Hand hält Smartphone mit Kryptowährungtradingapp vor Monitor | picture alliance / Zoonar

Betrüger nutzen Bitcoin-Höhenflug Die Kryptogeld-Falle

Stand: 17.03.2021 14:51 Uhr

Der Höhenflug der Kryptowährungen zieht auch Betrüger an. Angeblich werben Prominente wie Günther Jauch für Bitcoin-Anlagen - doch tatsächlich stehen dahinter dubiose Anbieter, wie Plusminus-Recherchen zeigen. 

Von Julian Herbst, HR

Im Internet gibt es zahlreiche Artikel, in denen Prominente vermeintlich die Geheimnisse ihres Reichtums auf bekannten Nachrichtenportalen ausplaudern: "Wer wird Millionär?"-Moderator Günther Jauch, "Deutschland sucht den Superstar"-Juror Dieter Bohlen beim "Spiegel", "Heute Show"-Moderator Oliver Welke beim ZDF, Sängerin Yvonne Catterfeld im "Morgenmagazin" oder Thomas Gottschalk bei "Markus Lanz". Auch häufig zu finden: die "Bild" und die Gründer-Show "Die Höhle der Löwen".

Diese Artikel werden über Google-Anzeigen, in sozialen Medien oder auch auf seriösen Nachrichtenportalen verbreitet und wirken täuschend echt, wie Andre Wolf vom Verein Mimikama erklärt, der über Internetmissbrauch aufklären will. Sie seien pseudo-redaktionell und wirkten komplett so, als ob ein Journalist oder eine Journalistin sie aufbereitet hätte. "Die sind wirklich 1:1 nachgebaut. Ich habe optisch kaum eine Chance zu erkennen, dass ich mich auf falschem Terrain befinde", erklärt Wolf. 

Trading-Plattform als reine Computersimulation

Die Artikel versprechen schnellen Reichtum mit Bitcoin-Handel. Wer die gut gemachten Fakes nicht als solche erkennt und neugierig den Links folgt, der landet bei Angeboten wie "Bitcoin Code". Wer dort seine Daten angibt, wird sofort kontaktiert. Plusminus wurde in einer Stunde von sechs angeblichen Handelsplattformen aus vier Ländern angerufen. Alle versprechen sie schnellen Reichtum. Vollautomatisiert und ohne Risiko, wie mehrere Callcenter-Mitarbeiter Plusminus am Telefon versicherten. 

Doch solche Anbieter seien zu weit mehr als 90 Prozent unseriös, wie Rechtsanwalt Patrick Wilson von der Kanzlei Herfurtner betont. Die Kanzlei vertritt Opfer solcher Krypto-Trading-Plattformen. Mit Hunderten solcher Angebote habe die Kanzlei zu tun. "Das Geld, das dort von den Geschädigten eingezahlt wird, wird sicherlich von den Betrügern direkt in die eigene Tasche gesteckt, und dieser ganze Handel wird einem nur vorgetäuscht", sagt Wilson. "Es handelt sich also bei diesen Trading-Plattformen um reine Computersimulationen." 

Plusminus-Sendungsbild Bitcoin

Vorsicht Falle! Pseudo-Artikel mit Prominenten versprechen das schnelle Geld.

Steuern und Gebühren statt Gewinne

Diese Simulationen zeigen stetig wachsende Kontostände. Dazu kommen gut geschulte Anrufer, die viele Geschädigte überzeugen, immer mehr zu investieren. So ging es auch vielen Mandantinnen und Mandanten von Rechtsanwalt Wilson. Einer von ihnen berichtete Plusminus von seinen Erfahrungen, er will aber anonym bleiben. "Ich habe mit kleinen Beträgen angefangen. Es sah auch alles seriös aus. Und mein Kontostand ist immer weiter gewachsen." Er ließ sich am Telefon überzeugen und investierte rund 40.000 Euro.  

Doch als er sich den beeindruckenden Gewinn auszahlen lassen wollte, begannen die Probleme. Denn sein Anbieter, "McGregor Trade", verlangte vorab Gebühren und Steuern, viele tausend Euro. Dieses Vorgehen kennt Anwalt Wilson gut. Es handele sich dabei nur eine um Masche, um weiteres Geld einzusammeln. Auch die Mandanten, die solche Gebühren bezahlten, hätten ihr Geld nicht zurückbekommen. 

Die Betreiber solcher Plattformen sind schwer zu finden. Das Geschäft funktioniert international. Nach Recherchen von Plusminus verlieren sich die Spuren oft in verschwiegenen Steuerparadiesen. "McGregor Trade" ist dafür ein gutes Beispiel. Der offizielle Firmensitz befindet sich am Flughafen des Majuro-Atolls der Marshallinseln, mitten im pazifischen Ozean. An einer Adresse, an der mindestens 172 Offshore-Firmen ihren Sitz haben, die 2017 in den sogenannten Paradise Papers aufgetaucht sind.  

Chiffre für den schnellen Reichtum

Das Geschäft der betrügerischen Anbieter boomt, seit die Kryptowährungen durch die Decke gehen. Der Wert eines Bitcoins hat sich innerhalb eines Jahres von etwa 5000 auf mehr als 50.000 Euro verzehnfacht. Das ziehe Betrüger geradezu magisch an, sagt Andreas Hackethal vom Leibniz Institut SAFE der Goethe-Universität Frankfurt. Bitcoin sei eine Chiffre dafür geworden, dass Menschen schnell und ohne Arbeit reich geworden seien. "Wir müssen aber unterscheiden zwischen dem Markt für Bitcoins und solchen Anbietern, die sagen, ich helfe Ihnen, auf dem Markt Geld zu verdienen", so Hackethal. 

Diese Anbieter arbeiten hochprofessionell, sichern ihre Masche doppelt ab. Denn wer Angebote wie "Bitcoin Code" bei Google sucht, der findet zahlreiche auf den ersten Blick neutrale Testberichte, die die Anbieter seriös erscheinen lassen. Man muss schon genauer hinschauen um zu erkennen, dass das angebliche "Genie hinter Bitcoin Code" mal Steve McKay und Mal Sven Hegel heißt und in Wirklichkeit wahrscheinlich gar nicht existiert. 

Die Altersversorgung aufs Spiel gesetzt?

Auch Günther Jauch musste erfahren, wie gut gemacht diese Fake-Artikel sind: "Freunde oder gute Bekannte schreiben mir, weil sie das für bare Münze nehmen und sagen: Wie kannst Du dich für Bitcoin hergeben? Was ist denn das für merkwürdige Werbung, mit der Du da zu tun hast?" Regelmäßig wird er von Menschen angeschrieben, die seinem vermeintlichen Rat vertraut, Geld investiert und verloren haben. "Ich weiß von vielen, vielen Menschen, die mir geschrieben haben und die hunderte, tausende, zum Teil zigtausende Euro verloren haben, Ihre ganze Altersversorgung aufs Spiel gesetzt haben und auf diese Bitcoin-Anzeigen reingefallen sind", sagte Jauch Plusminus. "Und das ist wirklich schon sehr sehr bitter."   

Über dieses Thema berichtet die Sendung Plusminus am 17. März 2021 um 21.45 Uhr. 

Über dieses Thema berichtete Plusminus im Ersten am 17. März 2021 um 21:45 Uhr.

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