In Plastik verpackte Tomaten in einem Kühlschrank | Bildquelle: dpa

Gipfel gegen Plastikmüll Die Industrie hängt an der Verpackung

Stand: 27.02.2019 02:08 Uhr

Verpackungen sollen weniger und umweltfreundlicher werden. Das ist das Ziel von Umweltministerin Schulze. Sie empfängt deshalb heute Vertreter von Handel und Industrie. Doch die hängen an den Verpackungen.

Von Peter Sonnenberg, SWR

In der Schlange an der Wursttheke hantieren ein paar Kunden mit Frischhalteboxen, die sie von zu Hause mitgebracht haben. Als sie dran sind, stellen sie ihre Box auf ein Tablett, das ihnen die Wurstfachverkäufer über die Theke halten. Ohne die Box anzufassen - darauf kommt es an - legen die Verkäufer die Wurstbestellungen der Kunden in deren Behälter.

"Damit sparen wir Plastiktüten und beschichtetes Papier", sagt Rolf Lange, Unternehmenssprecher von Edeka. Die genossenschaftlich organisierte Supermarktkette wird auch an Svenja Schulzes Rundem Tisch Platz nehmen. Aber Rolf Lange ist nicht begeistert, dass die Umweltministerin in ihrer Einladung vor allem vom Handel spricht, den sie bei der Müllvermeidung in die Pflicht nehmen wolle.

"Der Handel kann nicht alles retten", so der Edeka-Sprecher. "75 Prozent aller Artikel in unserem Regal kommen von der Markenartikelindustrie und die ist genauso gefordert, an die Reduzierung von Plastikverpackungen zu denken, wie der Handel."

Kunden an einer Wursttheke in einer Edeka-Filiale
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In dieser Edeka-Filiale können Kunden mit eigenen Boxen an die Wursttheke kommen. Aus Gründen der Hygiene dürfen die Verkäufer die Box aber nicht anfassen.

"Gut - auch unter ökologischer Betrachtung"

Für die Markenartikelhersteller sind ihre Verpackungen mehr als nur Behälter fürs Produkt. Sie sind das Gesicht des Produktes, ein Teil des Marketings, und bringen den Wiedererkennungswert, heißt es bei Procter & Gamble, einem der großen Hersteller von Kosmetikprodukten und Wasch- und Reinigungsmitteln. Verzichten möchte die Industrie deshalb nicht auf Verpackungen. Und auch der Wechsel von Plastik zur Alternative Papier und Pappe ist nur teilweise gewünscht.

In vielen Bereichen sei Kunststoff ein gutes Material "mit guten Eigenschaften - auch unter ökologischer Betrachtung", sagte Gabriele Hässig, Geschäftsführerin Kommunikation und Nachhaltigkeit bei Procter & Gamble. Wichtig sei, dass es geschlossene Kreislaufsysteme gebe. "Unser Programm fußt auf den drei Pfeilern: Reduzieren, Recycling ermöglichen und Rezyklat verwenden" - also Verpackungen aus teilweise recyceltem Plastik.

Gelbe Säcke mit Verpackungsmüll | Bildquelle: dpa
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Gelbe Säcke mit Verpackungsmüll. Die Industrie sieht darin auch einen Rostoff.

Sowohl in der Industrie als auch im Handel wird betont, dass man bereits erfolgreich an freiwilligen Konzepten zur Plastikvermeidung arbeite. Plastik durch andere Stoffe zu ersetzen, ist aber beispielsweise für den Lebensmittelriesen Nestlé nur eine Teillösung.

"Wir müssen auch als Branche dafür sorgen, dass Verpackungen nicht in der Umwelt landen", sagt Achim Drewes von Nestlé Deutschland. Besseres Recycling spiele dabei eine zentrale Rolle. "Gebrauchte Verpackungen sind ein wertvoller Rohstoff. Wir müssen die Systeme also weiter verbessern, damit Kunststoffe effektiv im Kreislauf genutzt werden." Nestlé arbeite aber auch an alternativen Verpackungen - etwa aus Papier oder Glas.

Ende der "halbleeren Mogelverpackungen" gefordert

Umweltverbänden oder auch den Verbraucherzentralen geht es aber nicht nur um Plastik. Gerade auch Papier und Pappe seien wertvolle Rohstoffe, die gewissenhaft eingesetzt werden müssten. Von den 18 Millionen Tonnen Verpackungen seien schon jetzt acht Millionen Tonnen aus Papier oder Pappe, sagt Elke Salzmann von der Verbraucherzentrale Bundesverband. "Und nicht das gesamte Holz, das dafür benötigt wird, wird wieder aufgeforstet. Deshalb erwarten wir, dass auch Verpackungen aus Papier und Pappe reduziert werden."

Salzmann fordert zudem, "halbleere Mogelverpackungen" abzuschaffen und die Mehrwegquote bei Getränkeverpackungen auf 70 Prozent zu erhöhen. "Für all das müssen verbindliche Reduktionsziele festgesetzt werden. Ohne feste Zeitvorgaben für Industrie und Handel, bis wann diese Ziele erreicht sein müssen, können wir die Müllberge nicht kleiner machen."

Bundesumweltministerin Schulze, Handel und Industrie beraten über Vermeidung von Plastikmüll
tagesschau 12:00 Uhr, 27.02.2019, Stephan Ebmayer, SWR

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Unterschiedliche regionale Hygienevorschriften

Ohne Verbindlichkeit blieben viele gute Ideen Insellösungen, so die Verbraucherschützerin. Die Verbraucher könnten noch viel zu selten selbst entscheiden, wie viel Verpackung sie kauften. Auf Kundenseite sei die Bereitschaft zur Müllvermeidung da, doch die Angebote fehlten.

Die Wursttheke vom Anfang ist das beste Beispiel: So schön die Idee von der mitgebrachten Frischebox auch klingt, das funktioniert noch nicht in ganz Deutschland. Unterschiedliche regionale Hygienevorschriften lassen auch diese Idee zu einer Insellösung werden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. Februar 2019 um 06:45 Uhr.

Korrespondent

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Peter Sonnenberg, SWR

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