"Equal Pay Day" 23 Prozent - eine Zahl wie eingemeißelt

Stand: 18.03.2019 11:13 Uhr

Bis zum heutigen Tag müssen Frauen arbeiten, um auf das gleiche Gehalt zu kommen, das Männer bereits bis zum Jahresende verdient hatten. Seit Jahren beträgt der Unterschied 23 Prozent. In schöner Regelmäßigkeit wird dies am Equal Pay Day beklagt. An - erfolglosen - Initiativen mangelt es nicht.

Von Kerstin Lohse, RBB, ARD-Hauptstadtstudio

Frau am Arbetisplatz
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Gleiche Arbeit, ungleiche Bezahlung - daran hat sich seit Jahren kaum etwas geändert.

"Frauen verdienen in Deutschland im Durchschnitt 23 Prozent weniger als Männer", beklagte Ursula von der Leyen, die bis 2009 Familienministerin war. Und auch ihre Nachfolgerin Kristina Schröder verwies 2011 darauf, dass Frauen in Bezug auf den Bruttodurchschnittslohn nach wie vor 23 Prozent weniger verdienen als Männer.

Jedes Mal am Equal Pay Day thematisierten sie den Unterschied. Die Lohnlücke ist aber seitdem nicht geschrumpft.

"Wir haben heute die allerneuesten Zahlen auf dem Tisch. Man muss nicht überrascht sein, es hat sich überhaupt nichts verändert.", konstatierte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock dieser Tage.

Ein Gesetz gegen Diskriminierungselemente

Der Druck auf die Bundesregierung wächst. Der Deutsche Gewerkschaftsbund rief dazu auf, endlich aktiv zu werden. Unternehmen und Verwaltungen müssten gesetzlich verpflichtet werden, die Bezahlung ihrer Mitarbeiter systematisch zu überprüfen. Familienministerin Schröder vertrat bislang jedoch die Ansicht, so einfach lasse sich der Lohnunterschied nicht beseitigen. Dazu gebe es zu vielfältige Ursachen.

Auch die Opposition weiß, dass es viele Gründe für die Lohnlücke gibt. Dennoch fordert sie gesetzliche Vorgaben. Die Grünen hatten am Frauentag einen Antrag in den Bundestag eingebracht, der unter anderem Entgeltgleichheit fordert. Ansonsten werde sich an den Strukturen in der Wirtschaft nie etwas ändern, glaubt die Sprecherin für Frauenpolitik der Grünen, Monika Lazar: "Für Betriebe ab einer Grösse von zehn Beschäftigten muss es Pflicht sein, dass die Tarifverträge auf Diskriminierungselemente überprüft werden. Ansonsten greifen Sanktionen."

Warnung vor dem Bürokratiemonster

Die Sozialdemokraten gehen einen Schritt weiter. Nachdem heute der Bundestag über ihren Antrag zur Entgeltgleichheit berät, soll voraussichtlich Ende Mai ein entsprechender Gesetzentwurf folgen. Dieser sieht vor, Unternehmen dazu zu zwingen, regelmäßig Entgeltberichte vorzulegen, so die frauenpolitische Sprecherin Caren Marks: "Wir als SPD wollen mit diesem Gesetz ganz klare Kante zeigen und sagen, wie wir uns mehr Gerechtigkeit und wirkliche Gleichstellung in unserem Land vorstellen. Diese Bundesregierung ist nicht in der Lage, aber auch nicht willens, für Frauen in diesem Land etwas zu tun."

Equal Pay Day
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In Deutschland verdienen Frauen durchschnittlich 23 Prozent weniger als Männer.

Dass der Gesetzentwurf der SPD im Parlament eine Mehrheit findet, ist jedoch unwahrscheinlich. Nadine Schön, die stellvertretende Vorsitzende der Frauen-Union, warnt vor einem Bürokratiemonster: "Eine staatliche Stelle, die erst in anonymisierter Form das Ganze prüft und wo man dann zusammen mit verschiedenen anderen gesellschaftlichen Kräften bei jedem einzelnen Unternehmen genau nachforscht, woran liegts denn - ich kann mir schlicht nicht vorstellen, dass das funktionieren kann." 

Auch die FDP-Fraktion lehnt eine gesetzliche Regelung ab. "Wir setzen auf transparente Gehaltsstrukturen. Ein neues bürokratisches Regelwerk mit staatlicher Kontrolle, das dem Großteil der Betriebe zusätzliche Berichtspflichten aufbürdet, brauchen wir nicht", findet Nicole Bracht-Bendt, die frauenpolitische Sprecherin der FDP. Vermutlich wird noch mancher "Equal Pay Day" begangen werden, bis sich in der Praxis tatsächlich etwas ändert.

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