Bernd Pischetsrieder | picture alliance / Sven Simon

Früherer VW- und BMW-Chef Pischetsrieder soll Daimler kontrollieren

Stand: 03.12.2020 12:40 Uhr

Erst war er Vorstandschef bei BMW, dann bei Volkswagen: Ab Ende März des kommenden Jahres wird Bernd Pischetsrieder den Aufsichtsrat bei Daimler anführen. Das gesamte 20-köpfige Gremium steht vor Veränderungen.

Der aktuelle Aufsichtsrat nominierte den 72-Jährigen heute als Nachfolger von Manfred Bischoff, der mit der Hauptversammlung 2021 aus dem Aufsichtsrat ausscheidet, wie Daimler mitteilte.

Pischetsrieder hat bereits eine lange und außergewöhnlich erfolgreiche Karriere auf den Spitzenposten der Autobranche hinter sich: Von 1993 bis zum Jahr 2000 war der Topmanager Vorstandschef bei BMW. Im Jahr 2000 wechselte er in den Vorstand des Konkurrenten Volkswagen, den er schließlich als Nachfolger von Ferdinand Piëch von 2002 bis 2006 anführte. Differenzen mit dem im vergangenen Jahr verstorbenen VW-Patriarchen sollen zu seiner Ablösung geführt haben.

"Pischetsrieder ist einer der international anerkanntesten Automobilexperten", sagte Bischoff über seinen Nachfolger. Pischetsrieder ist indes nicht nur für seine Expertise in der Autobranche bekannt. Bis zum Jahr 2019 leitete er auch den Aufsichtsrat des Rückversicherers und Dax-Konzerns Münchener Rück. Sein Nachfolger dort war der ehemalige MüRü-Vorstandsvorsitzende Nikolaus von Bomhard.

Daimler-Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Bischoff | picture alliance / dpa

Steht vor dem Abschied: Daimler-Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Bischoff Bild: picture alliance / dpa

Zetsche ist es nicht geworden

Ein ähnliches Modell stand auch bei Daimler eine Zeitlang zur Diskussion: Eigentlich war der frühere Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche für den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden vorgesehen. Er hatte aber im September nach wachsender Kritik von Investoren an seiner Bilanz in Diensten des Oberklasse-Herstellers verzichtet.

Für den Posten bei Daimler war auch der scheidende Siemens-Chef Joe Kaeser als aussichtsreicher Kandidat gehandelt worden, der ebenfalls im Aufsichtsrat sitzt.Weitere bekannte Namen im Daimler-Gremium sind unter anderem der aktuelle Telekom-Vorstandschef Timotheus Höttges sowie Clemens Börsig, ehemals Chef des Aufsichtsrats der Deutschen Bank.

Dieter Zetsche | picture alliance / dpa | Peter Steffen

Dieter Zetsche: Wollte einst dort hin, wo Pischetsrieder jetzt ist Bild: picture alliance / dpa | Peter Steffen

Pischetsrieder eine Übergangslösung?

Pischetsrieder dürfte eine Übergangslösung sein. Er gehört dem Aufsichtsgremium von Daimler seit 2014 an, sein Mandat läuft noch bis 2024. Dann ist er für eine Wiederwahl für eine weitere volle Amtszeit eigentlich zu alt. Die Geschäftsordnung sieht für die Wahl in den Daimler-Aufsichtsrat "in der Regel" eine Altersgrenze von 72 Jahren vor. Pischetsrieder wäre dann schon 76. Eventuell wäre spätestens dann der Moment für einen Generationenwechsel gekommen.

Ein Sprecher betonte, bei der Regel handle es sich um eine "Kann-Bestimmung", auch Bischoff sei bei seiner letzten Wahl schon älter gewesen. Er steht seit 2007 an der Spitze des Aufsichtsrats.

Ola Källenius bei der Eröffnung der Daimler Factory 56 | picture alliance/Silas Stein/dpa

Daimler-Boss Ola Källenius wird künftig enger mit Pischetsrieder zusammenarbeiten Bild: picture alliance/Silas Stein/dpa

Veränderungen im Aufsichtsrat

Bischoff erklärte, er schätze Pischetsrieder menschlich und fachlich sehr: "Er hat die Entscheidungen, den Konzern zu digitalisieren und das Produktportfolio zu elektrifizieren und damit neu auszurichten, intensiv begleitet."

Nach der Daimler-Hauptversammlung am 31. März 2021 sollen drei neue Mitglieder in den Aufsichtsrat einziehen: Die frühere Nestlé-Managerin Petraea Heynike und BASF-Aufsichtsratschef Jürgen Hambrecht scheiden gemeinsam mit Bischoff aus. Gewählt werden sollen dann die Cisco-Managerin Elizabeth Centoni, Shell-Chef Ben van Beurden und BASF-Vorstandschef Martin Brudermüller.

ts

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. Dezember 2020 um 16:00 Uhr.