Euro-Münze auf einer portugiesischen Fahne

Wirtschaftskrise in Portugal Verfassungsgericht kippt Teile des Sparetats

Stand: 06.04.2013 00:02 Uhr

Das portugiesische Verfassungsgericht hat Teile des Sparhaushalts für ungültig erklärt. Demnach sind mehrere Einsparungen im Budget 2013 verfassungswidrig. Das Land muss nun nach neuen Wegen suchen, um die vereinbarten Sparvorgaben umzusetzen.

Das Budget des laufenden Jahres sieht massive Steuererhöhungen sowie Kürzungen bei Renten, Gehältern und Sozialleistungen vor. Die Richter urteilten, dass die Abschaffung des 14. Monatsgehalts für Staatsdiener und Rentner sowie Abgaben auf Arbeitslosenhilfe und Krankengeld nicht verfasssungskonform sind.

"Die Gesetze müssen mit der Verfassung übereinstimmen, nicht umgekehrt", sagte der vorsitzende Richter des Verfassungsgerichts, Joaquim Sousa Ribeiro.

Der vorsitzende Richter des portugiesischen Verfassungsgerichts, Joaquim Sousa Ribeiro

Hat Teile der Sparbeschlüsse kassiert: Der vorsitzende Richter des Verfassungsgerichts, Sousa Ribeiro.

Portugals Ministerpräsident Pedro Passos Coelho im Parlament in Lissabon

Muss jetzt nach neuen Wegen aus der Krise suchen: Portugals Ministerpräsident Passos Coelho.

Krisensitzung der Regierung

Das Urteil ist ein herber Schlag für die konservative Regierung von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho, die mit dem Haushalt Sparvorgaben von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds (IWF) umsetzte - und dafür im Gegenzug Milliardenhilfen erhielt. Der Regierungschef rief sein Kabinett für diesen Samstag zu einer Krisensitzung zusammen.

Die Verfassungsrichter hatten auch im vergangenen Jahr im Budget 2012 mehrere Einsparungen für diskriminierend und daher verfassungswidrig erklärt. Die Regierung beschloss daraufhin im nächsten Haushalt noch drastischere Einsparungen.

Auch Präsident gegen Sparhaushalt

Gegen die Sparbeschlüsse hatten nicht nur die Linksparteien der Opposition geklagt, sondern auch Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva, der derselben konservativ-liberalen Partei PSD angehört wie der Regierungschef. Der Staatschef hatte seine Klage damit begründet, dass der Haushalt "berechtigte Zweifel an der Gerechtigkeit bei der Verteilung der Opfer" wecke.

Das überschuldete Portugal hatte im Mai 2011 von der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und IWF die Zusage für einen Kredit in Höhe von 78 Milliarden Euro erhalten. Im Gegenzug verpflichtete sich die damalige Regierung unter Führung der Sozialistischen Partei zu einem strikten Sparkurs und Privatisierungsmaßnahmen. Mittlerweile lehnen die Sozialisten das Sparpaket im Gegensatz zur konservativen Regierung aber ab.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. April 2013 um 11:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
pauline_8 06.04.2013 • 07:41 Uhr

Wenn die Gehälter in Portugal so niedrig sind

und die >Preise wie bei uns hier sein sollen, stelllt sich die Frage, wo sind die HIlfen der EU verblieben und wo gibt der Staat sein Geld aus? Bei uns weiß man doch auch, daß man die Steuern fast halbieren könnte, wenn wir nicht einen so großen Sozialhaushalt hätten. Von diesem Haushalt kann man nur profitieren, wenn man seine Lebensumstände entsprechend gestaltet hat. Wer plötzlich arbeitslos wird, und nicht darauf vorbereitet ist, bekommt nichts bis er seine Ersparnisse aufgebraucht hat. So sozial sind wir schon, daß wir nur denen geben, die wirklich bedürftig sind.