Zwei Pkw stehen hintereinander. | Bildquelle: dpa

Fragwürdige Autogeschäfte Vorsicht, Pfando!

Stand: 28.10.2020 18:00 Uhr

Das Unternehmen Pfando zahlt Kunden Geld für ihr Auto, und sie können es weiterfahren. Klingt gut - doch Recherchen zeigen: Das Pfando-Modell ist für Verbraucher teuer und rechtlich fragwürdig.

Von Philip Raillon, WDR

"Sofort Bargeld bekommen und mobil bleiben", verspricht die Pfando's Cash and Drive GmbH auf ihrer Homepage. Für Ex-Pfando-Kunde Julian Schmitz, der eigentlich anders heißt, klang das Pfando-Versprechen verlockend. Er brauchte vor einigen Jahren dringend Geld. Wie bei einem Pfandhaus sollte er Geld für sein Auto bekommen. Doch anders als dort, durfte er es bei Pfando weiterfahren. "Cash and Drive" nennt sich das Modell. Damit machte Pfando im Jahr 2018 über 22 Millionen Euro Umsatz. Heute hat Pfando bundesweit 25 Filialen.

Doch Schmitz fühlt sich von Pfando getäuscht. Sein Vorwurf: Er sei falsch beraten worden. Der Pfando-Mitarbeiter habe den Eindruck vermittelt, es handele sich um ein Darlehen. "Mir wurde gesagt, dass ich jederzeit die Möglichkeit habe, das Auto zurückzubekommen", erinnert er sich. Auch andere Pfando-Kunden berichten dem WDR von solchen Beratungsgesprächen.

Verkauf statt Verpfändung

Der Haken: In den Verträgen ist von Darlehen keine Rede. In den vom WDR recherchierten Fällen  haben die Kunden bei Pfando zwei Verträge unterschrieben. Erstens einen Kaufvertrag: In den vom WDR recherchierten Fällen bekommen sie von Pfando maximal die Hälfte des Fahrzeugwertes ausgezahlt. Die Kunden müssen den Zweitschlüssel und den Kfz-Brief abgeben. Das Eigentum am Auto geht auf Pfando über.

Um den Wagen weiterfahren zu können, müssen die Kunden parallel einen Mietvertrag abschließen. Dafür berechnet Pfando eine monatliche Miete in Höhe von knapp zehn Prozent des Kaufpreises. So zahlt der Kunde innerhalb eines halben Jahres mehr als die Hälfte des Kaufpreises wieder an Pfando zurück. Das Auto gehört aber weiterhin Pfando. Ein Rückkaufsrecht ist im Vertrag ausgeschlossen. Das sei in Beratungsgesprächen anders erklärt worden, berichten mehrere Pfando-Kunden.

Stichprobe bestätigt Falschberatung

Falschberatung? Plusminus machte eine Stichprobe in der Kölner Pfando-Filiale. Einem Testkunden erläuterte der Berater dort, er könne das Auto jederzeit zurückkaufen. Genau das ist aber in den Verträgen, die dem WDR vorliegen, ausgeschlossen.

Der WDR hat Pfando mit den Rechercheergebnissen konfrontiert. Pfando schreibt, man schule die Mitarbeiter quartalsweise durch hauseigene Juristen. Zur Frage, ob Kunden ein Rückkaufsrecht haben, antwortet das Unternehmen: "Durch die vertraglich geregelte Verwertung hat der Kunde eine Option, das Fahrzeug wieder zu erwerben, jedoch kein einseitiges Recht."

Also kein Rückkaufsrecht. Pfando kann daher den Rückverkauf verweigern. Dem Unternehmen bleibt aber nichts anderes übrig, als es so zu regeln, meint der Dortmunder Rechtsanwalt Kay Koeppen. Denn hätten die Kunden ein Rückkaufsrecht, würde Pfando eindeutig einen sogenannten Rückkaufhandel betreiben. Der ist aber verboten, um Verbraucher zu schützen.

Ex-Kunden beklagen: Versteigerungen ohne Mehrerlös

Statt eines Rückkaufsrechtes wird das Auto laut Pfando-Vertrag versteigert. Dafür holt Pfando die Fahrzeuge einfach ab, berichten einige Kunden. Dabei seien auch persönliche Sachen verschwunden, sagen sie. Auch Julian Schmitz‘ Auto habe Pfando mit dem Zweitschlüssel von seinem Grundstück gefahren, sagt er. Per E-Mail wurde er dann informiert, das Fahrzeug werde in Berlin versteigert. Doch das Bahn-Ticket sei für ihn zu teuer gewesen, Geld zum Mitbieten habe er auch nicht gehabt. Ob das Auto wirklich versteigert wurde und zu welchem Preis, erfuhr er nicht.

Dabei steht den Kunden laut Vertrag ein Mehrerlös zu. Allerdings ist der in keinem der Fälle, die dem WDR bekannt sind, geflossen. Plusminus hat bei mehreren Versteigerungen verdeckt recherchiert. Die liefen merkwürdig ab: Der einzige Bieter war jeweils ein Pfando-Mitarbeiter - der die Autos reihenweise zum Mindestgebot ersteigerte. Einen "Mehrerlös" gab es dort nicht.

Mit einer gewöhnlichen Versteigerung hätten diese Auktionen wenig zu tun, meint Dr. Ulf Lorenz, Präsident des Bundesverbandes deutscher Auktionatoren. Normalerweise lebten Versteigerungen vom Bieterwettbewerb - und der fand bei den von Plusminus besuchten sogenannten Versteigerungen nicht statt.

Wie soll es für den Kunden einen Mehrerlös geben, wenn Pfando alle Fahrzeuge zum Mindestgebot ersteigert? Pfando schreibt auf Anfrage: "Sollte ein Fahrzeug ohne Gebot bleiben, unabhängig des Grundes, wird es in der Regel dem Kunden zum Kauf angeboten. Einen eventuell zu erzielenden Mehrerlös könnte somit der Kunde selbst realisieren." Ein solcher Fall ist der Redaktion aber während zweijähriger Recherchen nicht untergekommen.

Viele Verbraucher klagen gegen Pfando

Dutzende Kunden haben bereits gegen Pfando geklagt. Auch Schmitz verlangt von Pfando jetzt sein Geld zurück. Miete und Wert des Autos - er fordert insgesamt eine Summe von über 17.000 Euro. Der Erfurter Rechtsanwalt Dr. Holger Schilling vertritt ihn und viele andere Pfando-Kunden. Für sie fordert er die Rückabwicklung der Verträge.

Das Argument: Pfando betreibe einen verbotenen Rückkaufhandel. Die Verträge verstießen faktisch gegen dieses Verbot, obwohl dort formal ein Rückkaufsrecht ausgeschlossen ist. Das meint auch Rechtsanwalt Kay Koeppen. Für ihn ist entscheidend, dass Pfando den Kunden das Auto entweder aus Kulanz zurückverkauft oder der Kunde an den Versteigerungen theoretisch mitbieten kann. "Der Verbraucher kann faktisch sein Auto immer zurückerlangen", sagt er. Und damit ließe sich ein Verbot des Geschäftsmodells begründen. Genauso sehen es immer mehr Gerichte. Als erstes Oberlandesgericht hat auch das OLG Frankfurt im Sommer so entschieden.

Aber um alle Kunden zu schützen, müssten die Behörden das Pfando-Modell untersagen. Das zuständige Berliner Ordnungsamt untersucht, ob Pfando einen verbotenen Rückkaufhandel betreibt. Dazu hatte es unter anderem einen Hinweis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bekommen.

Darstellung: