Generalstreik in Portugal

Generalstreik gegen Sparkurs Portugal bewegt sich heute wenig

Stand: 27.06.2013 15:22 Uhr

In Portugal hat ein eintägiger Generalstreik das öffentliche Leben teilweise lahmgelegt. Zahlreiche Angestellte und Beamte folgten dem Aufruf der beiden größten Gewerkschaften CGTP und UGT, die damit gegen die Sparpolitik der Mitte-Rechts-Regierung von Pedro Passos Coelho protestieren wollten. Es ist bereits der vierte Generalstreik binnen zwei Jahren.

Züge und U-Bahnen fahren nicht, der Luftverkehr ist gestört und viele Behörden haben wegen des Streiks geschlossen. Die Leitung des Volkswagenwerks Autoeuropa bei Lissabon setzte vorsorglich die Produktion aus. Die Fluglinien Ryanair und easyJet sagten mehrere Flüge ab, zudem wird mit Verspätungen gerechnet. Wegen der Einstellung eines Großteils des öffentlichen Nahverkehrs gibt es zahlreiche Staus in der Hauptstadt.

Generalstreik in Portugal

Die Züge bleiben in den Depots...

Generalstreik in Portugal

...und auch die Busse stehen still.

Die Arbeitgeber schlossen sich in einem ungewöhnlichen Schritt der Kritik der Gewerkschaften an der Sparpolitik der Regierung an. "Der Streik ist Ausdruck von Unzufriedenheit. Man muss den sozialen Dialog verstärken", sagte Arbeitgeberpräsident Antonio Saraiva. Kritiker werfen Ministerpräsident Passos Coelho seit längerem vor, dass er die Sparvorgaben der internationalen Gläubiger-Troika aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds allzu buchstabengetreu umsetzt.

Arbeitslosenquote auf Rekordniveau

Portugal verpflichtete sich als Gegenleistung für das 2011 gewährte 78 Milliarden Euro schwere Hilfspaket gegenüber den Geldgebern zu einem strengen Sparkurs. Die Arbeitslosenrate kletterte unterdessen auf das Rekordniveau von 18 Prozent, und das Land steuert auf das dritte Rezessionsjahr in Folge zu.

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KOMMENTARE

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MAD 27.06.2013 • 20:07 Uhr

@ barobek, 18:03 Uhr

Komisches Märchen... Dieses Märchen ist nämlich leider "Realität". Wenn ich einen Generalstreik ausrufe und damit mein Land einen Tag lahm lege, verliere ich - einfach gerechnet - 1/365 der Wirtschaftsleistung eines Jahres. Ein Teil der Leistungen kann nachgeholt werden, ein anderer Teil geht unwiederbringlich verloren. Man kann diesen "statistischen" Effekt besonders gut in Deutschland nachvollziehen, wenn die (vielen) Feiertage arbeitnehmer- oder arbeitgeberfreundlich fallen. Zu den Südländern muss man diesbzgl. wohl wirklich nicht mehr viel sagen. Ein Generalstreik hilft nichts, denn über das Geld entscheiden Leute, die von den Streiks nicht unmittelbar betroffen sind - zum Glück! Diese Länder haben Jahrzehnte über ihre Verhältnisse gelebt und jetzt rebellieren sie auch noch dagegen, dass man Bedingungen stellt, wenn man Geld gibt. Man könnte die Länder ja mal "finanziell trocken legen" - dann würde die Bevölkerung merken, was Staatspleite heißt. Ihr Kapitalismuskritik läuft leer.