Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf | Bildquelle: dpa

Neuer Gesamtmetall-Chef Wolf Vom Manager zum Diplomaten

Stand: 26.11.2020 16:57 Uhr

Als Jugendlicher wollte er Diplomat werden, doch dann schlug er eine Manager-Karriere ein. Als neuer Gesamtmetall-Präsident wird Stefan Wolf nun auch diplomatisches Geschick brauchen.

Von Lutz Heyser, SWR

Diplomat wollte er ursprünglich mal werden - als Jugendlicher: der schwäbische Unternehmer Stefan Wolf. Diesen Berufswunsch habe er dann aber doch recht schnell hinter sich gelassen, sagt er heute. "Ich hatte mir mit 14 überlegt: Ich mache eine Banklehre, studiere Jura, und dann wollte ich eigentlich zum Auswärtigen Dienst, also zum Auswärtigen Amt, und habe dann mein Referendariat drei Monate bei der Botschaft in Madrid gemacht. Danach war das Thema erledigt, weil ich gemerkt habe, dass man da relativ wenig gestalten kann."

"Einer, der die Dinge vorantreibt"

Stattdessen wurde Wolf zunächst Anwalt, später Manager. Seine Karriere beim mittelständischen Automobilzulieferer Elring-Klinger in Dettingen an der Erms bei Stuttgart verlief steil. Der Betrieb ist Weltmarktführer bei Zylinderkopfdichtungen und damit ein klassischer "Hidden Champion".

Seit 2006 ist Wolf dort der Chef. "Ich bin ja einer, der immer gerne Dinge vorantreibt und Dinge voranbringt und auch gestaltet", sagt er. "Dann hat sich die Chance bei Elring-Klinger aufgetan, und das war damals der absolut richtige Weg."

Nebenbei übernahm Wolf immer wieder Ehrenämter. Zunächst den Vorsitz von Südwestmetall in Baden-Württemberg: Damit wurde er oberster Verhandlungsführer der Arbeitgeber in so manch schwierigem Tarifstreit in der Metallindustrie im Südwesten. Dass er diesen Job gut mache, bescheinigt ihm selbst die Gewerkschaft.

Baden-Württembergs IG-Metall-Chef Roman Zitzelsberger sagt, er schätze an Wolf, "dass er unkonventionelle Ideen hat, dass man da auch mal ein paar Verrücktheiten diskutieren kann. Dass er sich sozusagen auch mal über den Tag hinaus ein paar Gedanken machen kann." Als Verhandlungspartner, sagt Zitzelsberger, werde Wolf ihm "auf jeden Fall fehlen".

Nun also doch noch Diplomatie

Mit 59 Jahren wird Wolf nun also doch noch so etwas wie ein Chefdiplomat - als Präsident der Arbeitgebervereinigung Gesamtmetall. Er verstehe es als sehr politisches Amt: "Ich glaube, hier gibt es doch viele Dinge, die wir ansprechen müssen, die wir beeinflussen müssen und die wir verändern müssen." Die Metallindustrie brauche wieder mehr Flexibilität, mehr Freiheit, mehr Gestaltungsmöglichkeiten für die Unternehmen. "Wir müssen uns über das Thema sichere Altersversorgung unterhalten, wie wir das hinbekommen. Wir brauchen einen gesamtgesellschaftlichen Konsens auch in Bezug auf die Entlohnung, weil in unserer Branche die Löhne natürlich viel höher sind als in anderen Bereichen." Diese gesellschaftlichen Themen anzusprechen und bestehende Probleme so zu lösen, "dass wir gemeinsam in eine gute Zukunft in Deutschland gehen" - das ist Wolfs erklärtes Ziel.

Die gesamte deutsche Metall- und Elektroindustrie hat er ab sofort im Blick. Das ist seine Aufgabe als Gesamtmetall-Präsident: 25.000 Mitgliedsbetriebe - von A wie Audi bis Z wie Zeiss, und natürlich sind alle Großen der Branche mit dabei: Volkwagen in Wolfsburg, Daimler in Stuttgart, Siemens in München, Ford in Köln. Insgesamt vier Millionen Beschäftigte.

Einfach wird der neue Job nicht, das weiß Wolf. Die Branche ist im Umbruch, Transformation und Stellenabbau, mancher Betrieb stand ohnehin schon auf der Kippe. Dann kam Corona. Und die nächste Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie steht auch noch bevor.

Wie befreit für den neuen Job

Und das Private? Das bleibe auf der Strecke, aber so sei das eben, wenn einem der Job so viel Spaß mache, sagt Wolf. Nur ein einziges Mal hat er mit seinem Privatleben für Schlagzeilen gesorgt. Im Frühjahr machte er seine Beziehung zu dem US-amerikanischen Sänger und Musical-Star Kevin Tarte bekannt. Bekennend schwul als Spitzenmann in der deutschen Wirtschaft: Das ist immer noch eine Ausnahme. Bereut habe er sein Coming Out aber nicht: "Ich habe sehr viele positive Reaktionen erhalten, und aufgrund der vielen positiven Reaktionen muss ich sagen, war es natürlich absolut richtig, das zu tun, und ich kann es jedem anderen nur empfehlen."

Wie befreit - und damit mit viel Elan und Engagement bereit für neuen Aufgaben - erleben ihn seitdem die, die Wolf schon länger kennen. "Stimmt auf den Punkt!", bestätigt der neue Gesamtmetall-Präsident.

Portrait des designierten Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf
Lutz Heyser, SWR
25.11.2020 15:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. November 2020 um 18:00 Uhr.

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