E-Modelle von Porsche auf einer Automesse | picture alliance / ZUMAPRESS.com

Am 29. September Startdatum für Porsche-Börsengang

Stand: 19.09.2022 08:50 Uhr

Porsche will Ende September an die Börse. Der Sportwagenhersteller aus Stuttgart könnte dann auf einen Börsenwert von bis zu 75 Milliarden Euro kommen.

Die Porsche AG hat am Sonntagabend Details zu ihrem geplanten Börsengang bekanntgegeben. Am 29. September will der Sportwagenbauer aus Stuttgart an die Börse gehen. Dabei wird ein Börsenwert zwischen 70 und 75 Milliarden Euro anvisiert. Der bisherige alleinige Porsche-Eigentümer Volkswagen legte die Preisspanne für die stimmrechtslosen Porsche-Vorzugsaktien auf 76,50 bis 82,50 Euro fest.

Innerhalb der Preisspanne wäre Porsche der größte Börsengang in Deutschland seit mehr als 25 Jahren. 1996 hatte die Deutsche Telekom nach Daten des Finanzdienstleisters Refinitiv umgerechnet 9,65 Milliarden Euro erlöst.

Luxusautohersteller weniger konjunkturempfindlich

Die Bewertung der Porsche AG liegt in der oberen Hälfte der von Investmentbankern im Vorfeld genannten Spanne von 60 bis 80 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Volkswagen wurde zum Freitagsschlusskurs an der Börse mit gut 87 Milliarden Euro bewertet. Allein der nach einem erfolgreichen Börsengang beim Wolfsburger Konzern verbleibende Porsche-Anteil von 75 Prozent macht fast zwei Drittel davon aus.

Das ist auch das Kalkül hinter dem Börsengang: Luxusautohersteller wie Porsche oder Ferrari werden an der Börse im Verhältnis zu ihren Gewinnen deutlich höher bewertet als Massenhersteller wie Volkswagen, auch weil sie deutlich weniger konjunkturempfindlich sind.

Morgen soll die Zeichnungsfrist beginnen. Sie geht bis einen Tag vor dem Börsengang, sofern die Finanzaufsicht Bafin den Wertpapierprospekt genehmigt. Auch Privatanleger in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Italien und Spanien sollen einen Teil der Porsche-Vorzüge erwerben können.

Einnahmen von bis zu 9,4 Milliarden Euro für VW

Geplant ist die Ausgabe von knapp 114 Millionen Aktien. Darin enthalten sind fast 15 Millionen Papiere für eine mögliche Mehrzuteilung, wie der Mutterkonzern VW weiter mitteilte. Sollte alles laufen wie vorgesehen und sich der tatsächliche Angebotspreis in dem genannten Bereich einpendeln, könnte VW mit dem Börsengang 8,7 bis 9,4 Milliarden Euro einnehmen. Der von den Familien Porsche und Piech beherrschte VW-Großaktionär Porsche SE kauft Stammaktien für weitere 9,4 bis 10,1 Milliarden Euro.

Volkswagen, Europas größte Autogruppe, will zusätzliche Geldquellen anzapfen. Die VW AG plant aus den Einnahmen weitere Milliarden-Investitionen in Elektromobilität und Digitales. Zudem hofft sie selbst, für Anleger attraktiver zu werden.

49 Prozent des Gesamterlöses sollen an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Rechnerisch ergibt sich daraus eine Sonderdividende von rund 18 Euro je Stamm- und Vorzugsaktie. Beschlossen werden soll sie auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Dezember. Davon profitieren würde unter anderem das Land Niedersachsen.

Die Belegschaften sollen aber ebenfalls profitieren. Der VW-Betriebsrat hob den vereinbarten Bonus von 2000 Euro für jeden Beschäftigten im Haustarif und in Sachsen hervor.

Vorzugsanteile vor allem für Großanleger

Die meisten Vorzugsanteile dürften dabei nicht an kleine, sondern an institutionelle Großanleger gehen. So will sich laut VW Katar mit knapp fünf Prozent eindecken. Das Golf-Emirat ist schon drittwichtigster Aktionär des Gesamtkonzerns. Ein weiterer Ankerinvestor des Porsche-Börsengangs ist der norwegische Staatsfonds, in dem die Zentralbank in Oslo die Einnahmen aus den Öl- und Gasvorkommen des Landes verwaltet und für künftige Generationen mehren will. Daneben steigen die US-Fondsgesellschaft T. Rowe Price und die staatliche Investmentgesellschaft ADQ aus Abu Dhabi bei den Stuttgartern ein.

Die Schwaben sind in der Wolfsburger Mehrmarken-Gruppe eine Renditeperle. Porsche-Chef Oliver Blume führt seit Anfang September nach dem Ausscheiden von Herbert Diess auch den VW-Konzernvorstand. Kritik an der Doppelfunktion wies das Unternehmen mit Verweis auf seine Transparenz- und Abstimmungsregeln zurück. Diese sollen ausreichen, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Ähnliches gelte für VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, der ebenso die PSE leitet.

Interessen der VW-Großeigner

Zumindest indirekt spielen bei einem der größten Börsengänge in Deutschland jedoch auch die Interessen der VW-Großeigner eine Rolle. Dem Porsche/Piëch-Clan wird nachgesagt, wieder mehr direkten Zugriff auf den Sportwagenhersteller mit seinem Namen gewinnen zu wollen. 2008/2009 hatte Volkswagen eine Übernahmeattacke des damaligen Porsche-Managements abwehren können. Die Niedersachsen drehten am Ende den Spieß um und schluckten ihrerseits die profitable Tochter. Beide Familien bekamen im Gegenzug die Mehrheit an dem Autoriesen.

Dass die Notierung kurzfristig doch noch abgeblasen werden könnte, erscheint nun zunehmend unwahrscheinlich. Dem Vernehmen nach gibt es aber eine Mindest-Bewertungsschwelle, die Volkswagen auf jeden Fall erreichen will. Überdies bestehen weiter Gefahren für die Autoindustrie - neue Lieferkettenprobleme, der Fortgang des Ukraine-Krieges, die Inflation der Energiepreise und das Ende der Niedrigzinsphase sind nur einige.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 19. September 2022 um 14:13 Uhr.