Werbeschilder an einer Filiale des Windanlagenfinanzierers Prokon in Hannover.

75.000 Kleinanleger betroffen Windkraftfirma Prokon ist insolvent

Stand: 22.01.2014 20:52 Uhr

Der Windanlagenfinanzierer Prokon hat Insolvenz angemeldet. Das teilte das Unternehmen in Itzehoe mit. Das Amtsgericht Itzehoe eröffnete das Verfahren und setzte den Hamburger Anwalt Dietmar Penzlin als vorläufigen Insolvenzverwalter ein.

Ziel sei "die Sicherung und der Erhalt des Unternehmensvermögens", erklärte Penzlin. Der Geschäftsbetrieb werde zunächst "in vollem Umfang fortgeführt". Für die 1300 Beschäftigten bereitet der Insolvenzverwalter nach eigenen Angaben eine sogenannte Insolvenzgeldvorfinanzierung vor, um Löhne und Gehälter bis einschließlich April durch Geld der Bundesagentur für Arbeit abzusichern. Alle Gläubiger wurden von Penzlin "dringend gebeten", zunächst keine Forderungen anzumelden.

Prokon hatte seine Anleger vor elf Tagen überraschend in einem Brief vor einer drohenden Insolvenz Ende Januar gewarnt, sollten sie ihr Kapital abziehen. Ein Ultimatum des Unternehmens an die Investoren, ihre Anteile am Unternehmen zu halten, war am Montag ohne Erfolg abgelaufen.

Prokon-Zentrale in Itzehoe

75.000 Anleger und 1300 Mitarbeiter sind von der Insolvenz betroffen.

Verbraucherzentrale scheitert vor Gericht

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hatte wegen des umstrittenen Schreibens eine einstweilige Verfügung gegen Prokon beantragt, die aber vom Landgericht Itzehoe verworfen wurde. Die Verbraucherschützer warfen dem Windanlagenfinanzierer vor, seine Anleger unangemessen unter Druck zu setzen.

Prokon finanziert sich fast ausschließlich über sogenannte Genussrechte, über die der Konzern vor allem bei Kleinanlegern rund 1,4 Milliarden Euro eingesammelt hatte. Ihr Geld dürfte mit der Insolvenz weitgehend verloren sein. Geworben hatte Prokon mit einer festen Verzinsung von sechs Prozent, teilweise wurden bis zu acht Prozent Zinsen ausgezahlt. Zuletzt konnte die Firma allerdings weder Zinsen noch gekündigtes Kapital auszahlen.

Nach Ansicht der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) waren die Genussscheine wesentlicher Teil des Problems: Die handwerklich fehlerhafte Kombination von langfristigen Projekten, die das Kapital 10 bis 20 Jahre binden, mit der Finanzierung durch höchst kurzfristig kündbares Genussscheinkapital seien der Ursprung der Insolvenz.

Eine Prokon-Werbung für Genussrechte in einer Hamburger U-Bahn.

Mit Anzeigen - wie hier in der Hamburger U-Bahn - warb Prokon Kleinanleger.

Prokon: Das ist "keineswegs das Aus"

Die Prokon-Geschäftsführung dankte auf der Internetseite allen Anlegern für die Unterstützung und gab sich optimistisch. Der Insolvenzantrag bedeute allerdings "keineswegs das Aus" für Prokon, hieß es in der Mitteilung. Der Antrag müsse zunächst auf seine Zulässigkeit geprüft werden, was einige Monate in Anspruch nehmen könne. Das Unternehmen sei "nach wie vor operativ gut aufgestellt" und zuversichtlich, die aktuellen Schwierigkeiten zu überstehen.

Das Unternehmen mit insgesamt 1300 Mitarbeitern, davon 330 am Firmensitz in Itzehoe, ist ein wichtiger Finanzier von Windparks, investiert aber auch in Bioenergie.

Infobox: Genussrechte

Die auch von Prokon ausgegebenen Genussscheine sind
Wertpapiere, die eine Sonderstellung zwischen Aktien und Anleihen
haben. Unternehmen kommen an Kapital, der Käufer der Genussrechte
erhält im Gegenzug regelmäßige Zinszahlungen. Im Unterschied zu
Anleihen können diese Zahlungen aber auch gestrichen oder verschoben
werden, wenn kein Gewinn anfällt. Im Gegensatz zum Aktienbesitzer hat
der Inhaber von Genussscheinen kein Mitspracherecht bei der Firma.
Geht sie pleite und wird abgewickelt, werden Genussscheine erst nach
den anderen Forderungen bedient. Es besteht also die Gefahr des
Totalverlusts. Genussscheine sind risikoreicher als andere
Wertpapiere, die Zinssätze deshalb gemeinhin höher.

Dieser Beitrag lief am 22. Januar 2014 um 18:29 Uhr im Deutschlandfunk.

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KOMMENTARE

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Prof. 23.01.2014 • 01:24 Uhr

Atomkraft seit jeher subventioniert

"Was ist hier also nun teuer: Atom oder Wind?" Auch das ist eine Kuriosität: Atomkraft wird seit jeder subventioniert und es muss keine "zusätzliche Einnahmequelle" eingerichtet werden. Die Steuereinahme "EEG" ist lediglich Mittel zum Zweck. Die PR für die Steuer ist das Märchen um "Erneuerbaren Energien". Es passiert doch überhaupt nichts auf dem deutschen Strommarkt. Wir bezahlen nur einen überteuerten Preis für Elektrizität und das Ausland schüttelt nur noch den Kopf.