Opel | Bildquelle: dpa

Stammwerk Rüsselsheim Sechs Monate Kurzarbeit bei Opel

Stand: 01.10.2019 13:59 Uhr

Im Opel-Stammwerk in Rüsselsheim droht Kurzarbeit. Das Unternehmen stellte einen entsprechenden Antrag. Betroffen wären 2600 Mitarbeiter. Erst ab 2021 wird die Belegschaft wieder mehr zu tun bekommen.

Der Autobauer Opel hat für rund 2600 Mitarbeiter seines Stammwerks in Rüsselsheim Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur angemeldet. Das bestätigte ein Sprecher des Konzerns. Für die kommenden sechs Monate solle die Spätschicht gestrichen werden. Der Schritt sei mit dem Betriebsrat abgestimmt.

Die Arbeitnehmer erhalten für die nicht geleistete Arbeitszeit Kurzarbeitergeld als Lohnersatzleistung sowie einen Zuschlag von Opel. Das Entwicklungszentrum und weitere zentrale Einheiten des Autobauers sind nicht betroffen.

"Dieser Schritt dient dazu, eine sozialverträgliche Brückenlösung zu schaffen", erklärte das Unternehmen. In dem zum französischen PSA-Konzern zählenden Autowerk fehlt derzeit die Arbeit. Die Produktion des Familienwagens Zafira war im Sommer ausgelaufen, der Absatz der Limousine Insignia schwächelt.

Opel Zafira
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Die Zafira-Produktion in Rüsselsheim ist ausgelaufen. Nun gibt es nicht genug Arbeit für die Beschäftigten.

Astra soll Stammwerk sichern

Erst im Jahr 2021 kommt mit dem Kompaktwagen Astra ein zweites Modell ins Opel-Stammwerk und soll dieses nachhaltig sichern. PSA hatte im Juni die Verlegung der Astra-Produktion von Polen nach Rüsselsheim angekündigt. Bis es soweit ist, sollen die Beschäftigten möglichst im Unternehmen gehalten werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind an den deutschen Standorten bis Sommer 2023 ausgeschlossen. "Mit den Investitionen in den Bau des nächsten Opel Astra ab 2021 ist die Zukunft des Werkes langfristig gesichert", versicherte Opel.

Mit Kurzarbeit versuchen Unternehmen, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Kündigungen zu vermeiden. Wenn Aufträge fehlen und die Produktion gedrosselt wird, arbeiten die Beschäftigten nur noch einen Teil der üblichen Zeit oder vorübergehend gar nicht. Die Firma zahlt nur den Lohn für die geleistete Arbeit und spart sofort Personalkosten. Der Arbeitnehmer bekommt aber einen Großteil des gewohnten Einkommens, weil die Arbeitsagentur einen Teil der Lohneinbußen ausgleicht.

Derzeit etwa 43.000 Menschen in Kurzarbeit

Nach Auskunft der Bundesagentur für Arbeit Derzeit befinden sich aktuell in Deutschland 43.000 Menschen in Kurzarbeit. Vor der großen Finanzkrise im Jahr 2008 seien es im Schnitt 100.000 gewesen, sagte BA-Chef Detlef Scheele. Allerdings gebe es immer mehr Gesprächsbedarf: Derzeit verzeichne die Bundesagentur 25.000 neue Anzeigen für Kurzarbeit.

Einer Ifo-Umfrage zufolge konzentriert sich die Kurzarbeit in der deutschen Industrie derzeit auf sieben Branchen. Am schlimmsten betroffen ist die Textilindustrie mit einem Anteil von 20 Prozent der Firmen. Etwa sieben Prozent aller Firmen, die an der Herstellung von Autos und Autoteilen arbeiten, setzen derzeit auf Kurzarbeit.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Oktober 2019 um 15:00 Uhr.

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