Ein Paketzusteller von DHL geht mit einer Sackkarre voller Pakete zu einem Haus. | Bildquelle: dpa

Weihnachtseinkäufe in Corona-Zeiten So viele Pakete wie noch nie

Stand: 03.12.2020 16:18 Uhr

Corona führt zu einem enormen Paket-Boom. Das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr wird alle Rekorde brechen. Was bedeutet das für Zusteller und Kunden?

von David Zajonz, WDR

Die Adventszeit hat gerade erst begonnen, und schon jetzt ist klar, dass der Pakethandel ein Rekordjahr erlebt. Der Branchenriese DHL hat bereits bis Ende November mehr Pakete geliefert als im ges​amten Jahr 2019. In der Weihnachtszeit werden wegen Corona voraussichtlich viele Menschen die vollen Innenstädte meiden und lieber im Netz bestellen. An den Tagen direkt vor Heilig Abend erwartet allein DHL deshalb gut elf Millionen Paketsendungen täglich - mehr als doppelt so viele wie an gewöhnlichen Tagen. Die Paketdienste DPD und Hermes rechnen mit rund 20 Prozent mehr Weihnachtspaketen als im Vorjahr.

"Massive Belastungen" für Zusteller

Schon seit Monaten bereiten sich die Unternehmen darauf vor. Zehntausende neue Arbeitskräfte wurden eingestellt, deutlich mehr Fahrzeuge sind im Einsatz, die Paketboten machen Überstunden. Stefan Thyroke von der Gewerkschaft ver.di blickt mit Sorge auf die Adventszeit: "Die Belastung für die Paketboten ist aktuell noch höher als im normalen Weihnachtsgeschäft." Bereits im ersten Lockdown im Frühjahr sei es zu "massiven Belastungen der Zusteller" gekommen, so die Gewerkschaft.

Kein Recht auf pünktliche Lieferung

Die Paketdienste geben sich dennoch zuversichtlich, die vielen Bestellungen bewältigen zu können. Trotzdem müssen Kunden mit Verzögerungen rechnen. DHL bittet darum, Pakete spätestens bis zum Vormittag des 19.12. zu verschicken, damit die Geschenke rechtzeitig unter dem Weihnachtsbaum landen. Iwona Husemann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät dazu, sich möglichst noch früher um die Geschenke zu kümmern: "Auf der sicheren Seite ist man in der Regel, wenn man ein bis zwei Wochen vor Weihnachten bestellt." Die Verbraucherschützerin warnt: "Grundsätzlich sind die Lieferzeiten unverbindlich." Die Kunden haben also kein Recht auf eine pünktliche Lieferung.

"Kein schwarzes Schaf" unter Paketdiensten

In diesem Jahr werden die Familienfeiern kleiner ausfallen als sonst. Dadurch werden viele Menschen ihre Geschenke nicht persönlich überreichen können. Verbraucherschützerin Husemann empfiehlt deshalb, Online-Geschenke nicht erst zu sich liefern zu lassen, sondern direkt an den Empfänger zu adressieren. "Viele Online-Shops bieten gegen einen geringen Aufpreis Geschenkverpackung an. Das würde helfen, das Paketvolumen zu reduzieren und nachhaltiger zu schenken", so Husemann. Die Verbraucherschützerin glaubt, dass es nicht entscheidend ist, für welchen Paketdienst sich Kunden entscheiden: "Wir haben die fünf großen Anbieter miteinander verglichen. Letztendlich sind die Unternehmen ähnlich gut. Es gibt darunter kein schwarzes Schaf."

Gewerkschaft: Fahrer teils unter Mindestlohn

Die Gewerkschaften haben einen anderen Blick darauf. Unter den fünf großen Anbietern lobt ver.di-Experte Thyroke DHL und UPS. Diese arbeiteten mehrheitlich mit eigenen Zustellern: "Dort machen die Beschäftigten in der Weihnachtszeit Überstunden, die dann später ausgeglichen oder ausbezahlt werden." GLS, DPD und Hermes hingegen arbeiten nach Darstellung der Gewerkschaft viel mit Subunternehmern und Solo-Selbstständigen. Die Bezahlung erfolge pro Paket oder pro Stunde, sagt Thyroke: "Dadurch kommt es dazu, dass die Fahrer häufig noch bis spät abends ausliefern. Außerdem gehen wir davon aus, dass die Solo-Selbstständigen teilweise unterhalb des Mindestlohns von 9,35 Euro pro Stunde liegen."

Paketboten entgegenkommen

Paketboten haben einen Knochenjob. Sie müssen schwer tragen und häufig Treppen steigen. Tatsächlich hätten Kunden ein Recht darauf, dass ihnen Pakete bis vor die Wohnungstür gebracht werden, sagt Verbraucherschützerin Husemann. Es reiche nicht, wenn der Paketbote die Lieferung im Hauseingang abstelle, die Übergabe an den Kunden müsse quittiert werden. Allerdings muss natürlich niemand darauf bestehen, dass der Zusteller bis in den fünften Stock kommt. Wenn Kunden ihre Paketboten entlasten wollen, können sie sich überlegen, ob sie ihnen im wahrsten Sinne des Wortes entgegenkommen: im Hausflur.

Über dieses Thema berichtete Bayern 2 Nachrichten in Hörfunk am 27. November 2020 um 18:00 Uhr.

Korrespondent

David Zajonz | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo WDR

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