Mann hält Smartphone in den Händen | Bildquelle: dpa

Netzwerk Openbook Wie Facebook, aber ohne Datenhandel

Stand: 17.07.2018 07:08 Uhr

Openbook will die datenschutzfreundliche Alternative zu Facebook werden: ohne Werbung, ohne Nutzerdaten zu sammeln. Nicht nur in puncto Finanzierung dürfte es ein neues Netzwerk schwer haben.

Von David Zajonz, WDR

Mit seinen 22 Jahren ist Joel Hernández vergleichsweise alt für die Gründung eines sozialen Netzwerks. Sein Konkurrent Mark Zuckerberg war gerade mal 19, als die erste Version von Facebook online ging. "Ich fühle mich nicht alt im Vergleich zu ihm", lacht Hernández. Mit 18 Jahren habe er angefangen, in einem Softwareunternehmen zu arbeiten: "Ich glaube, diese zusätzlichen Jahre an Erfahrung helfen mir."

Jetzt will Hernández mit seinem Projekt Openbook durchstarten. Gerade läuft die Crowdfunding-Kampagne dafür an. Damit wollen sein Team und er Geld von potentiellen Nutzern und anderen Unterstützern einsammeln. In etwa einem halben Jahr soll es eine erste Version des Netzwerks geben.

Facebook-Chef Marc Zuckerberg | Bildquelle: AP
galerie

Facebook-Chef Marc Zuckerberg hat sein soziales Netzwerk mit 19 Jahren gegründet. Heute ist es ein Weltkonzern.

Datenschutz-Grundverordnung als Chance

Openbook sitzt in den Niederlanden und setzt voll auf das Thema Datenschutz. "Wir wollen Nutzerdaten nicht zu Geld machen", verspricht Hernández. Beim Angriff auf Facebook hilft den Gründern die neue Datenschutzgrundverordnung der EU. Durch sie sind große Plattformen dazu verpflichtet, Nutzern Zugang zu ihren Daten zu geben und so den Wechsel zu einem Wettbewerber zu erleichtern. Facebook-Nutzer könnten Inhalte, wie zum Beispiel Fotos, also einfach zu einer anderen Plattform mitnehmen.

Fast zeitgleich zum Openbook-Crowdfunding startet in den USA ein Projekt mit dem Namen "Open Book Challenge". Darin sucht der Investor Jason Calacanis Gründer-Teams, die eine Facebook-Alternative entwickeln wollen. Ein ähnliches Vorhaben wie das von Joel Hernández. Selbst der Name ist nahezu gleich. Reiner Zufall, versichert Hernández. Zufall oder ein Zeichen: Datenschutzfreundliche Antworten auf Facebook scheinen Konjunktur zu haben.

Facebook-Herausforderer haben es schwer

Social-Media-Berater Felix Beilharz bezweifelt allerdings, dass das Alleinstellungsmerkmal Datenschutz ausreichen wird, um genug Internetnutzer zu einem Wechsel zu bewegen. Ein neuer Wettbewerber müsse sich durch neue Funktionen klar von Facebook abheben. Das sei aber nicht so einfach, sagt Beilharz: "Facebook bietet jetzt schon Videochats, Live-Streaming von TV-Sendern, Gruppenkommunikation und vieles andere. Für Openbook wird es schwer, hier etwas Neues anzubieten."

Der Berater erinnert an den Facebook-Herausforderer Vero, der ebenfalls ohne Werbung auskommen will. Anfang des Jahres gab es einen kurzen Hype um die App. Dieser ist inzwischen verpufft. "Vero war Facebook einfach zu ähnlich", analysiert Beilharz.

Vero - ein neues soziales Netzwerk
netzreporter, Julia Rehkopf, RB

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Geschäftsmodell noch vage

Selbst wenn es Openbook gelingen sollte, Nutzer zu gewinnen, bleibt die Frage, wie das Unternehmen Geld verdienen will. Facebooks Geschäftsmodell ist darauf ausgelegt, durch die Verwendung von Nutzerdaten zielgenaue Werbeangebote zu verkaufen. Openbook hingegen will die Daten seiner Nutzer schützen und komplett auf Werbung verzichten. Auch eine Abogebühr wollen die Gründer nicht erheben.

Wo also soll das Geld herkommen? Zunächst gehe es darum, Nutzer in das Netzwerk zu ziehen, sagt Openbook-Gründer Hernández. Langfristig wolle man dann eine Art digitalen Geldbeutel einführen. Damit soll es möglich werden, in der digitalen und in der realen Welt zu bezahlen - von Konzertkarten bis zum Kaffee in der Bäckerei. Mit diesem System will Openbook Geld verdienen.

Dank der strengen Datenschutz-Maßnahmen könne den Nutzern dabei besonders viel Sicherheit geboten werden. Bis dieses Geschäftsmodell konkreter wird, ist es noch ein langer Weg. Sollte sein Projekt irgendwann ein Erfolg werden, will Hernández seinen Facebook-Account abschalten. Noch hat er ihn - trotz der Probleme mit dem Datenschutz.

Über dieses Thema berichtete das WDR 5 Morgenecho am 17.07.2018 um 06:49 Uhr.

Korrespondent

David Zajonz Logo WDR

David Zajonz, WDR

Darstellung: