Probleme mit GM Detroit und Bochumer Opelanern Termin für Magna-Deal kaum noch zu halten

Stand: 10.07.2009 22:31 Uhr

Mitte kommender Woche soll der Verkauf von Opel an den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna unter Dach und Fach gebracht werden. Doch jetzt drohen die Amerikaner mit anderen Verhandlungspartnern, und in Bochum wollen einige Mitarbeiter nicht auf ihr Urlaubsgeld verzichten.

Von Klaus-Rainer Jackisch, HR Frankfurt

German Gref ist ein freundlich wirkender, eher zurückhaltender Mann, der die Klaviatur der Diplomatie spielend beherrscht. Doch wenn er will, kann der Chef der russischen Sberbank, die zusammen mit dem Autozulieferer Magna und dem russischen Autobauer GAZ die Mehrheit an GM Europe übernehmen will, auch kräftig austeilen. Die Verhandlungen mit dem Management von General Motors seien abenteuerlich, berichtete er diese Woche in Berlin.

Am Rande einer Veranstaltung des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft sagte der schlanke Mann, es gebe massive Probleme mit den Amerikanern. "Da geht ein Unternehmen bankrott, und dann versucht es zwei Tage später allen zu erklären, wie das Geschäft funktioniert", stichelte er vor Reportern einer großen Wirtschaftszeitung. "Das ist nicht sehr glaubwürdig."

Magna will moderne Chevrolet-Werke in Russland

Der neue Chevrolet Volt
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Der neue Chevrolet Volt: GM will die russischen Chevrolet-Werke nicht hergeben.

Konkret geht es in den schwierigen Verhandlungen um das Russland-Geschäft, das General Motors unter der zum Konzern gehörenden Marke Chevrolet betreibt. Magna, Sberbank und GAZ wollen nämlich nicht nur 55 Prozent von GMs Europa-Geschäft mit den Marken Opel und Vauxhall, sondern auch Teile von Chevrolet, vor allem deren moderne Werke in Russland. Damit möchten die drei Partner ganz nach den Visionen von Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin einen starken russischen Automobilhersteller aufbauen - einen potenziellen Konkurrenten, an dem General Motors wenig Interesse hat.

Zwar will General Motors GM Europa los werden, sich aber nicht aus dem lukrativen russischen Markt zurückziehen. Für den sehen Experten große Wachstumschancen. Daher sei man nicht bereit, den Russen amerikanische Technologien auf dem Tablett zu servieren, hieß es brüsk aus der GM-Zentrale in Detroit. Es gehe hier schließlich um geistiges Eigentum. Und weiter: Man müsse mit Magna nicht zum Ergebnis kommen, es gebe auch noch die anderen Interessenten, den US-Investor Ripplewood und den chinesischen Autohersteller BAIC, mit denen weiter verhandelt werde.

Auch China zeigt Interesse an GM Europe

Archivbild: 15. Juli 2008 Hauptsitz von General Motors in Detroit
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GM in Detroit schießt in den Magna-Verhandlungen quer.

Die Bejing Automotive Industry Holding (BAIC) nutzte denn auch die Gunst der Stunde und schob gleich ein konkretes Angebot nach. Das allerdings stößt vor allem auf deutscher Seite auf wenig Gegenliebe. Hessens Ministerpräsident Roland Koch lehnte im Nachrichten-Sender hr-info Verhandlungen mit BAIC strikt ab. Ein Unternehmen, das gerade mal 12.000 Autos pro Jahr produziere und keine Rückendeckung der chinesischen Regierung habe, sei kein ernsthafter Verhandlungspartner.

Damit rüffelte er auch seinen Parteifreund, den CDU-Mittelstandspolitiker Michael Fuchs. Der hatte wie der Wirtschaftsrat der Union gefordert, die Verhandlungen nicht einseitig auf Magna auszurichten und auch die Offerte der Chinesen genauer zu prüfen. Denn beim chinesischen Angebot würde der deutsche Steuerzahler deutlich besser wegkommen.

Zu viel versprochen?

Hintergrund der Ablehnung sind allerdings auch Sorgen, die Chinesen könnten sich die Technologie von Opel zum Schnäppchenpreis einkaufen und dann selbst adaptieren, sich aber wenig um die Mitarbeiter hierzulande scheren. Ähnliche Erfahrungen hatte es mit chinesischen Unternehmen in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Das letzte Wort in der Frage hat freilich nicht die deutsche Seite, sondern General Motors in Detroit.

Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz
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Hatte die Unterstützung der Opel-Belegschaft zugesagt: Gesamt-Betriebsratschef Franz

Dort, aber vor allem bei Magna, ist man auch wenig begeistert, dass die laufenden Verhandlungen nun auch noch von Teilen der deutschen Opel-Belegschaft konterkariert werden. Denn im Zuge des Deals hatte der Gesamtbetriebsrat Klaus Franz Zusagen gemacht, die Belegschaft der deutschen Opel-Werke werde einen Beitrag zur Rettung Opels leisten. Konkret wurden Einschnitte beim Urlaubsgeld und bei den tariflich vereinbarten Lohnsteigerungen im laufenden Jahr versprochen.

Bochumer Betriebsrat konterkariert Verhandlungen

In Bochum stoppte GM Europa daher schon mal die Auszahlung des Urlaubsgeldes oder ließ es wieder zurückbuchen, was sich die Mitarbeiter aber nicht gefallen ließen. Mit Hilfe des Betriebsrates Bochum und der IG Metall zog man vor das Arbeitsgericht Bochum, das den Antrag auf einstweilige Verfügung aber abwies. Nach Ansicht des Gerichts kann der Betriebsrat das Urlaubsgeld nicht kollektiv für die Beschäftigten einklagen. Nun würden individuelle Klagen der Mitarbeiter vorbereitet, hieß es bei der IG Metall.

Mitarbeiter des Opel-Werkes
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Die Mitarbeiter des Opel-Werkes in Bochum wollen ihr Urlaubsgeld einklagen. (Archivbild)

Auch wenn der erste Anlauf gescheitert ist, düpiert Bochums Betriebsratschef Rainer Einenkel mit dieser Aktion nicht nur den Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz, der sich deshalb in der ARD dazu auch nicht äußern will - er konterkariert auch die laufenden Verhandlungen mit Magna & Co. Hier hatte man sich auf die Zusagen von Franz verlassen und sieht die versprochenen Einsparungen als Teil des Gesamt-Deals an, auf die man nicht verzichten will.

Im schlimmsten Fall keine Einigung mit Magna

Kein Wunder, dass man in Opel-Kreisen kaum glaubt, dass die Verhandlungen wie geplant bis zum 15. Juli abgeschlossen werden. Selbst der Termin für die angesetzte Aufsichtsratssitzung bei Magna einen Tag vorher scheint zu wackeln. Für die rund 50.000 Mitarbeiter von Opel geht die Zitterpartie damit weiter. Und im schlimmsten Fall gibt es gar keine Einigung.

German Gref, der umtriebige Chef der Sberbank, wurde jedenfalls nicht erst beim Termin des Ostausschusses in Berlin deutlich: Ein Scheitern der Verhandlungen sei nicht ausgeschlossen.

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