Angestellte in Briefverteilzentrum in Leipzig | Bildquelle: dpa

Postbilanz 2018 Viele Pakete, große Ziele

Stand: 07.03.2019 13:00 Uhr

Der Onlinehandel hat der Deutschen Post 2018 gute Zahlen beschert - sie transportierte so viele Pakte wie noch nie. Der Gewinn des Konzerns blieb dennoch hinter den Erwartungen zurück.

Von Jörg Sauerwein, WDR

Noch vor einem Jahr hatte der Vorstandsvorsitzende Frank Appel allen Grund zum Jubeln: Seine Post verzeichnete ein Rekordquartal nach dem anderen. Dann allerdings kam der vergangene Juni mit der Gewinnwarnung. Denn das boomende Paketgeschäft trieb auch die Kosten in die Höhe.

Unter dem Strich steht für 2018 jetzt zwar ein operativer Gewinn von 3,2 Milliarden Euro. Das ist aber fast eine Milliarde weniger als noch vor einem Jahr geplant. Kein Wunder, dass Postchef Appel mit ernster Miene im Bonner Post-Tower vor die Journalisten trat und gleich auf den erfolgreichen Teil des vergangenen Jahres einging. "Wir hatten ein sehr gutes Weihnachtsgeschäft. Unsere Zahlen im vierten Quartal waren in allen Dimensionen positiv", so Appel.

Insgesamt aber wardas Jahr 2018 für die Post-Finanzchefin Melanie Kreis nicht gerade positiv. Denn verglichen mit dem Vorjahr gab es einen Gewinneinbruch von gut 15 Prozent. "Wenn man sich die Entwicklung des Konzernergebnisses anschaut, dann ist das ein Rückschritt gegenüber 2017 gewesen."

Frank Appel | Bildquelle: FREDERIC SCHEIDEMANN/EPA-EFE/REX
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Postchef Appel: Ernste Miene trotz Milliardengewinns.

1,5 Milliarden Pakete transportiert

Und das, obwohl Bereiche wie das Express- oder Frachtgeschäft gut liefen. "Wir hatten einen Unternehmensbereich, der ein sehr schwieriges Jahr hatte 2018. Das war unser Post- und Paketgeschäft hier in Deutschland", sagt Kreis. Einerseits gehen dank des anhalten Booms im Onlinehandel die Paketzahlen weiter nach oben. Allein in Deutschland hat die Post im vergangenen Jahr 1,5 Milliarden Pakete transportiert - ein Plus von mehr als sieben Prozent.

Andererseits aber treibt das die Kosten in die Höhe. Deshalb hat sich das Unternehmen ein Sparprogramm verordnet, unter anderem Frühpensionierungen in der Zentrale vorgenommen und den Konzern in Teilen umgebaut. Das allerdings kostet Geld und verpasste dem Konzerngewinn im vergangenen Jahr den Dämpfer.

"Das Wichtige ist: Wir sind ja nicht für ein Jahr unterwegs, sondern es geht hier auch darum, eine Grundlage für 2020 und auch für die Zeit danach zu legen. Und deswegen war es für uns wichtig, dass wir in 2018 die richtigen Maßnahmen eingeleitet haben, um die Transformation von Brief zu Paket in Deutschland mittel- und langfristig erfolgreich zu gestalten", so Kreis.

Eines der großen Probleme der Post sei nach wie vor das schrumpfende Briefgeschäft. Jedes Jahr sinke die Zahl der Briefe um drei Prozent, weil die Menschen mit jedem Jahr noch stärker auf elektronische Wege wie E-Mail oder WhatsApp setzen. Da sei der Paketboom für die Post durchaus ein Segen. "Aber das ist eine schwierige Transformation von kleinen Briefen zu schweren Paketen. Das verlangt unserer Organisation, das verlangt den Kolleginnen und Kollegen draußen in der Fläche viel ab, und es ist finanziell auch nicht einfach, das in einer profitablen Art und Weise zu gestalten", sagte Kreis.

Entscheidung zum Porto steht noch aus

Im Briefbereich wartet die Post noch auf die Entscheidung der Bundesnetzagentur über eine Erhöhung des Portos. Das könnte für den Standardbrief von bisher 70 auf künftig 85 bis 90 Cent ansteigen. Aus Sicht der Post ist ein höheres Porto dringend notwendig. Denn trotz sinkender Briefzahlen müssten die Zusteller weiterhin täglich Haushalte anlaufen und das bei wachsenden Kosten zum Beispiel durch steigende Löhne.

Das steigende Porto soll voraussichtlich ab dem Sommer dazu beitragen, dass das Konzernziel für das Jahr 2020 eingehalten wird. Das lautet: mindestens fünf Milliarden operativer Gewinn. Das allerdings werde vor allem auf dem Rücken der Mitarbeiter umgesetzt, kritisiert Christina Dahlhaus, die Vorsitzende der Gewerkschaft DPVKOM: "Die Deutsche Post AG hat alles unter ihr Konzernziel fünf Milliarden gestellt. Und die Mitarbeiter haben natürlich auch Sparmaßnahmen zu spüren bekommen. Wir haben immer wieder das Thema einer viel zu dünnen Personaldecke gehabt. Die Zusteller, die Mitarbeiter gehen einfach an den Belastungsgrenzen."

Darauf reagiere die Post inzwischen zumindest in Teilen, räumt Dahlhaus ein. Das Unternehmen kündigte in dieser Woche an, in diesem Jahr 5000 neue Arbeitsplätze zu schaffen, unter anderem in der Zustellung und in neuen Sortierzentren.

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