Paketdienst | Bildquelle: dpa

Weihnachtsgeschäft Chaostage für Paketdienste

Stand: 15.12.2017 11:00 Uhr

Der Online-Shopping-Boom bringt die Paketdienste an ihre Grenzen. Die Anbieter erwarten ein Plus von mehr als 20 Prozent. Erstmals könnten in diesem Jahr vor den Feiertagen sogar Pakete liegenbleiben.

Von Frank Wörner, WDR Köln

Es ist voll in den deutschen Innenstädten in der Vorweihnachtszeit. Während sich in den Fußgängerzonen die Weihnachtseinkäufer drängen, fahren in den Wohngebieten die Lieferwagen der Paketdienste Kolonne. Jahr für Jahr meldet die Paketbranche neue Rekorde im Weihnachtsgeschäft. In diesem Jahr dürfte das Plus Schätzungen zufolge bei über 20 Prozent liegen.

Massive Zuwächse im Weihnachtsgeschäft

Konkret bedeutet das etwa beim Marktführer DHL ein Volumen von bis zu 8,5 Millionen Paketen pro Tag - normalerweise sind es im Schnitt mit 4,3 Millionen gerade einmal halb so viele. Und Konkurrent Hermes erwartet das "umsatzstärkste Weihnachtsgeschäft der Unternehmensgeschichte" - mit einem Plus von 25 Prozent gegenüber 2016.

Traditionell gilt: Je näher Weihnachten kommt, desto stressiger wird es für die Zusteller. Denn am Wochenende vor dem Fest bestellen viele Käufer Geschenke im Internet. Die gehen montags in den Versand - und machen in diesem Jahr den 19. und 20. Dezember zu den Tagen mit dem voraussichtlich höchsten Paketaufkommen.

Jedes vierte Weihnachtsgeschenk online bestellt

Kein Wunder: Gut jedes vierte Weihnachtsgeschenk wird nach einer Schätzung des Handelsverbands Deutschland (HDE) in diesem Jahr online bestellt. Dieser Boom stellt die Paketbranche zunehmend vor Probleme.

Schon vor Monaten begannen die Vorbereitungen, Tausende Beschäftigte wurden eingestellt, um in den Depots Pakete zu sortieren oder sie zum Kunden auszufahren. Allein DHL hat für die Vorweihnachtszeit 10.000 Beschäftigte zusätzlich eingestellt. Bei Hermes arbeiten bis zu 6000 Mitarbeiter mehr als sonst, bei DPD 4000 und bei GLS 2500.

Engpässe in der Zustellung

Trotzdem reichen die Kapazitäten nicht aus. Erstmals hat deshalb in diesem Jahr Hermes mit seinen großen Kunden aus dem Onlinehandel Obergrenzen vereinbart. Wird die Grenze bei einem Onlineshop überschritten, muss der Betreiber seine Waren mit einem anderen Paketdienst verschicken - oder sie bleiben bis nach Weihnachten liegen.

Schon im Sommer habe man bei Großkunden abgefragt, welche Sendungsmengen sie für das Weihnachtsgeschäft erwarten, sagte eine Hermes-Sprecherin. Für die habe man die Zustellung garantiert, alles darüber hinaus könne dagegen auch abgelehnt werden.

Branchenverband: Pakete kommen rechtzeitig

Falls es so weit kommt. Bisher - so Hermes - seien jedenfalls keine Fälle bekannt, die angemeldeten Paketmengen überschritten wurden. Und auch Marten Bosselmann, Geschäftsführer beim Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK), gibt sich zuversichtlich: "Ich kann jeden Onlinehändler und jeden Kunden beruhigen: Die Pakete kommen rechtzeitig an."

Im Handel sieht man die Entwicklung dennoch mit Sorge: Der Anstieg des Paketvolumens sei vorhersehbar und daher auch für die Dienstleister planbar gewesen, erklärte HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Genth. Die Paketdienste hätten es versäumt, ihre Kapazitäten auszubauen; das müssten sie nun dringend angehen.

Es gebe kaum eine Branche, die stärker wachse, hält BIEK-Geschäftsführer Bosselmann dagegen: "Aber wir haben das im Griff." Das größte Problem für die Paketdienste sei allerdings der Fachkräftemangel: Die Unternehmen fänden schlicht nicht genügend Beschäftigte.

Kooperation der Paketdienste als Ausweg?

Entlastung könnten Kooperationen bei der Zustellung der Pakete bringen: Jedes Unternehmen organisiert den Transport über längere Strecken selbst, aber nur ein Zusteller bringt die Pakete aller Anbieter zur Haustür - so die Idee. Doch solche Vorschläge sieht der Verband skeptisch.

Ein Risikofaktor bleibt ohnehin bestehen, auf den die Paketdienste keinerlei Einfluss haben: Das Wetter. Wenn es kurz vor Weihnachten schneit und die Straßen glatt sind, helfen auch Tausende zusätzliche Paketboten nicht, alle Pakete pünktlich zum Fest zum Kunden zu bringen.

Über dieses Thema berichtete der WDR am 14. Dezember 2017 um 18:15 Uhr in der Sendung "Servicezeit".

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