Einem Probanden an der Universität von Maryland wird ein möglicher Corona-Impfstoff injiziert. (Archivbild) | Bildquelle: AP

Corona-Impfstoff Milliardenauftrag für Pfizer und Biontech

Stand: 22.07.2020 17:19 Uhr

Biontech aus Mainz und der US-Pharmariese Pfizer forschen gemeinsam an einem Corona-Impfstoff. Noch steht dieser nicht zur Verfügung, doch die US-Regierung hat sich bereits 100 Millionen Dosen gesichert, sollte es soweit sein.

Das Mainzer Biopharma-Unternehmen Biontech und der US-Konzern Pfizer sollen Hunderte Millionen Dosen eines möglichen Impfstoffs gegen das Coronavirus an die USA liefern. Beide Unternehmen gaben eine entsprechende Vereinbarung mit den US-Behörden bekannt.

"Dieses Abkommen ist einer von vielen Schritten, um bei einer Impfstoffzulassung einen globalen Zugang zu ermöglichen", erklärte Biontech-Vorstandschef Ugur Sahin. "Wir befinden uns ebenfalls in fortgeschrittenen Gesprächen mit zahlreichen anderen Regierungen und hoffen, bald weitere Lieferabkommen bekannt geben zu können." Ziel sei es, vielen Menschen auf der ganzen Welt so schnell wie möglich einen sicheren und wirksamen Covid-19-Impfstoff zur Verfügung zu stellen.

Lieferung von 500 Millionen weiteren Dosen möglich

Der Vertrag greift laut Unternehmen bei einer "Genehmigung oder Zulassung" des Impfstoffkandidaten BNT162 durch die US-Arzneimittelbehörde FDA. Noch steht allerdings kein Impfstoff zur Verfügung: Die Impfstoffkandidaten der beiden Unternehmen befinden sich derzeit in der klinischen Entwicklung und sind in keinem Land der Welt für den Gebrauch zugelassen.

Sobald sie aber erfolgreich produziert werden und die entsprechende Notfallgenehmigung vorliegt, sollten die Vereinigten Staaten zunächst 100 Millionen Impfstoffdosen erhalten, hieß es. Nach deren Lieferung zahle die US-Regierung 1,95 Milliarden US-Dollar (rund 1,68 Milliarden Euro). Später habe die US-Regierung die Möglichkeit, bis zu 500 Millionen weitere Dosen zu erwerben.

Die beiden Unternehmen wollen noch im Oktober das Zulassungsverfahren beginnen, falls erste Studien erfolgreich sind. Die erste Charge in die USA soll demnach voraussichtlich im vierten Quartal geliefert werden. Erst am Montag hatten Biontech und Pfizer bekannt gegeben, mit Großbritannien eine Liefervereinbarung geschlossen zu haben. Dabei geht es um 30 Millionen Impfstoffdosen.

"Ermutigende" erste Ergebnisse

Zu vier Impfstoffkandidaten von Biontech und Pfizer laufen derzeit in den USA und in Deutschland Studien der Phase I und II. Für zwei dieser Kandidaten genehmigte die US-Arzneimittelbehörde FDA kürzlich ein beschleunigtes Zulassungsverfahren. Erste Ergebnisse der bisherigen Studien in den USA legten Biontech und Pfizer schon offen und nannten sie "ermutigend", auch mehrere Experten hatten von positiven Ergebnissen gesprochen. Probanden - insgesamt waren es 45 gesunde Menschen im Alter von 18 bis 55 Jahren - hatten Antikörper gegen den Erreger Sars-CoV-2 entwickelt. Unklar ist aber noch, ob diese Antikörper tatsächlich vor einer Infektion schützen. Das sollen Tests mit bis zu 30.000 Probanden zeigen.

Weltweit wird unter Hochdruck an der Entwicklung von Impfstoffen gegen das neuartige Coronavirus geforscht, dabei werden viele verschiedene Ansätze verfolgt. Das Tempo ist dabei deutlich höher als bei anderen Impfstoffprojekten in der Vergangenheit. In Deutschland erlaubte das Paul-Ehrlich-Institut neben Biontech auch dem in Tübingen ansässigen Biotechunternehmen CureVac klinische Tests. Von der Genehmigung ist der fragliche Impfstoffkandidat dabei aber noch ein gutes Stück entfernt.

USA sichern sich Coronavirus-Impfstoff bei Pfizer und Biontech
Claudia Sarre, ARD Washington
22.07.2020 18:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Juli 2020 um 17:00 Uhr in den Nachrichten.

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