Opel

Autobauer in der Krise Opel bittet um Staatsbürgschaft

Stand: 14.11.2008 19:53 Uhr

Autos von Opel auf dem Gelände des Werks Eisenach.
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Mehr Autos, als der Markt aufnehmen kann: Der Absatz ist eingebrochen.

Opel muss als erster Autohersteller in Deutschland um staatliche Hilfe bitten. Die Tochter des schwer angeschlagenen US-Konzerns General Motors (GM) bemüht sich um eine staatliche Bürgschaft, wie das Unternehmen mitteilte. Opel-Chef Hans Demant verwies zur Begründung auf die Finanzkrise und die schwierige Lage auf dem US-Automarkt. GM droht angesichts eines massiven Absatzeinbruchs das Aus.

"Wir wollen die Wettbewerbsfähigkeit von Opel auch in dieser global schwierigen Situation sichern", sagte Demant. Die eventuell benötigten Mittel würden für Investitionen in Produktentwicklung und Fertigungsanlagen in den deutschen Werken eingesetzt und würden keinesfalls außerhalb Europas genutzt. Opel habe aber kein Liquiditätsproblem, betonte Demant. Es handele sich nur um den theoretischen Fall, dass wegen der Krise beim Mutterkonzern GM die Finanzströme aus den USA nicht weiter liefen.

Eine Milliarde schwere Bürgschaft?

Aus Unternehmenskreisen hieß es, die Bürgschaft für Opel könne bis zu einer Milliarde Euro schwer sein. Die Bedingungen dafür wolle Opel mit den Experten der Bundesregierung und den betroffenen Landesregierungen aushandeln.

Der Hessische Rundfunk berichtete am Freitag zudem, nach Angaben aus Kreisen des Unternehmens und aus der Landespolitik "soll sich die globale Finanzsituation vom Mutterkonzern General Motors weiter drastisch verschärft haben. Daher könnte es zu Zahlungsausfällen an Opel kommen."

Bund fordert "belastbare Zahlen"

Nach eigenen Angaben ist Opel im Gespräch mit der Bundesregierung sowie mit den Regierungen von Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen. In diesen Ländern verfügt der Autohersteller über Montage- oder Komponentenwerke. Insgesamt hat der Autobauer in Deutschland knapp 25.700 Mitarbeiter.

Der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Torsten Albig, erklärte zu der Bitte von Opel um eine staatliche Bürgschaft: "Wir werden nächste Woche mit allen Beteiligten zusammenkommen und die Lage sorgfältig prüfen." Opel müsse aber konkrete, belastbare Zahlen auf den Tisch legen. Allerdings müsse das Problem an den Standorten angegangen werden.

Positive Signale aus den Ländern

Von dort kam prompt ein positves Echo: Hessens CDU-Ministerpräsident Roland Koch sagte, seine Regierung wolle eine Bürgschaft von 500 Millionen Euro übernehmen. Die solle der Landtag noch in seiner letzten Sitzung beschließen.

In Rheinland-Pfalz ist die Landesregierung nach den Worten von Ministerpräsident Kurt Beck bereit, gemeinsam mit dem Bund und den Ländern eine Bürgschaft mitzutragen. "Wir werden alles tun, um die deutschen Standorte zu sichern und die Interessen der Arbeitnehmer zu wahren", sagte Beck.

Auch Nordrhein-Westfalen will Anfang nächster Woche mit dem Bund über eine mögliche Bürgschaft für Opel beraten. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sagte gegenüber dem WDR: "Wir lassen Opel nicht untergehen!".

Die thüringische Staatskanzlei teilte mit, Ministerpräsident Dieter Althaus habe für kommenden Mittwoch Vertreter der Automobilindustrie zu einem "Autogipfel" in die Staatskanzlei eingeladen.

Opel mit Kreditprogramm abgeblitzt

Opel hatte vor wenigen Tagen erst ein 40-Milliarden-Kreditprogramm der Europäischen Investitionsbank (EIB) für die europäische Autoindustrie vorgeschlagen, war mit dieser Forderung aber bei der Bundesregierung abgeblitzt.

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