Zu einem Nachtflug startende Maschine auf dem Flughafen Frankfurt am Main

Neue Dienstzeiten für Piloten Nachts maximal elf Stunden in der Luft

Stand: 09.10.2013 16:50 Uhr

Das EU-Parlament hat kürzeren Nachtflugzeiten für Piloten in der EU zugestimmt. Zwar hatten sich einige Wissenschaftler und Gewerkschaften für ein Limit von zehn Stunden ausgesprochen. Am Ende setzte sich aber der Vorschlag der EU-Kommission durch.

Von Martin Bohne, MDR-Hörfunkstudio Brüssel

Kurz vor 12 Uhr blickte Nico Voorbach, der Präsident der Europäischen Cockpit-Vereinigung, gespannt auf die große Tafel im Europäischen Parlament, auf der die Abstimmungsergebnisse angezeigt werden - so wie etliche seiner Gewerkschaftsfreunde, die in Straßburg in letzter Minute noch möglichst viele Parlamentarier vor der neuen EU-Verordnung zu den Pilotenarbeitszeiten warnen wollten.

Aber vergebens: 387 Parlamentarier gaben grünes Licht für die von der EU-Kommission vorgeschlagene Verordnung. Nur 218 stimmten für die Ablehnung. "Ich bin enttäuscht, weil Sicherheit nicht die Priorität des Parlaments ist", sagt Voorbach.

EU-Parlament zu Arbeitszeiten von Piloten
M. Bohne, ARD Brüssel
09.10.2013 15:35 Uhr

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Kritik nicht nur von der Gewerkschaft

Cockpit und Co wollten vor allem verhindern, dass für Piloten in Europa künftig eine maximale Nachtflugzeit von elf Stunden gilt. Auch fünf von der Europäischen Luftsicherheitsbehörde EASA beauftragte Wissenschaftler hatten eine maximale Flugzeit von zehn Stunden empfohlen.

Vor allem Parlamentarier von Grünen und Linken wollten daher den Verordnungsentwurf kippen: "Wenn Wissenschaftler unisono sagen, dass es ab zehn Stunden gefährlich wird, verstehe ich nicht, wie man als Abgeordneter sagen kann, 'der Kommissar will eine Stunde mehr - kriegt er'", sagt Knut Fleckenstein von der SPD.

Piloten im Cockpit eines A380
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Piloten im Cockpit eines A380: Das EU-Parlament hat kürzeren Nachtflugzeiten zugestimmt.

Der Grünen-Verkehrsexperte Michael Cramer sieht das Parlament nun gar im Blindflug - und der EU-Kommission wirft er vor, sich den Interessen der Airlines gebeugt zu haben. Die wollten nämlich die zehn Stunden verhindern, weil sie dann bei manchen Langstreckenflügen einen Piloten mehr gebraucht hätten - obwohl das nach Cramers Rechnung die Ticketpreise nur um 1,50 Euro verteuern würde.

"Ich kenne niemanden, der nicht lieber 1,50 Euro mehr zahlt, als elf Stunden zittert, ob beide Piloten einschlafen. Das passierte in Buffalo 2009 mit 50 Toten und in Großbritannien im August dieses Jahres. Die Kommission ist einseitig auf Seiten der Airlines und nicht auf Seiten der Sicherheit der Fluggäste", sagt der Grünen-Politiker.

Erstmals europaweite Standards

Dieter-Lebrecht Koch hat eine völlig andere Sicht auf die Dinge. Der Verkehrsexperte der CDU hält die neue Verordnung für einen beachtlichen Fortschritt. Erstmals werden europaweite Regeln für die Arbeitszeiten von Piloten und Kabinenpersonal eingeführt, und die bringen aus seiner Sicht in vielen Punkten eine Verbesserung gegenüber der derzeitigen Praxis.

Als Beispiel nennt er das Prinzip, dass die Ruhezeit der Piloten länger wird, wenn auch die Flugzeit länger wird. "Dass wir die Gesamtflugzeiten in einem Jahr von 1300 auf maximal 1000 Stunden reduziert haben", sei auch ein Erfolg.

Sogar bei den umstrittenen maximalen Nachtflugzeiten bringt die neue Verordnung mit elf Stunden eine Verbesserung. Denn zurzeit können Piloten nachts sogar bis zu elf Stunden und 45 Minuten eingesetzt werden. Auch das Argument der wissenschaftlichen Studien lässt der CDU-Verkehrsexperte nicht gelten. Insgesamt habe es 50 Expertisen gegeben - und von denen hätten lediglich fünf es für zu gefährlich gehalten, mehr als zehn Stunden zu fliegen.

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