Auf einem Handy ist in Englisch der Hinweis zu sehen, dass ein Login bei Parler aktuell nicht möglich ist. | CRISTOBAL HERRERA-ULASHKEVICH/EP

Epik-Chef Monster Die schillernde Figur, die Parler hilft

Stand: 19.01.2021 08:49 Uhr

Parler ging vor einer Woche offline. Amazon hatte dem Netzwerk, das bei extrem Rechten beliebt ist, quasi den Stecker gezogen. Nun ist Parler teils wieder online - dank Epik. Wer steckt hinter der umstrittenen Firma?

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Ein "sicherer Hafen für extreme Rechte" - dies ist nur eine Zuschreibung der US-Medien für die Domain Registration und Webhosting Firma Epik. Die Firma mit Sitz in Washington State gehört zu den 20 größten Unternehmen in den USA, die unter anderem Domains, also Internetadressen, registrieren.

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Der Geschäftsführer von Epik, der Amerikaner Rob Monster, gilt in den USA als durchaus schillernde Figur. Er selbst sagt, er sei 2007 von Gott berufen worden, diesen Job auszuüben: "Ich hatte den Maserati in der Garage und den Privatjet, der auf mich wartete, doch dann bekam ich einen Weckruf von Gott", erzählte Monster in einem Vortrag bei einer christlichen Konferenz 2019.

Auch schon Host des Netzwerks Gab

Monster hatte zuvor unter anderem für den Konsumgüterkonzern Procter & Gamble in Deutschland als Produktentwicklungsmanager gearbeitet. 2009 gründete er Epik. Kritisiert wurde Epik unter anderem dafür, dass das Unternehmen das soziale Netzwerk Gab hostet, nachdem ihm der vorherige Online-Dienst GoDaddy gekündigt hatte.

Die Vorwürfe gegen Gab ähneln denen, die gegen das Netzwerk Parler vorgebracht werden: Ein digitaler Ort, an dem Rechte und Rassisten sagen dürfen, was sie wollen, bis hin zu Hass und Hetze. Gedeckt wird dies vom Netzwerk mit dem Verweis auf das Recht auf freie Meinungsäußerung.

"Sofort wurde ich als Bösewicht dargestellt"

Monster sagte, er habe mit dem Geschäftsführer von Gab gesprochen, um zu schauen, wie es in dessen Herzen aussehe: "Ist das ein Typ, der Böses will? Oder steckt eine positive Agenda dahinter? Ich tat das - und sofort wurde ich als Bösewicht dargestellt."

Er verweist damit auf die Liste der Antirassismus-Organisation "Southern Poverty Law Center", die ihn unter anderem für seine Nähe zu Personen, die den weißen Nationalisten zugerechnet werden, kritisierte. Die Organisation setzte ihn auf die sogenannte "Hate Watch".

Monster kontert immer wieder Vorwürfe mit Verweisen auf die in den USA sehr breit ausgelegte Meinungsfreiheit. Auch andere umstrittene Webseiten und Netzwerke werden oder wurden von Epik gehostet oder registriert, darunter 8Chan, von der sich Epik aber mittlerweile getrennt hat.

Bei Epik hat Parler sich nun mit seiner Internetadresse registriert, wie sich online nachvollziehen lässt. In einem Blogeintrag des Unternehmens hieß es am 11. Januar, man führe keine Gespräche mit Parler, kritisierte aber das Vorgehen der großen Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley in Bezug auf Parler.

Firma mit Verbindungen nach Russland

Google und Apple hatten Parler beispielsweise aus ihren App-Stores geworfen, weil ihnen die Moderation der Inhalte unzureichend erschien. Einen neuen Hosting-Service hat Parler offenbar auch gefunden. Wie die Nachrichtenagentur Reuters erfahren haben will, soll dafür die Firma DDos-Guard zuständig sein, die Verbindungen nach Russland hat.

Für Parler könnte dies die Rettung sein. Auf der Webseite parler.com können sich User zwar nicht wieder einloggen, Parler-Geschäftsführer John Matze schreibt dort aber, man wolle baldmöglichst wieder erreichbar sein.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell Hörfunk am 19. Januar 2021 um 10:20 Uhr.