Palmölplantage in Indonesien. | picture alliance / Bagus Indahon

Palmöl wird knapp Die nächste Ölkrise

Stand: 29.04.2022 17:21 Uhr

Chaos am Pflanzenöl-Markt: Das Exportverbot von indonesischem Palmöl hat die Preise weiter nach oben getrieben. Viele deutsche Lebensmittel und selbst Kosmetikprodukte könnten noch teurer werden.

Hersteller von Süßwaren, Fertigprodukten und Kosmetika sind alarmiert: Indonesien hat seit Donnerstag die Exporte von Palmöl gestoppt. Der Inselstaat ist mit Abstand der weltgrößte Produzent des ökologisch umstrittenen, aber zunehmend in der Industrie genutzten Öls. Wie kaum ein anderer pflanzlicher Rohstoff ist Palmöl vielseitig einsetzbar - ob in Schokolade, Keksen, Margarine, Tütensuppen, Eis, Pizza, Rasierschaum oder Shampoo. In nahezu jedem zweiten Produkt im Supermarkt-Regal ist Palmöl enthalten.

Zwei Drittel aller weltweiten Exporte

Von den weltweit im vergangenen Jahr produzierten rund 77 Millionen Tonnen Palmöl stammen 45,5 Millionen aus Indonesien. Das Land "macht rund zwei Drittel aller weltweiten Exporte aus", sagt Agrarökonom Matin Qaim von der Uni Bonn. Deswegen könne die Gesamtmenge nicht einfach von anderswo importiert werden. Andere Länder wie Malaysia können unmöglich diese wegfallenden Exportmengen kompensieren. Malaysia produziert 19 Millionen Tonnen des rot-bräunlichen Pflanzenfetts und steuert ein Drittel der weltweiten Palmöl-Exporte bei.

Zwar handelt es sich bei Indonesiens Exportstopp nur um gebleichte und raffinierte Palmöl-Produkte, aber auch diese machen fast die Hälfte aller indonesischen Palmöl-Exporte aus. Rohes Palmöl, das weiterhin ausgeführt werden darf, hat nur einen Anteil von acht Prozent an den Exporten.

Palmöl-Preise ziehen an

An den asiatischen Rohstoff-Märkten sorgten die Nachrichten für eine turbulente Woche. Aufgrund des zu befürchtenden Mangels zogen die Palmöl-Preise am Terminmarkt in Kuala Lumpur in Malaysia kräftig an - um gut sieben Prozent. Rohstoff-Analysten in Singapur und Jakarta sprachen von einem "Schock" für die Märkte. Auch die Preis-Rally bei anderen Pflanzenölen nahm wieder Fahrt auf. Sonnenblumenöl, das wegen des Ukraine-Kriegs knapper geworden ist, verteuerte sich ebenso wie Rapsöl.

Zum Teil lässt sich Palmöl durch andere Pflanzenöle wie Soja-, Raps- und Sonnenblumen-Öl ersetzen, aber auch diese sind momentan auf dem Weltmarkt extrem knapp. "Die Entscheidung Indonesiens hat nicht nur Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Palmöl, sondern auch auf Pflanzenöle weltweit", sagte James Fry, Vorsitzender der Rohstoffbratungsfirma LMC.

Asiatische Länder hart getroffen

Leidtragende des indonesischen Exportstopps sind vorrangig asiatische Länder, die viel Palmöl importieren. Pakistan und Bangladesch beziehen knapp 80 Prozent ihres Palmöls aus Indonesien. Und auch Indiens riesiger Palmöl-Bedarf wird zur Hälfte aus indonesischen Exporten gedeckt. Deswegen verschärfe der aktuelle Exportstopp auch die Sorge um drohende Hungerkrisen, meint der Agrarökonom Qaim.

Auch mehrere deutsche Wirtschaftszweige dürften den indonesischen Export-Bann zu spüren bekommen. Die heimische Süßwaren-Industrie zum Beispiel ist sehr auf den pflanzlichen Rohstoff angewiesen. Die Ölpalme sei ein unersetzlicher Öllieferant, sagt eine Sprecherin des Branchenverbands. Die gestiegenen Rohstoffpreise könnten zu Kostensteigerungen führen.

Dr. Oetker & Co. rechnen mit höheren Lebensmittelpreisen

Nach Einschätzung von Paul Mohr, Manager des Rohstoff-Beratungsunternehmens Inverto, müssen sich Verbraucher aufgrund der Palmöl-Verknappung auf steigende Lebensmittelpreise einstellen. Das bestätigt der Lebensmittelkonzern Dr Oetker. Er rechnet ebenfalls mit höheren Preisen. Andere Konzerne wie Nestlé beobachten noch die Situation und wollen sich nicht äußern.

In Deutschland werden jährlich rund 1,8 Millionen Tonnen Palmöl verbraucht. In den letzten Jahren ist der Anteil von Palmöl an der Produktion von Pflanzenölen massiv gestiegen - von zwölf Prozent vor 40 Jahren auf inzwischen 37 Prozent. Dabei ist das rot-bräunliche Pflanzenfett bei Umwelt- und Tierschützern verpönt. Für die riesigen Palmölplantagen werden ganze Wälder gerodet. Darunter leiden gerade in Borneo die Orang-Utans, die ihren Lebensraum verlieren. Zudem kritisieren Mediziner den hohen Anteil an Transfettsäuren im Palmöl. Die darin enthaltenen hohen Cholesterin- und Fettwerte schaden der Gesundheit.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. April 2022 um 11:43 Uhr.