Paketzusteller in einem voll beladenen Zustellfahrzeug |

Paketbranche schwenkt um Abschied von "Same Day Delivery"

Stand: 15.01.2021 11:11 Uhr

Die deutsche Paketbranche hat die Nachfrage der Kunden nach einer Zustellung am selben Tag offenbar überschätzt. Entsprechende Angebote haben die Unternehmen inzwischen wieder eingestellt.

Die großen deutschen Paketdienstleister haben ihre taggleichen Lieferungen, das sogenannte "Same Day Delivery", mangels Nachfrage schon wieder beendet. Logistiker hatten vor einigen Jahren noch große Hoffnungen auf die taggleiche Zustellung gesetzt. Verbraucher oder Firmen, die am Morgen bestellen, sollten die Ware am selben Tag erhalten.

Schnell, aber zu teuer

Die Nachfrage sei aber "deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben" und diese Dienstleistungen seien ein Nischenmarkt geblieben, sagt Hermes-Sprecherin Ayhan-Lange. "Dies liegt unter anderem daran, dass die Zahlungsbereitschaft der Kundinnen und Kunden für diese logistisch anspruchsvolle und kostenintensive Zustellart nicht im ausreichenden Maße gegeben ist."

Ende 2020 zog Hermes deshalb die Reißleine und stellte die Dienstleistung ein. Den Kunden gehe es nicht primär um die taggleiche Zustellung, sondern "um eine transparente und verlässliche Kommunikation" darüber, wann die Sendung ankommt, sagt Ayhan-Lange.

Auch der Marktführer Deutsche Post hatte die taggleiche Zustellung im vergangenen Jahr eingestellt. Die Begründung lautete ebenfalls: zu schwache Nachfrage. Der dritte große Paketdienstleister in Deutschland, DPD, hat sein Same-Day-Angebot schon 2019 zu den Akten gelegt.

Paketzusteller während der Weihnachtszeit | dpa

Paketzusteller: Zu schwache Nachfrage nach taggleicher Lieferung? Bild: dpa

Geringere Laufzeiten als Ziel

Was nimmt sich die Branche stattdessen vor? "Statt eine kostenintensive Belieferung am Bestelltag zu realisieren, geht es in naher Zukunft eher darum, die Standardlaufzeiten noch weiter zu reduzieren", sagt Birte Ayhan-Lange. Normale Pakete sollen im Schnitt also schneller beim Empfänger sein als früher. Man habe viel Geld investiert, um Abläufe zu beschleunigen.

Bei Hermes geht es darum, dass sich der Zeitpunkt der spätestmöglichen Übergabe der Sendungen vom Händler an den Logistiker nach hinten verschiebt. Lag dieser Zeitpunkt nach Angaben von Hermes bis vor kurzem noch bei 20 Uhr, sei inzwischen Mitternacht möglich.

Das heißt: Bestellt ein Verbraucher erst am Abend ein Produkt, das der Händler schnell aus dem Lager holt und an Hermes übergibt, so besteht nun die Möglichkeit, dass die Sendung schon am nächsten Tag ankommt - garantiert ist das aber nicht. Statt "Same Day Delivery" setzt Hermes also auf "Next Day Delivery", wie es im Branchensprech heißt.

Beschäftigte fertigen Pakete am Fließband ab.  | dpa

Beschäftigte bei der Paketabfertigung eines Versandhändlers. 2020 hat die Branche einen enormen Boom erlebt. Bild: dpa

Präzise Sendungsankündigung

Eine besonders späte Annahme der Pakete für die Auslieferung am nächsten Tag peilt DHL nicht an. Dafür sei die Nachfrage von Geschäftskunden zu gering, heißt es von DHL. Die Pakete kämen ohnehin schon schnell beim Empfänger an. Bei DHL erreichen in Deutschland nach Firmenangaben 83 Prozent aller Pakete den Adressaten am nächsten Tag, bei Hermes liegt dieser Wert nach Firmenangaben bei 90 Prozent. Verbesserungspotenzial sieht auch DHL bei einer präzisen Sendungsankündigung.

Obgleich die Logistikriesen die Dienstleistung aus ihrem Portfolio gestrichen haben, ist die Bestellung am Morgen und Lieferung am Abend desselben Tages in manchen Bereichen und in manchen Städten in Deutschland weiter möglich. Dies bieten zum Beispiel bestimmte Lebensmittelhändler an. Wie aus der Handelsbranche verlautet, ist aber auch hier die Nachfrage verhalten. Bei Amazon ist "Same Day" bei bestimmten Produkten ebenfalls möglich. Wie dieses Geschäft in Deutschland läuft, will die Firma nicht sagen.