller Arbeit in Altersarmut landet, ist überfällig", erklärte Riexinger.

IMK rechnet mit Erholung

Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) rechnet in diesem Jahr mit einer Erholung. Das Lohnminus 2020 gehe vor allem auf den Rückgang der Arbeitszeit durch die Corona-Pandemie zurück, wobei ein Teil bereits durch die Zahlung von Kurzarbeitergeld ausgeglichen worden sei. "Mit dem Abklingen der Pandemie-bedingten Betriebsschließungen dürften sich im laufenden Jahr auch die Lohneinkommen wieder erholen", sagte der Wissenschaftliche Direktor des IMK, Sebastian Dullien.

Die Angaben zur Lohnentwicklung im Gesamtjahr 2020 beruhen auf der vierteljährlichen Verdiensterhebung und sind noch vorläufig. Detaillierte und endgültige Daten für das vierte Quartal sollen nach Angaben des Bundesamtes voraussichtlich Ende März 2021 veröffentlicht werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Februar 2021 um 11:00 Uhr.