Jerome Powell | Bildquelle: dpa

Trumps Fed-Chef-Nominierung Powell - neues Gesicht, alte Politik

Stand: 03.11.2017 03:28 Uhr

Er gilt als solide: Jerome Powell soll nach dem Willen Trumps neuer Chef der US-Notenbank werden. Erwartet wird, dass das langjährige Fed-Vorstandsmitglied den Kurs seiner Vorgängerin Yellen fortsetzt. Das Signal: Alles soll beim Alten bleiben.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Mit der Erklärung vor Journalisten im Rose Garden des Weißen Hauses hat US-Präsident Donald Trump bestätigt, worüber seit Tagen spekuliert worden ist: Die Chefin der US-Notenbank, Janet Yellen, muss nach Ende ihres Vertrages gehen. Der Neue heißt Jerome Powell. "Er ist stark, engagiert und schlau", schwärmte Trump. "Und wenn der Senat meinen Vorschlag bestätigt, wird er seine vielen Talente einsetzen, um unsere unabhängige Notenbank zu führen. Es gibt nur wenige Positionen in unserer Regierung, die noch wichtiger sind, glauben Sie mir."

Für Trump ist Powell die perfekte Wahl: Er ist nach außen ein neues Gesicht. Gleichzeitig hat er voraussichtlich keine Absicht, mit drastischen Zinsschritten die Rallye an den Börsen in Gefahr zu bringen. Das sagt auch der Analyst Terry Simpsons der Investmentfirma BlackRock. "Die Märkte wollen Powell. Er steht für das schrittweise transparente Vorgehen der Fed gegenüber den Märkten in den vergangenen Jahren."

Kein radikaler Kurswechsel

Powell ist Jurist, hat aber auch lange als Investment-Banker gearbeitet. Die "Washington Post" schreibt, er werde der reichste Vorsitzenden der Fed seit Jahrzehnten sein. Sein Vermögen wird auf bis zu 55 Millionen US-Dollar geschätzt.

Nach seiner Zeit in der Finanzindustrie übernahm Powell Aufgaben bei einem überparteilichen Thinktank in Washington. Als die Republikaner 2011 drohten, die Schuldengrenze des Bundes nicht weiter anzuheben, warnte er seine Parteikollegen vor den Folgen. Auch dieses Jahr im August machte er seinen Punkt noch einmal klar. "Wenn die Schuldengrenze nicht angehoben wird, können die USA nicht mehr alle Rechnungen bezahlen. Das wäre ein gehöriger Schock für die Wirtschaft. Und niemand darf glauben, dass die Fed Haushalte oder Unternehmen vor den Folgen solch einer Entscheidung schützen kann."

Später wurde Powell von Präsident Barack Obama in den Fed-Vorstand berufen. Er gilt als ein Mann des Ausgleichs - und auch jetzt erwartet von ihm niemand einen radikalen Kurswechsel, am wenigsten US-Präsident Trump selbst. "Unsere Wirtschaft braucht korrekte Geldpolitik und eine kluge Aufsicht unseres Banksystems."

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Wird der Leitzins langsam wachsen?

Powell wird die Politik der bisherigen Chefin Yellen fortsetzen. Das heißt, bleiben die Konjunkturdaten weiter so stabil, könnten die US-Leitzinsen langsam steigen. Der massive Ankauf von Anleihen soll schrittweise auslaufen.

Allein in einem Punkt könnte sich Powell emanzipieren: Er hält offenbar nicht alle Gesetze für notwendig, die nach der Finanzkrise 2008 zur Regulierung des Bankensektors erlassen worden sind. "Uns geht es um Verbesserungen, wie zum Beispiel weniger Lasten für kleine Banken. Das sind Reformen mit gesundem Menschenverstand, um wirksam zu regulieren, aber ohne unnötige Belastungen."

Der Senat muss dem Vorschlag des Präsidenten zustimmen. Dann könnte Powell den Fed-Vorsitz im Februar übernehmen. Zuvor wird die Notenbank vermutlich im Dezember noch einmal die Leitzinsen erhöhen - so sagen es Analysten in den USA voraus.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. November 2017 um 04:56 Uhr.

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